1. Tag: Hinflug von Frankfurt nach Las Vegas

Nachdem wir am ersten Tag unserer letzten USA-Reise vor zwei Jahren erst gegen Mitternacht in Los Angeles angekommen waren, hatten wir uns dieses Mal vorgenommen, einen möglichst frühen Flug zu buchen. Gesagt, getan: Um 8:10 Uhr von Frankfurt nach Chicago, dann um 12:25 Uhr weiter nach Las Vegas mit Ankunft um 14:20 Uhr. Früher am Tag kann man dort nicht ankommen und selbst Non-Stop-Flüge nach SFO oder LAX landen nur knapp eine Stunde eher.

Eine perfekte Zeit, um in Ruhe den Mietwagen zu übernehmen, eine Kleinigkeit oder auch mehr als eine Kleinigkeit zu essen und einzukaufen, um die eigentlich Reise am nächsten Tag ohne Umschweife beginnen zu können. Was wir bei der Buchung „vergessen“ hatten: Dass eine so zeitige Ankunft zugleich natürlich bedeutet, dass man früh aufstehen muss – nämlich gegen 4:30 Uhr. Egal, gewöhnen wir unsere innere Uhr halt einen Tag früher an das Durcheinander.

United 772

Hinflug mit United

Ein weiterer Vorteil der frühen Startzeit: Um 5:30 Uhr sind die Straßen rund um Frankfurt noch angenehm leer, sodass einer pünktlichen Ankunft am Flughafen nichts im Wege steht. Auf eine solche hoffen wir auch in Chicago, denn die Umsteigezeit ist mit zwei Stunden relativ knapp bemessen.

Dank investigativer Recherche in der Vorwoche (okay: wir haben bloß auf Flightradar geschielt) wissen wir, dass wir bei der Ankunft mit voraussichtlich drei Maschinen konkurrieren: Eine Emirates soll etwa 45 Minuten vor uns ankommen und tut das hoffentlich auch, damit die Mehrheit der Passagiere die Immigration schon hinter sich hat.

Zwei Flieger aus London hingegen erreichen Chicago üblicherweise fast zeitgleich mit uns – wenn wir zumindest einen der beiden schlagen können, sollten wir den Anschlussflug auf jeden Fall erwischen. Wenn nicht, könnte es knapp werden; die Wartezeit an der Immigration schwankt laut Website der US-Behörden meistens zwischen 30 bis 90 Minuten und danach folgen ja noch der Zoll sowie ein Terminalwechsel.

Der Check-In in Frankfurt verläuft aber immerhin schon einmal problemlos und auch das Boarding geht zügig voran. Wir haben den eigentlich erstaunlich günstigen Flug künstlich ein wenig verteuert, indem wir uns für knapp 300$ Platz 20A und 20B gegönnt haben, Bulkhead in der Economy Plus. Zwei Plätze, mit denen man ein kleines Risiko eingeht: Auf der einen Seite hat man viel Beinfreiheit, keinen vor sich, der einem die Lehne ins Gesicht drücken kann, und es läuft so gut wie niemand vorbei, denn die Holzklasse-WCs befinden sich hinten – vor uns darf man nur in Anzug und Krawatte pinkeln.

Auf der anderen Seite werden hier üblicherweise die Bassinets angebracht, sodass man mit Glück ein mürrisches Baby neben sich hat, und mit Pech ein mürrissches, müffelndes Baby. Aber, hey, wir fahren nach Las Vegas, da kann man auch schon mal im Flug anfangen zu gambeln. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und so weiter! So früh am morgen fliegen doch bestimmt keine Familien von Frankfurt nach Chicago!

Erstaunlicherweise behalten wir Recht: Es sind nicht nur keine Familien an Bord, der Flieger ist nicht einmal zur Hälfte gefüllt und wir könnten uns alle zehn Minuten in eine andere freie Reihe legen. (Die Stewardess weist uns tatsächlich vor dem Abflug darauf hin, dass wir uns nach dem Start gerne eine Reihe nehmen dürfen, wenn wir schlafen wollen.)

Leeres Flugzeug

Unser Flugzeug ist übrigens eine gute, alte 772 und die Betonung liegt hier tatsächlich auf alt, denn die meisten United-Maschinen dieses Modells waren schon in der Luft als wir zum ersten Mal in den USA waren, also vor knapp zwanzig Jahren. Wir erwischen heute jedoch ein quasi brandneues Exemplar, das gerade sweet sixteen feiert. Und wenn man eins beim Fliegen lernt, dann ist es, sich auch über die kleinen Dinge zu freuen…

Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass man dem Flugzeug sein Alter nicht ansieht und es in Hinblick auf die Zuverlässigkeit ohnehin keine nennenswerte Rolle spielt. Der IFE-Bildschirm ist etwas kleiner als in vielen neueren Modellen, hin und wieder knarzt es ein wenig, aber das war’s auch schon.

Frühstück bei United

Darüber hinaus ist der Service von United für eine US-Airline erstaunlich gut, lediglich das Essen ist so lala: Vor ein paar Jahren gab es auf dem Flug noch Frühstück und Mittagessen, dann wurde das Frühstück aus Kostengründen gestrichen – und zwischen unserer Buchung und dem heutigen Abflug wurde noch einmal umgestellt: von Mittagessen auf Frühstück.

Statt „chicken or pasta“ serviert man uns also „omelette or waffle“ und später noch ein Brötchen. Auch wenn wir natürlich schon zu Hause eine Kleinigkeit gefrühstückt hatten, ist das ein bisschen dürftig, schließlich kommen wir erst gegen 17 Uhr MESZ in Chicago an.

