Tag #1: Von Frankfurt nach Los Angeles

Das beste Wetter, um in den Urlaub zu fliegen? Blauer Himmel und windstill, könnte man meinen, aber ich mochte schon immer dichte Wolken und prasselnden Regen beim Abflug – denn was könnte die Vorfreude auf den Urlaub mit hoffentlich schönerem Wetter noch besser schüren?

Insofern beginnt unsere diesjährige USA-Reise optimal, denn als wir den Flughafen Frankfurt erreichen, regnet es. Nein, das ist eine Untertreibung: Es schüttet wie bekloppt. Und der Himmel sieht so aus, als plane er nicht, das auf absehbare Zeit zu ändern.

Flughafen Frankfurt

Ähnlich freundlich wirkt auch der Beamte der Bundespolizei, als wir ihm nach der angenehmen und zügigen Gepäckabgabe unsere Pässe zeigen. Er mustert uns, als habe er unsere Gesichter gerade auf einem Most-Wanted-Poster gesehen, sucht gefühlte zwei Minuten lang vergeblich Parallelen und winkt uns schließlich durch.

Dahinter erwartet uns der vor zwei, drei Jahren umgebaute Teil von Terminal 1, das es seitdem durchaus mit einigen der schönsten und modernsten Flughäfen in Asien aufnehmen kann: Interessante Auswahl an Geschäften und Imbissen, angenehme Atmosphäre, vor allem aber kann man wunderbar die in unmittelbarer Nähe startenden und landenden Flugzeug beobachten, die sich überraschend schwer tun, das auf den Runways stehende Wasser zu verdrängen.

Flug von FRA nach ORD

So vergehen die noch verbleibenden gut anderthalb Stunden bis zum geplanten Start wie im Flug. Der bringt uns heute zunächst mit einer 747-800 der Lufthansa nach Chicago, wo wir in eine 737-800 von United nach Los Angeles umsteigen werden.

Eigentlich wollten wir Lufthansa zwar meiden („Die Maschinen sind so schlecht ausgestattet!“, „Die Werbung nervt so!“, „Was, wenn einer an Bord anfängt Gitarre zu spielen?“), aber wie das mit solchen in Stein gemeißelten Vorsätzen ist, bei mir fangen sie spätestens dann an zu bröckeln, wenn man einen Flug von FRA nach LAX und zurück für 500 Euro pro Person bekommt, der sonst oft genug das Doppelte kostet.

Essen im Flugzeug bei Lufthansa

Lufthansa also und in diesem Fall sollte das keine schlechte Wahl darstellen: Die 747-800 ist ein nettes Flugzeug, das In-Flight-Entertainment ordentlich und die Sitze gehen in Reihe 27 mit reichlich zusätzlicher Beinfreiheit auch in Ordnung. Das subtil vorgeschlagene Upgrade auf die etwas breiteren Sitze der neuen Premium Economy („Nur 200 Euro pro Person, fragen Sie JETZT unsere Cabin Crew für mehr Infos!“) können wir dann auch ruhigen Gewissens ablehnen.

Der Flug an sich verläuft nach dem ein wenig träge wirkenden Start ereignislos, wir gucken einen Film (Paddington, ganz nett übrigens) und essen recht typisches Flugzeugessen, das einem gewohnt nichtssagend mit der Frage „Pasta or chicken?“ angeboten wird – zumindest so lange, bis das Chicken aus ist und die letzten Reihen ein „Sorry, only pasta left!“ zu hören bekommen. Der Service an sich ist grundsätzlich aber freundlich und schaut einigermaßen regelmäßig vorbei.

Inflight-Snack bei Lufthansa

Nach einer ausgedehnten Runde um Chicago herum landen wir schließlich pünktlich in ORD und doch drängt die Zeit: Zum Umsteigen bleiben uns lediglich 90 Minuten. Irgendeinen Haken mussten die 500 Euro ja haben, nicht wahr?

