6. Tag: Statue of Liberty & Ellis Island

Wir klettern in die Krone der Freiheitsstatue und besuchen Sleep No More...

Etwa einen Tag pro Stunde Zeitverschiebung benötigt man, um sich umzustellen – eigentlich müssten wir also heute drin sein. Trotzdem waren wir gestern schon wieder verdammt früh müde und sind heute entsprechend früh wach, was uns jedoch entgegenkommt: Die Chance für einen zweiten Versuch, den Christmas Tree am Rockefeller Center im Dunkeln zu sehen.

Rockefeller Center am morgen.

Christmas Tree, die Zweite

Angeblich soll der Weihnachtsbaum ab 5:30 Uhr leuchten, also machen wir uns gegen 5:15 Uhr auf den Weg, den guten Kilometer zum Rockefeller raufzugehen. Die Straßen sind, wenig überraschend, noch angenehm leer, lediglich ein dutzend Polizisten gammeln bereits am Center herum…

… und verweisen uns auch gleich vom Grundstück; der Baum werde erst ab 6 Uhr leuchten und die Plaza sei erst dann zugänglich. Also drehen wir zunächst noch eine Runde um die Anlage herum und achten peinlich genau darauf, nicht mit einer Fußspitze vom Bürgersteig auf „die Plaza“ abzurutschen.

Weihnachtsbaum nachts am Rockefeller Center.

Der Baum knipst seine Lichter um 5:45 Uhr an, die einzigen Touristen sind wir zu diesem Zeitpunkt ohnehin längst nicht mehr und so ziehen sich die Cops geschlagen zurück.

Ausblick auf den Weihnachtsbaum.

Die Weihnachtsmusik der umliegenden Geschäfte fehlt natürlich zu dieser frühen Stunde noch, aber ’n bisschen cooler isses schon, Fotos schießen zu können ohne die Angst, zerquetscht zu werden.

Fähre zur Statue of Liberty.

Mit der Fähre zur Freiheitsstatue

Nach der Rückkehr ins Hotel gönnen wir uns ein kleines Frühstück und eine Dusche, dann geht es aber auch schon weiter in Richtung Battery Park. Wir haben 9-Uhr-Tickets für die Statue of Liberty, „crown access“ inklusive, die erste Fähre legt um 8:30 Uhr ab und die würden wir gerne bekommen.

Zum ersten Mal jedoch haben wir heute ein kleines Problem mit der eigentlich gut funktionierenden, allerdings spürbar überalteten U-Bahn: Irgendwo auf der Strecke von 34 St nach Whitehall bleibt der Zug eine halbe Ewigkeit stehen, um dann zu verkünden, unsere Linie werde auf die N-Line in Richtung Brooklyn umgeleitet, da eine Bahn in der Haltestelle 34 St Probleme mit der Tür habe. Viel Sinn ergibt das für uns nicht, da wir doch von genau dort kommen, aber wir sind ja auch nur zu Besuch!

Leere U-Bahn in New York.

Mit zwei Mal Umsteigen erreichen wir Battery Park um 8:20 Uhr, holen unsere Tickets gegen Vorlage des Reisepasses in Castle Clinton ab und stellen uns für die obligatorische und hier – wie schon im World Trade Center – ausnahmsweise verständliche Sicherheitskontrolle an.

Von einer Schlange kann zum Glück noch keine Rede sein und der angekündigte „airport-style security check“ besteht dann auch nur aus dem Ablegen von Jacke und Rucksack ohne einen näheren Blick auf irgendetwas zu werfen.

Freiheitsstatue von Liberty Island aus.

Die Fähre um 8:30 Uhr erreichen wir natürlich nicht mehr, doch 20 Minuten später legt die nächste ab. In knapp einer Viertelstunde geht es in dem recht klapprigen Schiff (Baujahr 1968) rüber zu Liberty Island, mit tollen Ausblicken auf die Skyline Manhattans und auch schon die Freiheitsstatue an sich.

Auf dem Pedastal der Freiheitsstaue.

Auf der Insel angekommen, steuern wir, vorbei an Bistro und Gift Shop, natürlich sofort die Statue an, um den größten Besuchermassen zu entkommen. Zunächst geht es über erstaunlich viele, noch recht gewöhnliche Treppen aufs Pedestal, …

Treppe in die Krone der Freiheitsstatue.

… danach über eine unglaublich enge Wendeltreppe hinauf in die Krone. Früher konnte man offenbar über eine kleine Leiter bis in die Fackel klettern, dieser Zugang wurde aber schon vor knapp hundert Jahren geschlossen, wie ein Schild verrät.

Blick von der Crown.

Der Auf- und Abstieg ist dann, um ehrlich zu sein, auch das eigentliche Erlebnis; die Crown ist einfach zu eng, um wirkliche Ausblicke oder auch nur ausreichend Platz für Fotos zu bieten. Wir sind allerdings froh, so früh gekommen zu sein – zwei Stunden später wartet man wahrscheinlich eine halbe Ewigkeit auf der Wendeltreppe, bis man in der Krone steht.

