19. Tag: Bodie Ghost Town & Mono Lake

Wenn man an Kalifornien denkt, dann denkt man meistens an die liberale Westküste von San Francisco bis San Diego. Doch es gibt auch ein anderes Kalifornien, dem man bereits in den Wüsten auf dem Weg zu Yosemite und Sequoia begegnet, auf das wir aber auch hier auf der Ostseite der Sierra Nevada mal wieder treffen.

Das Kalifornien, in dem Trump-Schilder in den Vorgärten stehen, in denen man Obama für den Teufel hält und in dem man Autoaufkleber wie “We have enough GUN CONTROL, we need more IDIOT CONTROL” sieht. In dem man hunderte Kilometer fahren kann, ohne einen einzigen Radiosender zu finden, der nicht Bibelverse predigt oder Country-Musik spielt. Und in dem viele Motels mit mehr USA-Flaggen ausstaffiert sind als in Europa ganze Städte mit ihrer jeweiligen Landesflagge.

Bodie Ghost Town

Eines dieser Motels ist die Walker River Lodge in Bridgeport, in der wir übernachtet haben. Eine gute, ordentliche Unterkunft, aber eben auch sehr, sehr amerikanisch – auf die Art und Weise, die man klischeehaft mit den USA verbindet und auf die man im Südwesten vor allem hier in Kalifornien abseits der Küste sowie im Süden Arizonas trifft, weniger in Utah.

Warum ich das schreibe? Eigentlich nur, weil wir uns heute über zumindest einen brauchbaren Radiosender gefreut hätten, um die Fahrt etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Unsere Strecke für den heutigen Tag ist eigentlich gar nicht so lang, aber es geht fast die ganze Zeit geradeaus, man hat häufig das Gefühl, nicht von der Stelle zu kommen, weil die Umgebung immer gleich ist und der Radiomoderator glänzt mit Sprüchen wie: “Have you heard the song about the girl that went to Starbucks? — Me neither, because we only play REAL COUNTRY MUSIC!”

Zum ersten Mal in meinem Leben wünsche ich, ich könnte WDR 2 hören.

Bodie Ghost Town

Bodie Ghost Town

Zunächst jedoch geht es nach Bodie, eine in einen “State Historic Park” umgewandelte Geisterstadt. Die Anfahrt beginnt praktischerweise in der Nähe von Bridgeport, eine gute Straße führt vom Highway zum Parkeingang, lediglich die letzten drei Meilen sind Dirt Road. Im Vergleich zu dem, was wir in Utah bewältigt haben, jedoch kein Problem und auch für Sedans locker zu schaffen.

Vor der Entrance Station hat sich bei unserer Ankunft um kurz vor neun bereits eine kleine Schlange gebildet, allerdings handelt es sich bei den meisten Besuchern nicht um gewöhnliche Touristen wie uns, sondern um Bird Watcher, mit Ferngläsern und kiloschweren Objektiven ausgestattet.

Um neun Uhr soll der Park eigentlich öffnen, zunächst aber muss natürlich die US-Flagge gehisst werden, danach beginnt man mit dem Geldeinsammeln. Prioritäten!

Bodie Ghost Town

In Bodie angekommen, kann man die erstaunlich große Stadt weitgehend frei erkunden, lediglich das alte Hüttenwerk darf – wohl auch wegen seines brüchigen Zustands – nur mit Führung besucht werden.

Wie so viele Städte bzw. Dörfer in der Region wurde auch Bodie gegründet, weil man hier eine Goldader (sogar eine der ergiebigsten) fand, später dann mangels anderer Wirtschaftszweige jedoch recht schnell wieder verlassen. Im Gegensatz zu den meisten Städten ist Bodie aber trotz eines schweren Feuers in den 1930ern, das etliche Gebäude zerstört hat, sehr weitläufig und teilweise gut erhalten.

Bodie Ghost Town

Die staatliche Unterstützung und die Umwandlung in ein Quasi-Freilichtmuseum hat dabei natürlich geholfen, doch Bodie wirkt durchweg authentisch und bietet alles, was man sich vorstellt – von der Schule und Kirche über die Gym bis hin zum Saloon und Hotel.

Eine Geisterstadt, wie sie im Buche steht und den kleinen Umweg absolut wert, wenn man über die Tioga Road oder, wie wir, über den Sonora Pass fährt!

Bodie Ghost Town Bodie Ghost Town

Vorbei am Mono Lake bis Lone Pine

Eigentlich wollten wir auf dem Weg nach Lone Pine dann noch beim Devils Postpile National Monument vorbeischauen, aber das ist – wer hätte es gedacht – bis heute eingeschneit. Öffnungstermin unbekannt, der kleine Campground soll in diesem Jahr sogar überhaupt nicht mehr aufmachen.

Stattdessen stoppen wir am Mono Lake, nur ein Stück südlich von Bodie nahe Lee Vining gelegen, in das die Tioga Road mündet. Der See (sehr salz- und alkalihaltig) hat über die letzten sechzig, siebzig Jahre hinweg enorm an Fläche eingebüßt, was aber zumindest für eine einfache Zugänglichkeit durch eine ungewöhnliche, grüne Landschaft gesorgt hat.

Mono Lake

Auf dem Weg, vor allem aber im See selbst, trifft man darüber hinaus auf allerlei interessante Sandtuff-Formationen, die nicht nur in den Morgenstunden spannende Fotomotive abgeben.

Ein etwa eine Meile kurzer Trail führt am Südrand des Sees an zahlreichen dieser Formationen vorbei und auch hier sind wir der Meinung: Wenn man schon mal in dieser Ecke ist, sollte man vorbeischauen!

Mono Lake Mono Lake

Das gilt nicht für die Hot Creeks, bei denen wir auf der Weiterfahrt noch stoppen: Mit einem Foto ist es getan; im Vergleich zu Lassen Volcanic National Park sind die spärlichen heißen Quellen hier auch den kurzen Abstecher nicht wert.

Hot Creeks

Danach geht es – siehe oben – vermeintlich lange über Highway 395 nach Süden. Lediglich in Bishop, der einzigen “Stadt” in dieser Ecke (wenn man Mammoth Lakes als Ski-Resort mal ausklammert), legen wir noch schnell einen Stopp ein, um ein bisschen einzukaufen und zu fairen Preisen aufzutanken: Statt 4,79$ wie weiter oben zahlt man hier wieder normale 3$ für die Gallone.

Unsere Unterkunft für die heutige Nacht befindet sich in Lone Pine. Das Dow Villa Motel ist, wie so oft, recht teuer für das Gebotene, allerdings sehr ordentlich, erneut sehr rot-weiß-blau und wiederum eines der besseren Motels dieses Urlaubs. Man zahlt hier eben die Lage am Eingang zum Death Valley, durch das wir morgen bei 115° F noch müssen, bevor wir mit Las Vegas schon die Endstation unserer Rundreise erreichen…

Dow Villa Motel

Gefahrene Strecke: ca. 350 km
Essen: Bacon Buttery Jack, der letzte Fast-Food-Burger!
Hotel: Dow Villa Motel in Lone Pine, ruhig und gut

Und jetzt?
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