3. Tag: Grand Canyon North Rim & Lower Antelop Canyon

Wie schon am Vortag schlafen wir zwar ganz gut, aber nicht besonders lang: Gegen 4 Uhr sind wir hellwach und um 5 Uhr hält es uns nicht mehr im Bett. Frühstück im Best Western gibt es erst ab 7 Uhr, aber wir haben vorgesorgt; Bagels und Erdnussbutter liegen bereit, außerdem verfügt das Zimmer über die (fast) obligatorische Kaffeemaschine. Mehr als genug – und unten im Frühstücksraum hätte es vermutlich auch nicht viel mehr gegeben.

Also geht es schon wieder gegen 6 Uhr auf die Straße, mit dem kleinen Unterschied, dass wir heute auf dem Weg zu unserem ersten Ziel die Uhr eine Stunde zurückstellen müssen, also extrem früh ankommen werden. Eine von insgesamt voraussichtlich fünf Zeitumstellungen im Laufe der ersten Woche unserer Rundreise.

North Kaibab Trail

Am North Rim

Das erste Ziel ist der North Rim des Grand Canyons, den man von Kanab in gut zwei Stunden problemlos erreichen kann. Die Anfahrt über Highway 67 zieht sich zwar ein wenig, gefällt aber mit viel Wald und weiten grünen Wiesen, auf denen ein „no vehicles allowed“-Schild natürlich nie fehlen darf. Wer kommt auf die Idee, darüber zu fahren?!

Unser Blick fällt jedoch nicht nur auf die sehenswerte Umgebung, sondern auch auf das Thermometer. Nach um die 40° C an den beiden Vortagen waren es bei der Abfahrt in Kanab „lediglich“ knapp 20° C, doch auf dem Weg hinauf zum Grand Canyon sinkt und sinkt es stetig…

… bis es schließlich bei -1° C zum Stillstand kommt. Trotz der enormen Höhe und frühen Stunde ist das doch überraschend wenig und wir sind nur sehr bedingt darauf vorbereitet – nämlich gar nicht. Die einzige lange Hose und den einzigen Pullover haben wir für den Rückflug ganz unten in die Tasche gepackt und eine Jacke haben wir gar nicht erst mitgenommen. Also bleiben wir bei kurzer Hose und T-Shirt – und hoffen das Beste!

Supai Tunnel

Eine weise Entscheidung, wie sich bald herausstellt, denn keine zwanzig Minuten später bringt uns die Sonne auf dem North Kaibab Trail schon wieder ordentlich zum Schwitzen. Der Weg führt in den Canyon hinab und bietet im Gegensatz zu den Trails auf der Südseite einige sinnvolle Umkehrpunkte, so dass man zumindest ein paar Schritte nach unten in jeden Besuch des North Rims einbinden sollte.

Wir haben uns die Wanderung bis zum zweiten Viewpoint vorgenommen, dem Supai Tunnel, was eine Gesamtstrecke von 6,5 km und laut Karte 300 Höhenmetern bedeutet. Die Ausblicke auf den im Norden wesentlich grüneren Grand Canyon sind beeindruckend, der Weg bergauf fühlt sich trotz der vergleichweise niedrigen Temperaturen und einiger Schattenstellen aber mehr wie 6,5 Höhenkilometer an.

Grand Canyon Mules

Und: Oben angekommen, sind wir nicht nur völlig verschwitzt, sondern schön gepudert. Der extrem sandige Weg wird nämlich auch von Pferden genommen, denen man regelmäßig Platz machen muss – und die so viel Staub aufwirbeln, dass wir von Kopf bis Fuß grau sind.

Mehr als ein bisschen abklopfen ist oben jedoch nicht drin, also geht es so weiter zum Visitor Center, wo wir noch den Bright Angel Point ansteuern, den beliebtesten Aussichtspunkt auf der Nordseite. Zu Recht, denn die Rundumausblicke von der Spitze des kurzen Trails könnten kaum besser sein.

