1. Tag: Verschneite Ankunft in New York?

Und: Der Zufallsgenerator schlägt mal wieder zu...

Reist man in der Weihnachtszeit nach New York, wünscht man sich ein bisschen Schnee, ist ja klar. Nur, naja, jetzt nicht unbedingt am Tag der Anreise: Die Fahrt von JFK nach Manhattan dauert schon bei guten Bedingungen lange genug und überforderte Flughäfen machen auch nur bedingt Spaß.

Entsprechend gespannt hatte ich in den vergangenen Tagen den Wetterbericht verfolgt: Montag 13° C – ist da etwa schon Frühling? Dienstag 16° C – ob ich überhaupt Wintersachen einpacken sollte? Mittwoch -3° C – Mittwoch -3° C?!

Tatsache. Und, selbstredend, bringt der Temperatursturz um knapp zwanzig Grad auch eine Menge Schnee mit sich, die genau an diesem Mittwoch, unserem Ankunftstag, runterkommt.

Immerhin: Die Wolken sollen sich am Vormittag komplett verausgaben, sodass sich die Situation nach meiner Ankunft am Nachmittag einigermaßen beruhigt haben dürfte. Hoffe ich. Was ist schon so ein bisschen Schneefall für die US-amerikanische Großstadt?

Flugzeug von Frankfurt nach JFK.

SSSS: Ich fühle mich so sicher!

Allerdings muss ich da aber überhaupt erst einmal ankommen und das bedeutet zunächst: Das Security Theater zu überstehen, bei dem ich vor allem in Deutschland regelmäßig „Glück“ mit dem Zufallsgenerator haben – so auch heute.

Obwohl ich nicht einmal einen Hauch von Metall an mir trage, wählt der Detektor am Flughafen mich für eine Kontrolle aus, wofür sich der immerhin freundliche Kontrolleur dann auch entschuldigt, aber… wozu überhaupt?

Und dann ist da noch das ominöse SSSS, das sich auf meinem Boarding Pass befindet. SSSS steht für Secondary Security Screening Selection, eine zweite Kontrolle zusätzlich zur normalen Kontrolle also. Warum ausgerechnet ich ausgewählt wurde? Gute Frage.

Jedenfalls wird mir bei der Passkontrolle in Frankfurt geradezu freudig verkündet, ich sei für eine zweite Sicherheitskontrolle „auserwählt“ worden – welche Ehre – und werde in einen abgeschotteten Bereich geführt, um dort von der Bundespolizei noch einmal auseinandergenommen zu werden.

Besonders clever an der ganzen Geschichte: dass das „SSSS“ aufs Ticket gedruckt anstatt intern im System vermerkt wird. So könnte jemand, der weiß, worum es sich bei dem „Secondary Screening“ handelt, ganz einfach sein Handgepäck vorab einem Begleiter übergeben und die Kontrolle ad absurdum führen, da außer dem „Bitte ziehen Sie Ihre Schuhe aus!“ nichts weiter verlangt werden könnte…

Lufthansa-Essen: Gänsebraten mit Knödeln und Rotkohl.

Von Frankfurt nach JFK

Nachdem ich diese fehlgeleitete Show hinter mich gebracht habe, finden ich mich trotzdem noch pünktlich am Gate ein, das Boarding geht zügig vonstatten und gegen 11:15 Uhr hebt LH400 in Richtung JFK ab.

An guten Tagen dauert der Flug nur 7:30 Stunden, heute hingegen soll er dank starken Gegenwinds 8:45 Stunden in Anspruch nehmen, und auch die Route ist interessant: Statt übers Empire bis nahe Grönland und über den Nordosten Kanadas streife ich nur den Süden von Irland und danach geht es quer übers Meer.

Der Service ist, wie von Lufthansa gewohnt, ganz in Ordnung und das Essen entspricht im Wesentlichen der üblichen Flugzeugqualität. Bei der Hauptspeise, die gut zwei Stunden nach dem Start serviert wird, entscheide ich mich für das Weihnachtsmenü, bestehend aus Gänsebraten, Rotkohl und Knödeln – nicht der Hit, aber sicher besser als die alternative Pasta mit orangem Käse.

Kurz vor Landung gibt es ein asiatisch angehauchtes Süppchen und einen Salat. Bei letzterem wurde wohl das Dressing vergessen (angesichts der Schlagzeilen der letzten Wochen vielleicht kein Wunder), ersteres hingegen mundet!

Zweites Essen im Flugzeug.

