2. Tag: One World Center bis Brooklyn

Und: Wir sehen Aaron Sorkins To Kill a Mockingbird am Broadway

Bei unserer letzten New-York-Reise befand sich das One World Trade Center gerade im Bau. Die Eröffnung fand im November 2014 statt, liegt also schon erstaunliche fünf Jahre zurück, dennoch blicken wir unserem heutigen Besuch – und insbesondere dem des One World Observatorys – mit viel Vorfreude entgegen.

Zumal für letzteres das Wetter erfreulicherweise mitspielt: Eisig ist es geworden, die Temperaturen bewegen sich knapp unter dem Nullpunkt und sollen dort auch verweilen, doch der Himmel ist blau und das könnte in unseren sieben Tagen in der Stadt ein Unikum darstellen. Zumindest, wenn die gewohnt schlauen Menschen aus dem US-amerikanischen Frühstücksfernsehens Recht behalten…

Ghostbusters Fire Station.

Morgens zum One World Trade Center

Eine kleine Überraschung erleben wir schon beim Frühstück: Während es in Deutschland derzeit gefühlt erst um neun so ein kleines bisschen hell wird, geht hier in New York die Sonne bereits um 7:10 Uhr auf. Das ist sogar fast eine Stunde früher als auf Malle, obwohl New York doch nur auf der Höhe von Rom liegen soll. Wir sind ja keine Astronomen oder so, aber schätzen mal, dass die Zeitzonen da sehr großzügig ausgelegt werden und die Sonne dafür eine Stunde früher untergeht?

Uns kommt das entgegen, verstehen wir unter spätem Aufstehen im Urlaub doch irgendwas zwischen 6:10 und 6:15 Uhr. Da die meisten Sehenswürdigkeiten und Geschäfte erst gegen 9 Uhr öffnen, nutzen wir die morgendliche Zeit nur mit zutiefst sinnvollen Dingen wie dem bereits angesprochenen Studium des Frühstücksfernsehen sowie dem parallelen Schreiben dieses Reiseberichts.

Kurz vor neun machen wir uns dann auf den Weg, mit der U-Bahn geht’s mit nur zwei Stopps – wir erwischen zufällig einen Express – zur Canal Street, wo wir uns in Tribeca warmlaufen, …

Blick aufs One World Trade Center.

… bevor wir das „neue“ World Trade Center erreichen. Wie riesig die Anlage einst war, wird einem erst dann so richtig klar, wenn man heute über diese zumindest teilweise frei gebliebene Fläche schreitet.

Pools im One World Trade Center.

Das „Highlight“ ist dabei vielleicht gar nicht mal das (allerdings ebenfalls äußerst gelungene) One World Trade Center, sondern The Oculus, die von außen wie innen architektonisch beeindruckende Bahnstation.

The Oculus WTC Station.

Deren Zentrum ziert derzeit einer der unzähligen kleinen Weihnachtsmärkte der Stadt, angenehm unauffällig seiner Umgebung angeglichen.

Weihnachtsmarkt im The Oculus.

Anschließend zieht es uns dann aber wirklich zum One World Trade Center und seinem Observatory, der Aussichtsplattform auf über 400 Metern Höhe.

Die Tickets sind mit knapp 45$ pro Person nicht ganz preiswert, doch die Auffahrt (nach nur fünfminütiger Wartezeit und erfreulich laxer Sicherheitskontrolle) lohnt sich: In 47 Sekunden geht es fast unbemerkt in den 101. Stock hinauf, begleitet von einer 3D-Animation an den Aufzugwänden, die den Wandel Manhattans über die Jahrhunderte zeigt.

Aussichtsplattform auf dem One World Trade Center.

Oben angekommen werden wir zunächst in ein scheinbares Theater geführt, das einen zweiminütigen und, zugegeben, recht sinnlosen Film über die Stadt zeigt, … um im Anschluss daran die „Leinwand“ hochzufahren und die dahinter liegenden Fenster mit dem Ausblick auf die Stadt zu enthüllen.

Ausblick vom One World Observatory auf New York.