Bright Angel Point Bright Angel Trail

Überhaupt gefällt uns der North Rim sehr gut, auch weil das Besucheraufkommen hier zwar hoch, aber bei Weitem nicht so massentouristisch ist wie unten am South Rim. Obwohl der, zugegeben, noch einen Tick mehr zu bieten haben mag.

Grand Canyon North Rim

Im Lower Antelope Canyon

Wesentlich früher als geplant geht es danach weiter nach Page, das wir eigentlich erst am späten Nachmittag besuchen wollten, aufgrund des frühen Aufstehens allerdings schon kurz nach Mittag erreichen. Zeit genug, um den für Morgen geplanten Besuch des Lower Antelope Canyons vorzuziehen.

Die Anfahrt gestaltet sich ein wenig beschwerlich – unser Routenplaner kennt die Canyons aus irgendeinem Grund nicht und mit Schildern hat man es in den USA ja bekanntlich nicht so -, aber nach kurzer bis mittlerer Suche finden wir unser Ziel. Das Besucheraufkommen dort ist wie überall in Page der reine Wahnsinn.

So viele Touristen auf einen Fleck sieht man nur in wenigen anderen US-Städten und uns ist nicht einmal so ganz klar, warum. Page hat mit den Antelope Canyons, dem Horseshoe Bent und den Glen Canyon Dam zwar einiges zu bieten, aber auch nicht so viel mehr als viele andere Ziele in der Umgebung.

Antelope Canyon

Egal, wir haben Glück und erwischen gerade noch die letzten zwei Plätze für eine Tour, die in 20 Minuten startet. Offiziell zumindest, denn tatsächlich werden wir zwar um 14 Uhr abgeholt, müssen dann aber noch gut 45 Minuten vor dem Eingang des überfüllten Canyons warten. Immerhin unter einem erst vor wenigen Monaten neu gebauten Dach, sodass uns nicht die Mittagssonne auf den Kopf knallt.

Unser sehr guter und freundlicher Tour Guide überbrückt die Wartezeit mit Tipps für die besten Kameraeinstellungen und Anekdoten über all die Verletzungen und Flash Floods, die er hier schon erlebt hat.

Slot Canyon Page

Schließlich geht es dann aber in den Slot Canyon hinab und über den muss man, glaube ich, nicht viele Worte verlieren. All die faszinierenden Strukturen, das abwechslungsreiche Spiel von Licht und Schatten und die farbenfrohen Felsen, das spricht auf Fotos wie in der Realität gleichermaßen für sich.

Und überraschenderweise ist es trotz des Gedränges gut möglich, Bilder ohne andere Menschen darauf zu knipsen, zumal sich unser Tour Guide große Mühe gibt, uns gute Perspektiven zu zeigen oder sogar Fotos für uns zu schießen. Das Trinkgeld hat er sich redlich verdient, genauso wie die gut einstündige Tour durch den Canyon jeden Cent wert war: Unsere Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen.

Lower Antelope Canyon

Danach geht es zu unserer Unterkunft für die heutige Nacht, dem Red Rock Motel. Einfach, aber im Gegensatz zu fast allen anderen Hotels in der überlaufenden Stadt einigermaßen bezahlbar. Der freundliche Eigentümer erzählt uns stolz und mit Beweisfoto, dass er schon mal bei uns in Germany war, wo er Motorradrennen oder so gefahren ist.

Zum Einkaufen und Essen geht’s noch kurz über die Straße zu Slackers (ein toller, sehr „authentischer“ Imbiss mit super Burgern) und zu Safeway, in dem uns der Kassierer zielsicher als europäische Touristen einordnet und uns nicht um unsere Member-Karte bittet, sondern für uns swiped, wodurch wir immerhin 5$ bei einem 25$-Einkauf sparen. Das Clubgedöns ist allerdings auch nirgendwo so penetrant bis dreist wie bei Safeway.

Morgen wollen wir noch ein wenig die Umgebung von Page näher erkunden, bevor es weiter nach Holbrook zum Petrified Forest National Park geht.

Red Rock Motel

Gefahrene Strecke: ca. 450 Kilometer
Essen: Burger bei Slackers in Page, großartig!
Hotel: Red Rock Motel, Preis / Leistung für Page gut

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