Äußerst praktisch ist hingegen das Wi-Fi an Bord, mit mindestens 10$ zwar nicht ganz billig, aber erstaunlich schnell. So können wir uns nicht nur die Zeit etwas besser vertreiben, sondern gleichzeitig die anfangs erwähnte Konkurrenz im Auge behalten. Gute Nachrichten: Die Emirates ist flott unterwegs, während unsere Londoner Freunde hinterherhinken. Bestens!

Achja, ein paar TV-Serien und einen Film haben wir selbstverständlich auch nebenbei laufen lassen. Unsere tiefgehende Rezension: „Why him?“ mit Bryan Cranston und James Franco ist auf ’nem Flug gut guckbar. Sprich: Man schmunzelt zwei oder drei Mal und kann problemlos fünf Minuten wegnicken, ohne dabei etwas zu verpassen.

Flughafen Chicago O'Hare

Durch die Immigration nach Las Vegas

Wir landen in Chicago sagenhafte 45 Minuten zu früh. Die Fahrt bis zum Gate dauert zwar noch knapp 15 Minuten – so ein verwirrendes Rollfeld gibt es wohl kein zweites Mal -, aber Sorgen um das Erreichen des Anschlussfluges machen wir uns spätestens jetzt keine mehr. Dank unserer guten Sitzplätze sind wir sogar die Ersten an der komplett leeren Immigration.

Und dann, der spannende Moment: Unsere ersten Schritte in Trumps Amerika! Wie wird man uns wohl willkommen heißen? Gilt das versprochene „extreme vetting“ auch für weiße Mitteleuropäer? Wie viele Fragen werden wir beantworten müssen?

So wenige wie nie zuvor, nämlich exakt eine: „What’s the purpose of your visit?“

Das war’s. Kein „What are you doing for a living?“, nicht einmal „How long are you staying?“, nichts! Extreme vetting? Ein bisschen enttäuscht sind wir ja schon…

Im Ernst: Die gesamte Hinreise hätte bisher nicht besser verlaufen können und das setzt sich auch so fort, wenn man mal darüber hinwegsieht, dass in Chicagos Flughafen offenbar eine Toilette das Zeitliche gesagnet hat und das dem ganzen Terminal bestens riechbar verkündet.

Anschließend geht es mit einer 753, dieses Mal komplett gefüllt, weiter nach Las Vegas. Auch hier kommen wir gut 30 Minuten zu früh an, obwohl sich der Pilot unterwegs noch einen Spaß erlaubt und uns „weather over the Rockies“ verspricht, die Flugbegleiter zum Hinsetzen auffordert, sich dann jedoch so gar nichts tun will. Das Weather oder zumindest den Wind bekommen wir dafür bei der Landung in Las Vegas, aber nach unten kommen sie ja immer!

Mietwagen von Alamo

Mietwagenübernahme und Fremont Street

Der Wind bläst uns dann auch entgegen, als wir den Flughafen von Las Vegas verlassen. Normalerweise wäre das sicher ganz angenehm, hier hat der Wind aber eine Temperatur von etwa 45° C und fühlt sich an wie ein Fön.

Mit dem Shuttle Bus geht es zum Rental Car Center, wo sich die Fahrzeugübernahme bei Alamo ein wenig ernüchternd gestaltet, denn in der versprochenen Choice Line stehen uns keine zehn verschiedene Fahrzeuge unserer Klasse zur Auswahl. Es sind auch nicht fünf. Oder drei. Oder zwei. Sondern exakt null.

Zum Trost bekommen wir ein unfreiwilliges Update, bei dem wir die Auswahl zwischen – wie könnte es anders sein – genau einem Mietwagen haben. Aber, gut, der SUV fährt bisher und das ist ja die Hauptsache. Wir gönnen uns einen Burger bei In-N-Out und decken uns bei Walmart mit Wasser, Snacks, Pappgeschirr, Plastikbesteck und Hand Sanitizer ein.

Fremont Street Experience

Weil wir uns heute nicht gleich den Strip und das damit verbundene Verkehrschaos geben wollten, haben wir ein Hotel nahe der Fremont Street gebucht. Auch, weil wir in der Vergangenheit stets zu faul waren, die circa zwanzig Minuten mit dem Bus vom Strip dorthin zu fahren. Im Nachhinein muss man sagen: Unsere Faulheit war berechtigt.

Die „Fremont Street Experience“ erinnert ein wenig an Venice Beach – arg viel Kappes für Touristen, selbst für Las-Vegas-Verhältnisse deutlich „too much“ -, einigermaßen sehenswert sind hier eigentlich nur die paar alten Hotels mit ihrer Leuchtreklame. Um die in ihrer vollen Pracht zu sehen, müsste man allerdings deutlich später kommen als wir das tun. Wir diskutieren zunächst das Warten auf den Anbruch der Dunkelheit, doch die Müdigkeit obsiegt.

Main Street Station Hotel

Über unser Hotel, das Main Street Station Casino, verlieren wir lieber nicht zuviele Worte. Nur das: „Station“ steht hier in jeder Hinsicht zu Recht für Bahnhof. Zumindest die altmodische Eingangs- und Casinohalle ist aber ganz nett.

Wie auch immer: Die Anreise verlief perfekt, Alamo ist eben auch nur ein Mietwagenanbieter und die letzten Stunden waren ohnehin lediglich Füller, um uns an die neue Zeit zu gewöhnen. Die richtige Reise beginnt morgen in den Kolob Canyons auf dem Weg nach Kanab!

Main Street Station Hotel

Gefahrene Strecke: ca. 50 Kilometer
Essen: Burger bei In-N-Out, zum ersten Mal nur so lala
Hotel: Main Street Station Hotel in Las Vegas, kann man nicht empfehlen

Und jetzt?
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