Ein gelungener Effekt und überhaupt ist der Blickwinkel auf Manhattan hier doch noch einmal ein ganz anderer als vom Empire State Building oder vom Top of the Rock, unserem Favoriten. Die Weite der Halbinsel, aber auch den Rund-um-Blick auf unter anderem Liberty und Governor’s Island, bekommt man nur hier. Lediglich das ein oder andere Detail der Skyline und natürlich den Central Park kann das One World Observatory nicht liefern.

Brookfield Place: Ehemals Old Financial Center.

Mittags über die Brooklyn Bridge

Anschließend schauen wir noch kurz im Brookfield Place (früher: World Financial Center) vorbei, dessen Wintergarten noch immer einen Blick wert ist, obwohl es sich ansonsten um ein inzwischen recht gewöhnlich wirkendes Bürogebäude mit ein paar obligatorischen Shops handelt.

Warteschlange für die Freiheitstatue.

Von dort aus gehen wir am Wasser entlang – angenehm ruhig hier – bis Battery Park, von wo aus wir Montag zur Freiheitsstatue fahren werden. Die Schlange rund um Castle Clinton zum Pier kann sich sehen lassen. Gut, dass wir Tickets reserviert haben…

NYSE in der Wall Street.

Durch die Wall Street, vorbei an New York Stock Exchange und City Hall, steuern wir die Brooklyn Bridge an, um den in Hinblick aufs Wetter wohl besten Reisetag für einen weiteren Ausblick auf die Skyline Manhattans zu nutzen.

Spaziergang über die Brooklyn Bridge.

Brooklyn auf der anderen Seite ist allerdings nicht minder sehenswert: Der Stadtteil ist mittlerweile eine bevorzugte Wohngegend und gilt als Hipster-Zentrum, mit vielen sehr schönen Häusern und interessanten Geschäften.

Ausblick auf Manhattan von Brooklyn.

Äußerst gelungen ist auch die Umgestaltung der einstigen Hafenanlagen, die man von der Brooklyn Heights Promenade bestaunen kann: Ehemalige Piers wurden in Basketball- und Fußballplätze, Parks und Grünanlagen umgestaltet. So viel Kreativität und Konsequenz würde man sich auch bei uns manchmal wünschen.

Park nahe der Brooklyn Heights.

Von Brooklyn aus nehmen wir die U-Bahn zurück bis Canal Street, um von dort aus durch Chinatown und Little Italy den Weg zurück zum Hotel anzutreten. Unterwegs legen wir noch einen Stopp im Madison Square Park ein und gönnen uns Burger und Fries von Shake Shack. Mundet!

Little Italy in New York.

Abends ins Shubert Theatre

Als wir gegen 16 Uhr unser Hotel wieder erreichen, haben wir 25 km zurückgelegt – nicht gerade wenig nach der doch etwas unruhigen Nacht, aber das tolle Wetter heute mussten wir ausnutzen.

Wir gönnen uns eine kurze Verschnaufpause, um gegen 18:30 Uhr zum nicht weit entfernten Shubert Theatre aufzubrechen. Dort läuft seit gut einem Jahr Aaron Sorkins (unter anderem Autor der fantastischen TV-Serie „The West Wing“) Adaption von Harper Lees Rassismus-Drama To Kill a Mockingbird, zunächst mit Jeff Daniels in der Hauptrolle, nun, seit Dezember 2019, mit Ed Harris.

To Kill a Mockingbird im Shubert Theatre am Broadway.

Ein sehr sehenswertes Stück, getragen von Sorkins gewohnt schlagfertigen Dialogen, gespickt mit seinen zahlreichen Manierismen und einem Hauch Selbstironie: „I’ve made up some latin.“ Die knapp drei Stunden, inklusive einer 15-minütigen Pause, vergehen wie im Flug.

Morgen soll es vereinzelte Schauer geben, zumindest die neuen Hudson Yards mit The Vessel sowie die High Line wollen wir uns jedoch anschauen, danach eine Runde durch Chelsea und Village drehen.

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