15. Tag: Alcatraz und San Francisco Downtown

Wir mögen zwar nicht mehr die Jüngsten sein, aber wir versuchen natürlich, am Nabel der Zeit zu bleiben. Anstatt für die Fahrt zum Pier 33 am heutigen Morgen den Bus zu nehmen und knapp 15$ auszugeben (der öffentliche Nahverkehr in San Francisco ist zwar recht gut, aber doch recht kompliziert und manchmal teuer), wollen wir uns einen Uber bestellen.

Während Uber in Europa noch weitgehend unbekannt ist, versucht das Unternehmen in den USA gerade, ohne Rücksicht auf Verluste – auch in Hinblick auf die eigene Bilanz – zum Synonym für Taxi zu werden, so wie Google zum Synonym für Suchmaschinen geworden ist. Zumindest fürs Erste, denn das langfristige Ziel ist es, einen Subscription-Service mit Self-Driving-Cars anzubieten, was gleichermaßen beunruhigend wie fantastisch klingt.

Alcatraz Cruises

Knapp 10$ vom Hotel zum Pier 33 für ein einzelnes Auto oder 4$ für einen Shared Ride, hört sich nicht minder großartig an, zumal die App erfreulich übersichtlich ist, zugleich aber viele wichtige Informationen bereithält – von der Entfernung des nächsten Uber bis hin zur erwarteten und spätesten Ankunftszeit! Davon kann man bei Taxis nur träumen.

Doch unsere Bemühungen schlagen leider fehl: Die erste Kreditkarte wird abgelehnt, die zweite wird abgelehnt, nicht einmal PayPal funktioniert. Um doch noch den Bus zu nehmen, ist es schon ein bisschen zu spät, also entscheiden wir uns spontan fürs Laufen.

Bis zum Pier 33 sind es keine zwei Meilen und das auf nahezu durchweg ebener Strecke, kein Problem! Tatsächlich brauchen wir keine halbe Stunde, bereits gegen 8:15 Uhr sind wir am Ziel. Vielleicht geben wir Uber in Las Vegas auf dem Weg zum Flughafen noch einmal eine Chance – oder wir versuchen es mit Lyft, der Konkurrenz…

Alcatraz Island

Auf Alcatraz Island

Obwohl wir die Early Bird Tour, die erste des Morgens, gebucht haben und eine halbe Stunde vor Boarding am Pier sind, ist die Schlange bereits lang. Doch die Organisation, an der es in den USA manchmal mangelt, ist hier sehr gut und alles geht recht zügig voran, sodass wir mit der ersten Fähre um 8:45 Uhr ablegen.

Die Überfahrt dauert vielleicht eine Viertelstunde, auf der Insel hört man sich kurz die obligatorischen Instruktionen an und dann geht es hinauf zum Hauptgebäude, in dem man seinen Rundgang durch bzw. über Alcatraz beginnt. Wirklich sehr gelungen ist dabei die Audio-Tour, die mit etlichen Informationen aufwartet, dafür sorgt, dass man nichts verpasst, und nebenbei den Besucherstrom ein wenig steuert, der spätestens nach Ankunft der dritten Tour des Tages doch ein wenig unangenehme Ausmaße annimmt.

Alcatraz Cellhouse

Da wir nicht nur die erste Tour sind, sondern uns auch ganz galant nach vorne geschoben haben, erleben wir Alcatraz weitgehend so, wie man es sich wünscht: menschenleer und dementsprechend atmosphärisch.

Das Gefängnis hält, was es verspricht, und ist wirklich beeindruckend: Die Enge der Zellen, die Größe des Zellenblocks, das Festland, das so nah wirkt, und aufgrund der Kälte des Pazifiks doch so fern ist – es fällt nicht schwer, sich zumindest im Ansatz vorzustellen, wie es den Insassen wohl ergangen sein muss.

Alcatraz Zelle Alcatraz Zellen

Der einzige kleine Kritikpunkt: Es wäre schön gewesen, den Zellenblock auch mal von oben aus dem zweiten oder dritten Stock zu sehen, anstatt nur im Untergeschoss zu bleiben. Außerdem wünscht man sich natürlich ein Stück weit, die gesamte Anlage wäre ein bisschen besser erhalten; das Haus des Gefängnisdirektors zum Beispiel ist gänzlich verfallen.

Sehenswert sind neben dem Gefängnis und Alcatraz Island an sich auch die schieren Massen an Vögeln, die gerade auf der Insel brüten und weite Teile der Gärten, des ehemaligen Recreation Yards sowie der Ruinen überziehen.

Alcatraz Büro Alcatraz Vögel

Durch San Francisco Downtown

Gegen 11 Uhr geht es mit der Fähre zurück zu Pier 33, von wo aus wir weiter am Wasser entlang bis zum schönen Ferry Building gehen, in dem sich heutzutage zahlreiche Imbisse befinden.

Ferry Building

So richtig Hunger haben wir allerdings noch nicht, weshalb wir von hier aus weiter der Market Street in Richtung „Innenstadt“ folgen, bis wir auf Höhe von Union Square des Stadtzentrum erreichen. Dort kann man shoppen und essen bis zum Abwinken, wir beschränken uns zunächst allerdings auf Letzteres und gönnen uns ein Philly Steak Sandwich sowie eine asiatische Mischung aus Green Curry, Beef und Pad Thai – sehr, sehr lecker!

Weil wir nach dem gestrigen Rundgang und der heute bereits zurückgelegten Strecke doch recht erschöpft sind (auf Asphalt läuft es sich deutlich schwerer als auf dem weitgehend weichen Untergrund der Natur in den ersten beiden Wochen unseres Urlaubs) beschränken wir uns anschließend auf einen kleinen Rundgang um den Union Square und seine Umgebung.

Cable Car Market Street

Wer einen Großeinkauf machen möchte, ist hier wirklich genau richtig, wir haben jedoch schon genug Geld im Outlet gelassen und stöbern deshalb nur ein bisschen herum. Unter anderem besuchen wir das recht neue Cafe X, das recht großspurig als erster Coffee Shop beworben wurde, in den man ausschließlich von einem Roboter bedient wird – in der Realität sieht das Ganze jedoch recht ernüchternd aus; da ist McDonald’s mit seinen Bestellstationen in Hinblick auf die unaufhaltsame Automatisierung schon weiter.

Coit Tower Ausblick

Eigentlich wollten wir danach noch durch Chinatown zurücklaufen, doch Rücken und Beine schmerzen, weshalb wir auf ein Cable Car springen, was mit dem alten Trick – nicht an den unendlich langen Schlangen an der Endstation anstellen, sondern eine Station weitergehen und locker zusteigen – kein Problem ist. Die 7$ pro Person sind die eingesparten Höhenmeter hundertprozentig wert!

Police Phone

Wir steigen an der Lombard Street aus, laufen von dort aus entspannt gen Westen, stoppen noch kurz bei Safeway (wir brauchen noch ein paar Bagel und ein, zwei Bier müssen nach der Rumrennerei heute auch einfach sein) und kehren dann zum Hotel zurück. Dort stellen wir fest, dass wir ein kleines Erdbeben im Bereich der Stärke 3 irgendwann im Laufe des Tages verpasst haben müssen. Kann vorkommen!

Morgen geht es weiter über die Point Reyes National Seashore zum Yosemite National Park, dem bereits vorletzten großen Ziel unserer Reise…

Gefahrene Strecke:
Essen: Thai Curry & Philly Steak Sandwich, superlecker!
Hotel: Cow Hollow Inn, weiterhin nichts zu klagen

Und jetzt?
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