3. Tag: Hudson Yards, Vessel & High Line

Wir "bestaunen" die Folgen der Gentrifizierung...

In Las Vegas wird viel gebaut, dachten wir immer, doch das ist nichts im Vergleich dazu, was sich gerade in New York tut und in den letzten gut zehn Jahren bereits getan hat: Baustellen an jeder Ecke, neue Wolkenkratzer schießen in die Höhe (auch über die Grenzen Manhattans hinaus, in Queens beispielsweise) und einstige Industriegebiete werden in moderne Shopping-Center, touristische Zentren und Naherholungsgebiete umgewandelt.

Gestern durften wir das unter anderem bereits in den Brooklyn Heights bestaunen, wo man aus alten Docks moderne Sport- und Grünanlagen gezaubert hat, heute steht die Veränderung Manhattans auf dem Programm…

The Vessel von außen.

The Vessel in den Hudson Yards

Unser erstes Ziel am heutigen Freitag dem 13. sind die Hudson Yards im Westen der Halbinsel, etwa auf Höhe unseres Hotels. Dort, am Hudson River, befindet sich der West Side Yard der Long Island Rail Road (LIRR), der bis vor kurzem lediglich dem Abstellen von Zügen diente.

Seit 2012 aber hat man dessen 30 Gleise mit einer auf über 300 Säulen fußenden Plattform überbaut, auf der wiederum nach und nach mehr als ein Dutzend Hochhäuser errichtet wurden und bis 2024 noch werden.

Vessel von innen.

Neben mehreren 300-400 Meter hohen Bürogebäuden gibt es die obligatorische Shopping Mall, mit The Edge ab März 2020 eine Aussichtsplattform an der frischen Luft und mit The Vessel seit diesem Jahr ein von M.C. Escher inspiriertes Bauwerk, das… schwer in Worte zu fassen ist. Aber die Bilder sprechen zweifellos für sich.

Oberste Etage von The Vessel.

Das knapp 50 Meter hohe Vessel besteht aus 16. Etagen und 154 Treppen mit etwa 2500 Stufen, die man bisher kostenlos erklimmen darf, wenn man sich Tickets zwei Wochen im Voraus online sichert – vor Ort zahlt man 10$ pro Person. Der Aufstieg ist nicht allzu anstrengend und den Aufwand zweifellos wert, obwohl die Umgebung des Vessels aufgrund all der Baustellen noch nicht die schönste ist.

Die High Line New York.

Über die High Line nach Chelsea

Etwas unauffälliger, aber nicht minder bemerkenswert, ist The High Line, die an eben jenen Hudson Yards startet. Bei ihr handelt es sich um eine ehemalige Güterbahnlinie der New York Central Railroad, deren ursprüngliche Nutzung in den 80er-Jahren weitgehend eingestellt wurde.

Anstatt die Trassen komplett abzureißen, entschied man sich mit „etwas“ Verspätung Anfang der 2000er jedoch, ihren Großteil in einen modernen Park umzuwandeln, der auf einer Länge von etwa 2,3 km seit 2011 von den Hudson Yards bis in den Süden nach Chelsea führt.

High Line zwischen Hudson Yards und Chelsea.

Im Frühling und Sommer sieht das Ganze wahrscheinlich noch ein bisschen netter aus, doch auch im Winter lohnt sich der Spaziergang über die High Line, kann man so doch zumindest eine halbe Stunde lang dem dichten Verkehr auf den Straßen ein wenig entgehen oder auch mal ein paar Minuten auf einer der zahlreichen Bänke innehalten.

Meatpacking District

Chelsea Market und das Village

Wir verlassen die High Line auf Höhe des Chelsea Markets, einer weiteren Umstrukturierung nahe des ehemaligen Meatpacking Districts: Von den 1890ern bis in die 1990er wurden hier unter anderem die bekannten Oreo-Cookies produziert, bevor die große Anlage in eine moderne „Food Hall“ mit diversen Imbissen und kleinen Food Stores / Supermärkten verwandelt wurde. (Warum das Ganze mittlerweile Google-Daddy Alphabet gehört, der eine Rekordsumme gezahlt hat, sei mal dahingestellt…)

Im Chelsea Market.

