4. Tag: Wochenende der blauen Santas

Und der obligatorische Abend am Times Square...

Der Samstag beginnt reichlich verregnet, die Spitzen der Hochhäuser ums Hotel herum sind wolkenverhangen. Unser Programm für den heutigen Tag war aber ohnehin etwas vage: Nur das Rockefeller Center, die Fifth Avenue und ein paar Geschäfte standen grob auf dem Plan.

Nachdem wir gestern und vorgestern jeweils ca. 25 km gelaufen sind, kommt uns ein kleiner Ruhetag aber gar nicht mal so ungelegen, wollen wir morgen doch – bei dann wieder besserem Wetter – unter anderem den Central Park und die Upper West Side erkunden.

Die UN Headquarters.

Übers Rockefeller Center bis Bloomingdale’s

Gegen neun Uhr beginnen wir aber zunächst unseren heutigen Rundgang, vom Hotel über noch einmal Grand Central Terminal zu den nicht weit entfernten UN Headquarters. Unterwegs fallen uns zahlreiche, leicht bekleidete Weihnachtsmänner und -frauen auf, die vom Bahnhof gen Süden ziehen. Wo die wohl hinwollen?

Grand Central Terminal von außen.

Ansonsten wirken die Straßen erstmals ein wenig leerer, was natürlich dem Wochenende geschuldet ist – und sich schlagartig ändert, als wir das Rockefeller Center erreichen. Selbst zu noch früher Stunde und bei Nieselregen muss man sich schon um einen Platz für ein akzeptables Foto drängen. Wie das erst abends werden wird…

Rockefeller Center mit Ice Rink.

Wir werfen einen Blick in ein, zwei Geschäfte – den Spielwarenladen FAO Schwarz, den Nintendo Store -, aber in richtiger Shopping-Laune befinden wir uns nicht, obwohl das Rockefeller Center für uns zu den schönsten Hochhäusern und Plätzen der Stadt zählt.

Radio City Music Hall am Rockefeller.

So sind wir mit der Ecke doch schneller durch als erwartet und gehen schon mal ein Stück weiter in Richtung Central Park, um kurz davor abzubiegen und Bloomingdale’s anzusteuern. Von den schon gestern angesprochenen New Yorker Kaufhäusern gefällt uns das wahrscheinlich noch am besten, sind Auswahl und Aufbau im Inneren doch etwas angenehmer als bei der Konkurrenz.

Das historische Bloomingdale's Kaufhaus.

Auch die Schaufenster wurden sehr sehenswert, wenn auch nicht gerade weihnachtlich gestaltet: Statt Schnee und Rentieren gibt es hier Roboter und Astronauten…? Toll sieht’s trotzdem aus!

Schaufenster von Bloomingdale's.

Die betrunkenen Santas

Da der Regen wieder etwas zulegt, entscheiden wir uns gegen Mittag vorerst für die Rückkehr zum Hotel. Unterwegs kommen uns erneut zahlreiche Santas entgegen, deren Kostüme mehr an Halloween oder Karneval bei 36° C denn an Weihnachten erinnern und die sich bevorzugt in langen Schlangen vor Pubs versammeln – stets bewacht von jeweils einer kleinen Scharr Polizisten.

SantaCon in New York.

Was dahinter steckt: Heute findet die „SantaCon“ statt, ein so genannter Pub Crawl, also gar nicht so weit von Halloween oder Karneval entfernt. Man verkleidet sich als Weihnachtsmann oder -frau, fährt nach New York (oder in eine andere Großstadt), zieht ab ca. 10 Uhr morgens von Pub zu Pub und säuft sich die Rübe weg. Manche sind deswegen offenbar bis aus Texas angereist.

John Oliver hatte dazu vergangene Woche Folgendes zu sagen:

Und zumindest den Teil mit den sich prügelnden Santas können wir wohl bestätigen, angesichts all der Cops und Ambulances, die gegen Nachmittag bereits zu den Pubs düsen.

AMC Kino Penn Station in New York.

Knives Out!

Wir haben unser Santa-Kostüm zu Hause vergessen, sind eh zu alt, um noch in Pubs gelassen zu werden, und entscheiden uns daher für einen nachmittäglichen Kinobesuch. Den hatten wir für einen späteren Tag ohnehin geplant, aber – in Anbetracht des Wetters, der Santas und unserer Beine – warum nicht schon heute? „Knives Out“ von Rian Johnson wollen wir sehen; soll sehr gut sein, läuft in Deutschland aus Gründen jedoch erst im Januar an.

Trotz so ungefähr acht täglicher Vorstellungen – die erste um 11:15 Uhr, die letzte um 23:15 Uhr – ist das AMC Kips Bay nahe unseres Hotels bereits ausverkauft, aber zum Glück gibt’s in Manhattan ja noch das ein oder andere Kino und so landen wir in einem anderen, ebenfalls nicht weit entfernten AMC bei Penn Station.

Angenehm groß, nicht ganz leer, aber auch nicht allzu voll, die schlimmste Werbung läuft hier schon vor dem offiziellen Vorstellungsbeginn, danach nur noch Trailer, und selbst das Publikum ist sehr angenehm – geht etwas mehr mit als in Deutschland, aber nicht übertrieben.

Bei dem Film handelt es sich im Grunde um ein klassisches Whodunnit, er schneidet aber moderne Themen wie Migration und die Alt-Right an (mit denen hat Johnson seit Star Wars XIII ja Erfahrung…), gespickt mit Gesellschaftskritik und dem ein oder anderen intelligenten Twist. Sehr sehenswert, auch weil Daniel Craig mal wieder beweisen darf, dass er ein besserer Schauspieler ist als es Schrott wie „Spectre“ vermuten lässt.

Pizza Suprema in New York.

Anschließend gönnen wir uns zwei Slices Margherita bei Pizza Suprema, gleich neben Penn Station und dem Madison Square Garden – der allerdings erst nach der Gründung des Imbisses erbaut wurde, wie man drinnen betont, außerdem befinde der sich seit nunmehr 50 Jahren im Besitz der gleichen italienischen Familie. Story hin oder her, schmecken tut’s!

Times Square am Abend.

Abends zum Times Square

Der Times Square ist für uns so ein bisschen der Walk of Fame von New York: Jeder verbindet ihn mit der Stadt, auf Fotos sieht er nett aus, tatsächlich aber ist er auch das Zentrum der Touristennepps mit einem unerträglichen, dem Sehenswert unangemessenen Gedränge und Geschiebe. Trotzdem wäre die New-York-Reise wohl nicht vollständig ohne ein kurzes Vorbeischauen und so bringen wir den am heutigen Abend hinter uns.

Werbetafeln am Times Square.

Die Anzahl an LED-Banden und -Tafeln hat seit unserem letzten Besuch mal wieder zugenommen und, ja, schön bunt isses, aber wenn man den Times Square einmal nüchtern betrachtet hat, fällt es schwer, ihn noch „unbefangen“ zu genießen. Dass Menschen freiwillig Werbetafeln bestaunen, ist wohl die moderne Version des „American Dreams“ – oder auch: late-stage capitalism.

Bryant Park Weihnachtsbaum.

Bekömmlicher ist dann doch der Weihnachtsmarkt am Bryant Park, den wir noch einmal besuchen…

Weihnachtsmarkt am Bryant Park.

… und auch das Empire State Building sehen wir mal.

Empire State Building bei Nacht.

An dem sind wir in den letzten Tagen irgendwie x-mal vorbeigelaufen, ohne es zu bemerken. Vielleicht fällt es unter all den neuen Hochhäusern der Stadt auch einfach nicht mehr so auf.

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