4. Tag: Wahweap Hoodoos & Toadstool Hoodoos

Bei der Planung des heutigen vierten Tages der Reise haben wir lange hin und her überlegt. Unser nächstes Ziel sollte auf jeden Fall der Petrified Forest National Park bei Holbrook sein, doch wie gestalten wir den Weg dorthin am besten?

Sedona war eine Option, aber das ist in Hinblick auf die Touristenmassen noch schlimmer als Page und eigentlich sehen wir rote Felsen auch schon genug. Phoenix hatten wir kurz in Erwägung gezogen, aber die Stadt hat außer 40° C im Schatten nur relativ wenig zu bieten.

Letzten Endes fiel unsere Wahl darauf, die Umgebung von Page ein wenig näher zu erkunden und den Wahweap Hoodoos sowie den Toadstool Hoodoos einen Besuch abzustatten und dann am Nachmittag weiter nach Holbrook zu fahren.

Hoodoo

Zu den Wahweap Hoodoos

Nicht so ganz eingeplant hatten wir dabei das Wetter, denn die Lokalnachrichten versprechen uns schon wieder über 100° F.(Ich schreibe Temperaturen ab sofort nur noch in Fahrenheit; das klingt gleich viel dramatischer als Celsius.)

Der Weg zu den Wahweap Hoodoos führt knapp vier Stunden durch ein ausgetrocknetes Flussbett inmitten der Wüste ohne Schatten – und wir hatten gestern schon leichte Probleme der Hitze im Schatten über einen deutlich kürzeren Zeitraum hinweg zu trotzen.

Umplanen wollen wir aber nicht, also wählen wir eine recht unkonventionelle Lösung: Wir stehen einfach schon gegen 4 Uhr auf. An die neue Zeit haben wir uns eh noch nicht gänzlich gewöhnt und ob man abends jetzt um 21 oder 22 Uhr ins Bett geht, spielt auf so einer Rundreise ohnehin keine große Rolle, weil weder die Dörfer, in denen wir übernachten, noch das TV-Programm im Sommer viel zu bieten hat.

So brechen wir dann tatsächlich schon gegen 5:30 Uhr von unserem Motel auf und fahren die knapp zwanzig Kilometer nach Big Water, wo man nach kurzer Strecke über eine kleine Straße den recht gut versteckten Trailhead zu den Wahweap Hoodoos erreicht. Mit etwa 75° F sind die Temperaturen noch ganz angenehm, als wir in den Wash hinabsteigen.

Wir haben die GPS-Daten für unser Ziel dabei, aber verlaufen kann man sich eigentlich ohnehin nicht: Fast zwei Stunden folgen wir auf ziemlich öder Strecke dem Flussverlauf über Stock und Stein und Stein und Stein… Okay, ein bisschen Sand gibt’s auch, aber vor allem die Knöchel werden ordentlich strapaziert.

Wahweap Hoodoos

Gegen 8 Uhr erreichen wir die erste große Hoodoo-Ansammlung, die letzten paar hundert Meter durchs dichte Gestrüpp – und die interessant bis amüsant formierten Felsen können sich durchaus sehen lassen. Für wirklich gute Fotos und weitere Hoodoos müsste man noch ein Stück weitergehen und vermutlich ein wenig klettern, das ist uns angesichts des noch bevorstehenden Rückwegs jedoch zuviel des Guten.

Die Sonne brennt trotz der frühen Stunde inzwischen nämlich heftig, zumal wir von allerlei Getier verfolgt werden. Auf dem Hinweg waren es noch dutzende Hasen, die vor uns von Busch zu Busch hüpften, die haben sich ob der Hitze inzwischen allerdings verzogen und den Bremsen Platz gemacht. Die sind erstaunlich hartnäckig; anfangs folgen sie uns nur einzeln, später in – ohne Übertreibung – ganzen Schwärmen.

Wash bei Big Water

Lediglich einem einsamen Amerikaner begegnen wir auf den geschätzt acht Kilometern zurück. Ob der weiß, was er sich da zumutet? Wären wir erst um diese Zeit gestartet, hätten wir vermutlich umgedreht.

Ob das Gebotene die Strapazen wert war? Ich würde sagen, der Weg hat uns mehr den Atem geraubt als das Gesehene, aber vielleicht wäre unsere Begeisterung größer gewesen, wenn wir am Ziel noch mehr Kraft fürs Erkunden gehabt hätten.

Toadstool Hoodoos

Die Toadstool Hoodoos

Zum Glück haben wir heute nichts Anstrengendes mehr vor, denn die Toadstool Hoodoos sind wesentlich einfacher zu erreichen: Der Trailhead und ein Hinweis auf selbigen befinden sich direkt an Highway 89.

Von dort aus ist es nur ein kurzer, etwa 20-minütiger Weg – wahlweise über paar Hügel oder durch einen weiteren Wash. Wir haben von Letzterem genug für heute und entscheiden uns für die Hügel. Eine gute Wahl, denn der aufkommende Wind sorgt zumindest für eine kleine Abkühlung, auch wenn er uns gut paniert.

Am Ziel angekommen, kann man frei zwischen den Hoodoos herumwandern, die zwar etwas gewöhnlicher und weniger fragil als die Wahweaps wirken mögen, für uns aber nicht weniger sehenswert sind. Dieser einfache, recht kurze Abstecher von Page lohnt sich ohne wenn und aber.

Toadstool Hoodos Toadstool Hoodos

Danach steht ein wenig Fahrerei an; die etwa vier Stunden lange Strecke von Page nach Holbrook. Wir legen nach gut zwei Stunden einen Stopp in Flagstaff ein, dem Portland Arizonas – sprich: Es ist für US-Inlands-Verhältnisse eine regelrechte Hipsterstadt mit einer Whole-Foods-Filiale und sowas Verrücktem wie Bike Lanes! Und angenehm grün ist es noch dazu.

Wir gönnen uns einen sehr guten Burger bei Five Guys („mit alles“, aber Jalapeños statt Pickles) und decken uns noch einmal bei Walmart mit Snacks und Getränken ein, denn die nächste Woche müssen wir weitgehend ohne Supermärkte auskommen.

Die letzten 150 km über die I-40 gehen dann dank Tempo 80 recht schnell. In Holbrook übernachten wir in der Globetrotter Lodge – von Österreichern geführt, wie wir zu unserer Überraschung feststellen – und eines der am schönsten eingerichteten Motels, das wir jemals in den USA gesehen haben.

Globetrotter Lodge in Holbrook Globetrotter Lodge

Der einzige Haken: Für Arizona nicht untypisch (ich denke mit Schrecken an Willcox nahe des Chiricahua National Monuments zurück!) durchzieht eine Bahnlinie den Ort, über die gefühlt alle zwanzig Minuten ein mehrere Kilometer langer Zug laut tutend poltert. Trotz für ein Motel ganz brauchbarer Isolation beim besten Willen nicht zu überhören…

Gefahrene Strecke: ca. 500 Kilometer
Essen: Burger bei Five Guys, schmeckt gut!
Hotel: Globetrotter Lodge, sehr schönes Motel

Und jetzt?
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