Gleich nebenan gibt es auch eine luxuriöse Version von Starbucks, die sich Starbucks Reserve nennt und ein bisschen an einen Club erinnert. (Oder Kult? Vielleicht Kult.) Für zwei Kaffee und ein kleines Sandwich zahlt man dort dann mal eben 25$, warum auch nicht.

Starbucks Reserve in Chelsea (New York).

Davon abgesehen hinterlassen Chelsea und das angrenzende, ebenfalls recht jung und hip wirkende Village jedoch einen durchweg positiven Eindruck… zum Preis der Gentrifizierung, versteht sich: Wenn alte Lagerhallen und Fabriken für moderne Apple Stores und Starbucks‘ Platz machen, ist klar, wer hier noch gewünscht ist – und wer nicht.

Weihnachtsschmuck im Chelsea Market.

Das richtigen Maß zu finden, ist zweifellos schwer und uns als einfachen Touristen steht ohnehin kein Urteil zu. Dennoch sollte man auch als Besucher nicht die Augen vor den Auswirkungen des Wandels verschließen.

Manhattan mag für Besucher heutzutage weitaus angenehmer sein als in den 70ern- bis 90ern (nicht zuletzt „dank“ Rudy Giuliani, heutzutage Anwalt von Trump, früher mit seiner Cousine verheiratet, und irgendwann auch Bürgermeister von New York), die Kosten dafür sind jedoch enorm – im wörtlichen wie im übertragenden Sinne.

Greenwich Village in New York.

Wo waren wir? Ach ja, bei unserem heutigen Rundgang!

Nach Chelsea und Village treten wir durch den Washington Square Park allerdings auch schon den Rückzug zum Hotel an, da die im Frühstücksfernsehen versprochenen Niederschläge tatsächlich mit nur zwei, drei Stunden Verspätung aufziehen.

Greenwich Village in New York.

Eigentlich wollten wir heute mal Pizza probieren, stattdessen werden es, da kein Bock aufs Rumrennen im Regen, dann doch wieder Burger und Fries. (Bei Shake Shack lautet der Singular von Fries übrigens korrekterweise ebenfalls Fries, während man bei In-N-Out in Kalifornien rhetorisch unangenehm „one fry“ bestellen muss. Das ist allerdings auch das einzige, was Shake Shack In-N-Out voraus hat.)

Burger von Shake Shack.

Verregneter Abend

Leider gewinnen die Niederschläge am späten Nachmittag sogar noch an Stärke, weshalb wir unser Programm für den heutigen Abend zusammenstreichen. Letzten Endes wagen wir uns nur noch bis zu Macy’s vor, keine zehn Minuten von unserem Hotel entfernt, um dort einen Blick in die halbwegs nett dekorierten Schaufenster und vor allem das schön geschmückte Erdgeschoss zu werfen.

Macy's im Regen.

Große Fans von Kaufhäusern sind wir allerdings nicht, insbesondere nicht von US-amerikanischen, deren Auswahl doch stets seltsam eingeschränkt wirkt: Auf acht der zehn Etagen gibt es fast nichts anderes als Kleidung, im Erdgeschoss Parfüm und Taschen, ganz oben ein paar Haushaltsartikel, und dann war’s das im Grunde schon.

Weihnachtsdeko in Macy's.

Ob Macy’s, Bloomingdale’s (gehören eh zusammen), Nordstrom oder Saks macht keinen Unterschied – seltsam eigentlich, wo Shopping Malls, die „alles“ bieten, in den USA so unglaublich beliebt sind.

Heute Nacht soll es weiter regnen, morgen dann aber höchstens noch ein paar Schauer geben und der Sonntag komplett trocken bleiben, bevor uns am Montag ein „wintry mix“ ins Haus steht. Wir denken von Tag zu Tag und werden uns morgen zunächst das Rockefeller Center und Umgebung vornehmen.

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