Auf dem Weg zur Immigration haben wir es deshalb ein wenig eilig, überholen ein Dutzend Passagiere, die die Rolltreppe nehmen, auf der parallel verlaufenden Lauftreppe, überholen ein zweites Dutzend im Gang und ein drittes auf einer weiteren Rolltreppe… und haben an der Immigration tatsächlich nur zwei Leute vor uns.

Perfekt – und die Treppen haben sich gelohnt, denn zehn Minuten später, als wir schon am Gepäckband stehen, hat sich eine lange, mehrere hundert Frau/Mann starke Warteschlange vor den Immigration-Schaltern gebildet.

Dann geht alles so schnell, dass in der Erinnerung die Details ein wenig verschwimmen. Hier die Eckpfeiler: Tasche vom Gepäckband ziehen, weißes Kärtchen beim Zollbeamten abgeben („You’re my friend, you can go through!“), Tasche wieder aufs Gepäckband legen, mit dem Zug von Terminal 5 zu Terminal 1, durch den chaotischen Security Check, zum Gate des United-Flugs, einsteigen. Abfliegen.

Chicago Airport

Terminal 1 in ORD sieht übrigens in etwa so aus wie ein ausgemusterter Güterbahnhof in Wanne-Eickel und die Cabin der United-Maschine ist so gelb, dass man zwangsläufig annehmen muss, sie stamme aus Zeiten, in denen Raucherflüge noch erlaubt waren – also circa 1951.

Aber egal: Der Pilot ist freundlich und gesprächig, er erklärt sogar den verspäteten Start – die Hektik war also natürlich ganz umsonst – mit Computerproblemen und beim Abflug, schon im Dunkeln, haben wir einen schönen Blick auf Chicago.

Ich würde gerne behaupten, die nächsten vier Stunden vergingen wie im Schlaf, weil, naja, wir wirklich hätten schlafen können, aber irgendwie ist man nach zwölfstündigen Rumsitzen doch nicht geschafft genug, um im Sitzen und mit dem Röhren der Triebwerke in den Ohren die Augen schließen zu können.

Chicago von oben bei Nacht

In LAX angekommen und nach kleiner Spazierfahrt um den halben Flughafen herum, begeben wir uns zum Abschluss des Tages noch auf den Weg zu Hertz, um unseren Mietwagen abzuholen. Die sind offenbar auf den plötzlichen Besucheransturm am späten Abend nicht eingestellt (kommt in Los Angeles ja sicher selten vor!), finden schließlich aber doch noch zwei, drei Mitarbeiter, die ihren Kunden ein paar Versicherungen und Upgrades aufschwatzen könnten.

Wir beantworten die Fragen so ähnlich wie an der Immigration – „No“, „No“, „No“ -, der Angestellte drückt uns schließlich den schon Wochen zuvor so abgeschlossenen und bezahlten Vertrag in die Hand, beglückwünscht uns zu unseren „smart decisions“ und verabschiedet sich von uns standesgemäß mit einem Fistbump. Wenn man weiß, was man antworten muss, kann die Übernahme des Mietwagens also sogar Spaß machen!

Draußen auf dem Parkplatz steigen wir in unseren Nissan, der uns die nächsten vier Wochen lang treue Dienste erweisen soll und fahren zum Hotel. Noch weiß er nicht, dass er uns seine Dienste keine acht Stunden erweisen wird…

Gefahrene Strecke: zwei, drei Kilometer zum Hotel
Hotel: Crystal Inn & Suites (90$), etwas laut, ansonsten okay
Essen: Chicken or Pasta? Pasta! Außerdem ein Baguette mit Käse, Speck und Zwiebeln als Snack vor Chicago. Hier mussten sich die letzten Reihen mit der vegetarischen Sonderspeise begnügen: Obstsalat.

Und jetzt? Zurück zur Übersichtsseite unseres USA Reisebericht, mehr Fotos auf Flickr angucken oder weiterlesen mit Tag 2!

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