Ansonsten lasse ich den Flug so über mich ergehen. Eigentlich nimmt man sich ja immer vor, zwei, drei Filme zu gucken, aber irgendwie hat man dann doch nicht die große Motivation, sondern starrt auf die Karte und wundert sich, dass sich die Verbleibende-Zeit-Anzeige so gar nicht bewegen will.

Kurz vor der Landung erhasche ich einen Blick auf das Land unter mir und, tatsächlich: Häuser und Felder ziert eine leicht Schneedecke. Doch schon als ich auf JFK aufsetze, wird klar: Viel Schnee ist in der Stadt nicht liegengeblieben und die Fahrt nach Manhattan sollte kein Problem darstellen.

Etwas Schnee auf dem Flug nach New York.

In New York geht’s schneller als erwartet

Ebenfalls kein Problem stellt überraschenderweise die Immigration dar. Ich zähle zu den ersten, die das Flugzeug verlassen, erkenne mit Erleichterung, dass die Flieger aus China und Saudi-Arabien bereits abgefertigt wurden – und da ich mein Esta schon einmal genutzt habe, darf ich die kürzere und sich schneller voran bewegende Einheimischenschlange nutzen, anstatt mich durch die Neulingsline quälen zu müssen.

Zwei Immigration Officers bedienen die Schlange und ich erwische (natürlich) die etwas gründlichere Dame, aber selbst die stempelt und unterschreibt bereits, während sie noch ihre obligatorischen Fragen runterrattert. Knapp eine halbe Stunde nach der Landung heißt es dann schon: „Welcome to the United States!“ Gibt es schönere Worte?

So schnell war ich, dass ich tatsächlich ein, zwei Minuten auf mein Gepäck warten muss, doch auch dort zähle ich zu den glücklichen Ersten. Noch schnell ein paar Dollars aus einem Geldautomaten geholt und dann weiter zum Taxistand. Etwas old-school, aber ein Uber ist hier genauso teuer wie ein Taxi und die AirTrain in Verbindung mit LIRR (Long Island Rail Road) plus Subway mit zweimaligem Umstieg umständlich – und außerdem sind Taxifahrten in New York üblicherweise ein Erlebnis.

Der Fahrer ist überaus freundlich, erstaunlich verständlich und überraschend gut über Fußball informiert: Premier League, Bundesliga, La Liga und Seria A gucke er, erzählt er mir, und tatsächlich hat er den aktuellen Tabellenstand im Hinterkopf. Dafür erstmal ein großzügiges Trinkgeld!

Zimmer im Langham Hotel Fifth Avenue.

Nach knapp einer Stunde – der Verkehr könnte besser, aber auch deutlich schlimmer sein – erreiche ich mein Hotel, checken ein und quatsche auch hier mit dem Rezeptionisten erstmal über Fußball. Er kommt aus Nepal, ist Chelsea-Fan (pfui!), guckt aber auch Bundesliga und überhaupt sei New York eine Fußballstadt, sagt er, schließlich lebten hier fast nur Migranten.

Doch nicht nur das begeistert mich, sondern auch das Hotelzimmer: Für New Yorker Verhältnisse sehr geräumig, ruhig und sogar mit einer kleinen Küchenzeile inklusive Kaffeemaschine, sodass ich mich zum Frühstück selbst versorgen kann, anstatt jeden Morgen etwas holen zu müssen.

Ice Rink im Bryant Park.

Abendlicher Rundgang ums Hotel

Nicht minder gefällt mir die Lage des Hotels in der Fifth Avenue, die ich trotz Müdigkeit dann auch noch für einen kurzen, abendlichen Rundgang nutze.

Im Bryant Park gleich nebenan gibt es einen netten Weihnachtsmarkt mit sehr beliebtem Ice Rink (trotz Leihgebühren in Höhe von 33$ pro Person) sowie Weihnachtsbaum…

Weihnachtsmarkt im Bryant Park.

… und auch das Grand Central Terminal ist von außen wie innen verziert. Überhaupt ist die Menge an Weihnachtsschmuck, der sich auf den ersten Blick durch die ganze Stadt zieht, beeindruckend.

Grand Central Terminal mit Weihnachtsschmuck.

Dem werde ich mich ab morgen intensiver widmen, denn heute geht es nur noch kurz zu Whole Foods für ein paar kleine, gesunde Einkäufe (Vollkornbagels, organische Mandelbutter, „belgian-style“ Bier) und dann zurück ins Hotel. Woran ich mich erstmal wieder gewöhnen müssen: Tempo und Dichte des Fußverkehrs. Dagegen wirkt selbst Tokio wie ein Spaziergang…

Morgen soll das Wetter sehr gut sein, auf dem Programm stehen dann unter anderem das One World Trade Center und die Brooklyn Bridge.

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