18. Tag: Yosemite Valley, Glacier Point & Sonora Pass

Wir schreiben den 18. Tag unserer Reise und so langsam erreichen wir wieder das Stadium, in dem wir uns morgens nach dem Aufstehen fragen, wo wir gestern eigentlich waren. Oder in dem wir uns Fotos der vorigen Woche angucken und überrascht feststellen: „Ach, da waren wir auch?!“

Von Eindrücken überwältigt zu sein, ist etwas Schönes, aber es ist immer auch ein bisschen schade, wenn man bemerkt, dass man einfach nicht mehr alles aufnehmen kann, was da auf einen einprasselt. Immerhin müssen wir heute nicht darüber nachdenken, wo wir gestern waren, denn ausnahmsweise ist der Ort der gleiche wie am Vortag – zumindest fürs Erste.

Yosemite Valley am Morgen

Wasserfälle & Ausblicke

Die Nacht im Half-Dome Village war gut; die Bewohner – überwiegend US-amerikanische und kanadische Familien – halten sich erstaunlich brav an die Camp-Regeln, die von 22 bis 6 Uhr eine Ruhezeit vorschreiben, und so ist das Einzige, das wir nachts hören, das Rauschen des Merced Rivers und das Rascheln der Büsche.

Mist Trail Vernal Falls Trail

Pünktlich um sechs sind wir dann aber natürlich auch schon wieder auf den Beinen, nutzen die ganz ordentlichen Duschen, holen uns einen Kaffee im großen Village Center und versuchen uns kurz am Internet, in das man sich nur nahe der Community Lounge einloggen kann. Die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit erinnert jedoch an die 90er. Nicht schlimm, wäre aber ganz praktisch gewesen, weil wir noch ein Motel für die Nacht brauchen.

Vernal Fall

Egal, wir nutzen die frühe Stunde, um all unseren Krempel – Gepäck, Essen, Getränke – wieder ins Auto zu packen, auszuchecken und dann schnell die noch einigermaßen angenehmen Temperaturen für einen Trail zu nutzen.

Nicht weit vom Half-Dome Village entfernt findet man den Mist Trail, der zu Vernal und Nevada Fall führt und aufgrund seines vergleichsweise niedrigen Schwierigkeitsgrads (zumindest im ersten Abschnitt) stark frequentiert ist.

Regenbogen im Wasser

Die Ausblicke auf den auch hier wild sprudelnden Wasserfall rechtfertigen den Ansturm jedoch und auch der Hinweis auf den Mist im Namen ist derzeit keine Übertreibung.

Auf dem Weg zum Top of Vernal Fall erleben wir unseren ersten „Schauer“ dieses Urlaubs, denn das Spray des Wasserfalls macht einen tatsächlich klitschnass. Zugleich einer der wenigen Momente in den letzten Wochen, in dem wir anschließend mal die Sonne suchen!

Wiese im Valley

Nachdem wir zurück am Auto und wieder einigermaßen trocken sind, drehen wir noch eine Runde durchs Tal und fahren dann zum Glacier Point hinauf. Die An- und Abfahrt dauert zusammen genommen etwa zwei Stunden, doch es sind mit die besten zwei Stunden, die man im Südwesten der USA nur investieren kann.

Half Dome vom Glacier Point Glacier Point

Die Ausblicke aufs Valley sind atemraubend; von den Wasserfällen über die Wiesen, Flüsse und Seen bis hin zum alles überragenden Half-Dome. Disney-Flair, Wartezeiten und Gedränge hin oder her: Wenn man hier oben steht, vergegenwärtigt man sich wieder, warum Yosemite diese Besuchermassen anzieht.

Glacier Point Ausblick

Über den Sonora Pass

Da die Tioga Road geschlossen ist und das wohl auch noch mindestens ein paar Tage bleibt, wir aber auf die andere Seite der Sierra Nevada wollen, haben wir in den vergangenen Wochen verschiedene Optionen für diesen Abschnitt der Route durchgespielt. Letzten Endes haben wir uns für den kürzlich wieder eröffneten Sonora Pass entschieden.

Der führt nur ein Stück nördlich der Tioga Road über die Berge, allerdings muss man Yosemite komplett verlassen, um die Straße zu erreichen, was mit einem gewissen zeitlichen Aufwand verbunden ist.

Also geht es am frühen Nachmittag aus dem Valley heraus, wieder die 120 bis hinter Groveland herunter, dann nach Norden bis Sonora und dort nach einer kurzen Stärkung – für uns und das Auto – erneut gen Osten.

Sonora Pass

Highway 108, der über den Sonora Pass führt, ist weitgehend bequem zu befahren, der Straßenzustand für US-Verhältnisse sogar als sehr gut zu bezeichnen.

Dennoch lässt er zumindest zeitweise bei der Fahrt auf bis zu 9600 Fuß kein hohes Tempo zu, zumal oben am Straßenrand trotz Temperaturen zwischen 70 und 90° F noch eine Menge Schnee liegt. Im Schnee zu wühlen und gleichzeitig zu schwitzen, ist aber auch mal eine interessante Kombination.

Sonora Pass Juni 2017

Nach Überquerung des Passes geht es dann recht schnell auf Highway 395, der an der Ostseite der Sierra Nevada über Lee Vining und Bishop nach Lone Pine führt – so werden wir auch morgen weiterfahren.

Zunächst aber stoppen wir in Bridgeport, das einzige „größere“ Dorf in dieser Region, wo wir uns für die Walker River Lodge entscheiden. Trotz abseitiger Lage erstaunlich teuer, aber auch sehr ordentlich und eines der besseren Motels unserer Rundreise.

Morgen geht es dann weiter nach Bodie, zum Mono Lake und vielleicht noch einmal zu den Alabama Hills. Wir sind gespannt, woran wir uns nach dem Aufstehen noch erinnern werden…

Walker River Lodge

Gefahrene Strecke: ca. 300 km
Essen: Jalapeño bei Carl’s Jr, nicht scharf genug!
Hotel: Walker River Lodge in Bridgeport, teuer, aber gut

Und jetzt?
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