Ausblick auf die Skyline von Manhattan.

Weiter nach Ellis Island

Wir werfen noch einen kurzen Blick ins Statue of Liberty Museum und steigen dann schon wieder in die Fähre, die als nächstes an Ellis Island stoppt: Die Insel, auf der im frühen 20. Jahrhundert über 12 Millionen Migranten ankamen, untersucht und dann zu 98% (!) ins Land gelassen wurden. Welch ein Unterschied zur heutigen Einwanderungspolitik…

Hauptgebäude auf Ellis Island.

Das Hauptgebäude auf Ellis Island (die Insel einst übrigens winzig, über die Jahrzehnte hinweg mit „Landfill“ zu seiner heutigen Dimension aufgeschüttet) wurde schön hergerichtet, die Historie der Insel und der Einrichtung sowie sämtliche Vorgänge, welche die Migranten durchlaufen mussten, werden nachvollziehbar erklärt.

Und was bis zu 5000 Einwanderer pro Tag bedeuteten, wird einem spätestens dann klar, wenn man die fünfzehn Gebäude sieht, die allein als Krankenstation fungierten. Sehr sehenswert!

Registry Room auf Ellis Island.

Drei Fähren später – sie legen im 20-Minuten-Takt an und ab – fahren wir zurück nach Manhattan und unternehmen noch einmal einen ausgedehnten Rundgang, unter anderem am (eingepackten) Flat Iron Building vorbei, das wir bis dahin noch nicht bewusst gesehen hatten.

Auch in die New York Public Library im Bryant Park gleich neben unserem Hotel schauen wir mal rein. Ein paar Schneeflocken fallen vom Himmel und es wird kräftig gestreut, liegen bleibt jedoch nichts.

Sleep No More

Am Abend besuchen wir Sleep No More, ein „immersives“ Theaterstück in Chelsea. Dort wurden drei alte Lagerhallen in eine frei begehbare Kulisse umgebaut, in der um die 25 Schauspieler eine stumme, moderne Version von Macbeth spielen und tanzen.

Das Stück dauert jeweils eine Stunde und wiederholt sich drei Mal, was auch notwendig ist, wenn man zumindest einen Bruchteil der Geschichte sehen will. Wem der 25 Charaktere man durch die über 100 Räume folgt, bleibt einem nämlich selbst überlassen – oder ob man überhaupt jemandem folgt, denn man kann auch einfach die Kulisse erkunden, Schubladen öffnen, Briefe lesen und die herumliegenden Süßigkeiten oder zurückgelassenen Drinks probieren.

Sleep No More.

Eine wirkliche Einweisung gibt es dabei nicht, es bleibt den Besuchern – die Masken tragen müssen, um nicht mit den Schauspielern verwechselt zu werden – selbst überlassen, sich zu orientieren.

Wir gehen als erstes in den fünften Stock und entdecken eine Krankenschwester, die gerade im Begriff ist, aus einem Fenster zu klettern, und anschließend durch ein Labyrinth aus Hecken zu einem Turm eilt – gar nicht so leicht, mit den Schauspielern, teilweise umringt von zehn, zwanzig anderen Gästen, Schritt zu halten.

Anschließend splitten wir uns auf, um nicht exakt das gleiche zu erleben. Wir verfolgen eine Tanzszene in einem Ballsaal, eine Techno-Rave-Party unter Stroboskop, einen Streit zwischen drei Pokerspielern, eine von Macbeths Begegnungen mit den Hexen und den Mord an Lady Macduff, wir sehen Lady Macbeth ein Bad nehmen und beobachten einen Tierpräparator, laufen durch Hotellobbys und über Friedhöfe, durch alte Straßengassen und in Geschäfte.

Der Geschichte zu folgen, fühlt sich – selbst wenn man sie grob kennt – reichlich unmöglich an, aber allein mit dem Erkunden der Kulissen und Props könnte man locker zwei Abende verbringen.

Das Verfolgen der Schauspieler, die zum Teil doch ziemlich von Stockwerk zu Stockwerk rennen, ist überraschend unterhaltsam und das Geschubse unter den Gästen hält sich zur Abwechslung ebenso einigermaßen in Grenzen. Die größte Schwierigkeit besteht darin, den Schauspielern nicht im Weg zu stehen, wenn sie plötzlich losspurten – andererseits sind die nach mittlerweile acht Jahren und bis heute fast täglich ausverkauften ein bis zwei Vorstellungen das Verhalten der Gäste sicher gewohnt.

Trotz kleiner Schwächen (das Zurechtfinden auf den fünf Stockwerken fällt angesichts der Dunkelheit und meiner grundsätzlichen Orientierungsstörung enorm schwer, ein paar Dialoge und etwas weniger Publikum würden gut tun) ein großartiges, einmaliges Erlebnis! Kein Wunder, dass viele der anderen Gäste zum zwei oder sogar dritten Mal hier sind…

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