2. Tag: Über Kolob Canyons nach Kanab

Die erste Nacht in den USA ist so wie man sich eine erste Nacht in den USA vorstellt. Viel zu kurz in Hinblick aufs Schlafen, viel zu lang in Hinblick aufs Wachliegen. Letzteres nervt uns gegen fünf Uhr morgens doch zu sehr und so stehen wir heute mal noch knapp eine Stunde zeitiger auf als gewöhnlich im USA-Urlaub. Frühstück gibt’s im Hotel eh nicht inklusive, wir verpassen also nichts, als wir gegen 6:15 Uhr die Karten an der Rezeption abgeben und uns auf den Weg zum Parkplatz machen.

Draußen pustet uns schon wieder der Wüstenwind gehörig entgegen – viel kühler als 30° C ist es unserem Auto zufolge heute Nacht leider nicht geworden. Im Frühstücksfernsehen, das es erfreulicherweise auch schon um 5 Uhr in Las Vegas gibt, versprachen sie uns für die nächste Woche ein wenig Abkühlung. Das trifft sich gut, denn dann kommen wir wieder!

Taylor Creek Trail

Wandern in den Kolob Canyons

Heute geht es jedoch erst einmal zu den Kolob Canyons, die zum Zion National Park zählen, aber nicht übers Parkzentrum um Springdale herum zu erreichen sind, sondern nordwestlich davon liegen und über die Interstate 15 angesteuert werden müssen. Die Fahrt dorthin bietet nicht viel Besonderes, wenn man einmal davon absieht, dass sich um St. George herum eine der wenigen 80er-Zonen befindet, man für US-Verhältnisse also mal so richtig Gas geben darf.

Wir schielen daher vornehmlich aufs Thermometer, das mit jedem gewonnenen Höhenmeter ein wenig sinkt. Auf über 6000 Fuß angekommen, sind wir bei etwa 26° C angelangt – damit lässt sich arbeiten.

Am Visitor Center ist schnell der obligatorische America the Beautiful Pass gekauft, der übrigens unverändert 80$ kostet, während alle anderen Eintrittspreise in den USA über die letzten Jahre hinweg dramatisch gestiegen sind. Und dass, obwohl doch gerade der einen höheren Preis absolut wert wäre!

Kolob Canyons Hütte

Danach geht es weiter die Stichstraße hinauf, die in die Kolob Canyons hineinführt. Nach einem kurzen Stück stellen wir unser Auto am ersten Wanderweg dieser Rundreise ab: dem Taylor Creek Trail. Eine knapp vier Kilometer lange Strecke, die einen zum Double Arch Alchove und auf der gleichen Route wieder zurück bringt.

Wie sehr der Name des Trails tatsächlich auf selbigen zutrifft, merken wir schnell unterwegs, denn der Weg führt nicht nur am namensgebenden Taylor Creek entlang, sondern kreuzt ihn auch – keine Übertreibung – etwa zwanzig bis dreißig Mal. Das Wasser steht zum Glück nicht hoch, es ist eben nur ein Bach, aber das Balancieren über die Steine hat es teilweise trotzdem ganz schön in sich.

Taylor Creek

Zumindest für uns, denn wie so oft wundern wir uns hier über all die augenscheinlichen Ruheständler, um die man sich zunächst Sorgen machen möchte – bis man sie wie junge Rehe über Stock und Stein hüpfen sieht. Da können wir nicht mithalten.

Auch anderen Tieren begegnen wir auf dem recht ruhigen Weg: unzähligen Eidechsen, mehreren Hörnchen und, zu unserer Überraschung, einem Truthahn. Der verschwindet allerdings leider wieder schnell im Gebüsch, bevor wir ihn vor die Linse bekommen.

Zion Kolob Canyons

Am Ende des Trails treffen wir auf den Double Arch Alcove, der nicht nur ein ganz nettes Fotomotiv abgibt, sondern auch jedes Geräusch in seiner Umgebung widerhallen lässt. Als wir auf ihn zugehen, halten wir zunächst nach weiteren Tieren Ausschau, bis uns klar wird, dass es unsere eigenen Schritte sind, die wir von da oben hören.

Double Arch Alcove

Ein sehr schöner Wanderweg zum Einstieg – nicht zu einfach, nicht zu anstrengend -, mit nur einem kleinen Haken: Es handelt sich nicht um einen Loop, sondern um einen out-and-back Trail, wir müssen also den gleichen Weg wieder zurück. Der Rückweg zieht sich daher ein bisschen.

Oben angekommen, fahren wir weiter bis zum Ende der Kolob Canyons Road, wo sich ein weiterer Trail mitsamt Viewpoint befindet. Der erfordert keinen großen Aufwand, kann sich aber wirklich sehen lassen. Insgesamt ein sehr schöner Einstieg in unsere National-Park-Tour.

Kolob Canyons Ausblick

Auf dem Weg nach Kanab

Unser Ziel für den heutigen Tag ist Kanab, um von dort morgen den Grand Canyon North Rim anzusteuern. Eigentlich wollten wir auf dem Weg noch die Coral Pink Sand Dunes State Reserve mitnehmen, doch unterwegs verlieren wir eine gute Stunde, weil wir an einer Baustelle eine halbe Ewigkeit auf ein Pilot Car warten müssen. Das leitet uns und ein paar Dutzend andere Autos an einer etwa zwölf Meilen langen „Baustelle“ vorbei, von der keine zehn Meter (sorry: keine 33 Feet!) tatsächlich im Bau sind.

Also direkt weiter nach Kanab, wo wir unser Auto auftanken (schluckt ganz schön viel Sprit) und uns bei Wendy’s unseren zweiten Burger des Urlaubs gönnen. Wieder einmal sehr gut!

Unser Motel für die heutige Nacht ist das Best Western Red Hills, recht eigentümlich aufgebaut – mindestens vier Gebäude, von denen eins wohl ein in Hotel umfunktioniertes Motel ist und ein weiteres lediglich drei Zimmer fasst -, aber insgesamt recht ordentlich und für den Preis von 70$ kann man in Kanab nicht meckern.

Best Western Red Hills

Gefahrene Strecke: ca. 400 Kilometer
Essen: Burger bei Wendy’s, wie immer sehr gut
Hotel: Best Western in Kanab, geht in Ordnung

Und jetzt?
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