17. Tag: Yosemite Valley

Für viele US-Amerikaner ist Yosemite nicht einfach irgendein, sondern der National Park – noch vor dem Grand Canyon, an den wohl die meisten Europäer als erstes denken. Die bessere Erreichbarkeit mag dabei eine Rolle spielen, dass man in Yosemite deutlich mehr unternehmen kann als am Grand Canyon… oder dass der Park ein bisschen wie Disneyland ist.

Bridalveil Fall

Hier die Water Rides, dort die Magic Mountains! Von Attraktion zu Attraktion geht es bequem mit dem Bus, wenn man Hunger hat, setzt man sich in eine der überteuerten Pizza- oder Burger-Hütten, auf lange Warteschlangen muss man sich überall einstellen und mittendrin übernachten kann man noch dazu!

Das klingt vermutlich zu negativ, denn Yosemite ist ein wunderschöner, fantastischer National Park. Aber er ist eben auch: Viel. Zu. Voll.

Yosemite Verkehr

Sich als europäischer Tourist darüber zu beschweren, dass etwas in den USA zu gut besucht ist, fühlt sich immer ein bisschen (okay: reichlich) dämlich an, trägt man doch selbst dazu bei, aber Aufgabe des National Park Service ist es eben nicht nur, die Natur der Bevölkerung zugänglich zu machen, sondern sie auch zu schützen – und das in Einklang zu bringen, fällt Yosemite mit jedem Jahr schwerer.

Einer der Gründe, warum wir hier schon ewig nicht mehr waren und den Park auf unseren letzten drei Südwest-Reisen zwar jedes Mal in Erwägung gezogen hatten, uns zwei Mal jedoch bewusst gegen ihn entschieden hatten. Beim dritten Mal kamen uns Wildfires in die Quere.

Half Dome

Im Yosemite Valley

Aber genug des Lamentierens! Wir wissen ja, worauf wir uns einlassen, als wir gegen 7 Uhr in Oakdale abfahren, um die Parkeinfahrt gegen 8:15 Uhr und das Valley nicht nach 9 Uhr zu erreichen. Die Übernachtung in Oakdale war übrigens gut, auch wenn wir in diesem Urlaub mehr und mehr das Gefühl haben, dass die Fenster und Wände in den US-Motels immer dünner werden. Vermutlich werden wir nur empfindlicher.

Die Fahrt nach Yosemite gestaltet sich jedenfalls recht angenehm, lediglich beim Blick aufs Thermometer werden wir schon wieder ein wenig nervös, denn über Nacht sind die Temperaturen nicht unter 80° F gesunken und für fast den gesamten Tag sind 100 bis 110° F angekündigt. Highway 120 ist davon abgesehen aber gut zu befahren, der wirklich kurvige Abschnitt ist hier ja keine zehn Meilen lang.

Bridal Creek

Im Tal angekommen, stellen wir mit Freude fest, dass unsere Erwartungen in Hinblick auf Flüsse und Wasserfälle nicht zu groß waren: Der Rekordwinter hat zwar dafür gesorgt, dass der Tioga Pass bis heute geschlossen ist, dafür fließt und sprudelt alles wie verrückt! Wo sonst mitunter schon im Mai nur noch ein dünnes Rinnsal zu sehen war, kann man sich vor Wasser aktuell kaum retten.

Wir beginnen unsere heutigen Wanderungen (den kurzen Weg zum Bridalveil Fall ausgeklammert) mit dem recht schwierigen Trail in Richtung Upper Yosemite Falls. Ursprünglich hatten wir uns vorgenommen, tatsächlich bis ganz nach oben zu gehen, aber daran ist bei der Hitze zumindest für uns nicht zu denken: Bis zum Columbia Rock ist genug.

Yosemite Valley

Der Weg besteht fast ausschließlich aus Switchbacks – führt also schlangenlinienförmig am Berg entlang konstant bergauf – und bringt uns etwas mehr als eine Stunde lang ziemlich zum Schwitzen. Oben werden wir jedoch mit einem tollen Ausblick aufs Tal mit seinen grünen Wiesen, dem breiten Merced River und die uns umringenden Felsen belohnt.

Ich würde gerne behaupten, der Rückweg bergab war angenehmer, aber während man bergauf vor allem darauf konzentriert ist, das Atmen nicht zu vergessen, muss man bergab eher den Atem anhalten, um auf den sandigen Steinen nicht ins Tal zu rutschen.

Yosemite Fall

Wir kommen jedoch gut an und gönnen uns pünktlich zur Mittagszeit eine Verschnaufpause. Dazu lädt der einfache Weg zum Lower Yosemite Fall gleich nebenan ein, der von Besuchermassen umringt ist, mit seinen gewaltigen Spray-Massen jedoch besser kühlt als jede Klimaanlage.

Yosemite Besuchermassen Yosemite Touristen im Spray

Anschließend stoppen wir kurz im Yosemite Village, wo wir uns zur Stärkung ein Sandwich gönnen. Die Preise in dem erstaunlich gut sortieren General Store sind übrigens deutlich niedriger als die in Bryce Canyon / Ruby’s Inn – und das, obwohl es hier deutlich weniger in der Umgebung gibt. Immerhin!

Yosemite Shuttle Bus

Danach geht es weiter mit dem Shuttle-Bus, über den wir lieber nicht zu viele Worte verlieren. Nur so viel: Wir haben an diesem Tag sicher häufiger „Push, push!“ gehört als in 250 Folgen von Grey’s Anatomy! (Für die Älteren unter uns: Das ist ’ne amerikanische Kopie von „In aller Freundschaft“.)

Eine Rangerin erklärt uns, der Mangel an Bussen liege daran, dass der National Park Service mit Zahlen von vor zehn oder fünfzehn Jahren arbeite, als die Besucherzahlen bei etwa einem Drittel lagen. Wo die dann heute wohl auch drei Mal so hohen Einnahmen hinfließen?

Half Dome Village

Wir checken für die heutige Nacht im Half-Dome Village ein, das trotz seiner enormen Größe eine ganz brauchbare Option im Valley für ein, zwei Nächte darstellt. Nachdem wir unsere Sachen im „Zelt“ bzw. im zugehörigen Bear Locker verstaut haben, machen wir uns noch einmal auf den Weg, weil wir den Tag mit dem kurzen Trail zum Mirror Lake beschließen wollen.

Die Idee hatten, natürlich, auch noch ein paar andere, die überwiegend zum Baden in den schönen, flachen See rennen. Wir begnügen uns damit, die Füße ein bisschen in ihm baumeln zu lassen – sehr erfrischend!

Mirror Lake El Capitan

Unser Programm für den morgigen Tag ist noch recht offen. Eigentlich stand erst eine weitere Übernachtung im Valley auf dem Plan, um am nächsten Tag die Tioga Road zu fahren, was wir aus den bekannten Gründen jedoch umplanen mussten. Stattdessen geht es nun wohl morgen noch aus dem Valley raus, um uns danach über den Sonora Pass auf die Ostseite der Sierra Nevada zu schleppen. Wir sind gespannt, wie viel Schnee uns dort oben noch erwartet…

Gefahrene Strecke: ca. 200 km
Essen: eine Kleinigkeit im Yosemite Village, muss nicht sein
Hotel: „Zelt“ im Half-Dome Village, die gute Lage macht’s!

Und jetzt?
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