2. Tag: Mit dem Rad durch San Francisco

Einmal über die Golden Gate Bridge und später ab nach Downtown!

San Francisco wird häufig als die europäischste Großstadt der USA beschrieben – und damit sind interessanterweise vor allem Infrastruktur und Verkehr gemeint: Von den brauchbaren öffentlichen Bussen und Bahnen über das zu Fuß gut zu erkundende Stadtzentrum bis hin zu all den Fahrradwegen, welche beinahe die komplette Halbinsel mittlerweile durchziehen.

Wobei „Fahrradweg“ vielleicht etwas zu euphemistisch ist, handelt es sich bei den meisten Radwegen doch lediglich um grün markierte Spuren auf normalen Straßen. Aber besser als nichts!

Ich jedenfalls will mir diese Radwege endlich mal zunutze machen und mindestens eine Runde über die Golden Gate Bridge fahren…

Noahs Bagels in San Francisco.

Leckere Bagels

Als erstes begebe ich mich am heutigen, ersten Morgen in den USA jedoch auf die Suche nach etwas Frühstück. Das Cow Hollow Inn bietet keins – und mit Blick auf das übliche Frühstück in US-Hotels ist das auch kein Verlust -, liegt allerdings äußerst praktisch, befinden sich doch zahlreiche Cafés, Imbisse und Diner in der unmittelbaren Umgebung.

Ich entscheide mich für das keine 100 Meter entfernte Noah’s, das frisch gebackene Bagels unzähliger Sorten (von Mohn und Sesam bis hin zu Parmesan und Blaubeeren) für knapp 5$ anbietet. Meine Wahl fällt auf einen Sesambagel mit „Ham & Swiss“ sowie einen Mohnbagel mit „Bacon & Spinach“. Beides sehr lecker!

Die leidige Koffeinsucht stille ich mit Kaffee von Peet’s, ebenfalls gleich nebenan.

Mit dem Fahrrad über die Golden Gate Bridge.

Ab aufs Rad!

Mein Fahrrad habe ich bei Golden Gate Bridge Bike Rental reserviert, deren kleiner Laden sich – genau! – wiederum direkt gegenüber des Hotels befindet. Habe ich schon erwähnt, dass die Lage des Cow Hollow Inns wirklich super ist?

Für gut 70$ übernehme ich um 9 Uhr das ganz ordentliche Bike, das natürlich schon etliche Meilen auf dem Buckel hat, aber Bremse und Gangschaltung funktionieren anscheinend. Was will man mehr? Die freundliche Angestellte gibt mir noch ein paar Tipps und dann geht’s auch schon los.

Fort Point an der Golden Gate Bridge.

Von der Lombard Street zur Küste ist es nicht weit, die Seitenstraßen in diese Richtung werden nur von wenigen Autos befahren. An der Küste angekommen, biege ich gen Westen ab und fahre vorbei am Presidio zunächst „unter“ die Golden Gate Bridge, wo sich Fort Point befindet, eine der unzähligen ehemaligen Militäreinrichtungen der Stadt.

Nicht ganz spielt dabei der Himmel mit. Der Sturm vom gestrigen Abend hat sich zwar gelegt, dafür aber das „typische“ San-Francisco-Wetter Einzug gehalten: Nebel eben. Die Sichtweite ist aber noch ganz in Ordnung und der „Drizzle“ hält sich in Grenzen, sodass sich es sich angenehm fährt.

Bike Trails in San Francisco.

Bei der Fahrt von Fort Point zur Brücke hinauf zeigt sich dann, warum San Francisco trotz der neu gewonnenen Fahrradfreundlichkeit keine Fahrradstadt für jedermann ist: Die unzähligen Hügel mit ihren teilweise enormen Steigungen sind mit einem normalen Fahrrad kaum zu bewältigen.

Anders sieht es natürlich mit einem Elektrorad aus, deren zunehmende Verbreitung dann auch eben jene neue Fahrradfreundlichkeit erklären mag – obwohl mir auf den Straßen San Franciscos kaum Elektroräder auffallen. Vielleicht sind deren Käufer aber auch längst auf den jüngsten Trend der Elektroroller aufgesprungen, die es gerade an jeder Ecke gibt.

Golden Gate Bridge von Baker Beach.

Aus der kleinen Runde wird eine große

Dennoch nimmt die Fahrt zur und über die Golden Gate Bridge deutlich weniger Zeit in Anspruch als erwartet. (Aussichtspunkte wie Battery Spencer und Point Diablo spare ich mir heute; für die ist die Sicht dann doch einen Tick zu schlecht).

Also erweitere ich meine geplante Strecke ein wenig und fahre durchs Presidio zunächst zu Baker Beach, einem weiteren, allerdings – der Name verrät es – tiefer gelegenen Aussichtspunkt auf die Brücke. Das mäßige Wetter bringt immerhin den Vorteil, dass sich die Touristenmassen hier heute in Grenzen halten und auch die Busse einen großen Bogen um alle Ausblicke machen.

Von Baker Beach geht es weiter zu Lands End mit seinem Cliff House…

Cliff House in San Francisco.

… und von dort aus in den Golden Gate Park. Der ist, leichter Hügel zum Trotz, geradezu prädestiniert zum Radfahren – nicht nur, weil die Parksituation für PKW dort häufig katastrophal ist.

Unterwegs im Golden Gate Park.

Obwohl wir gerade einmal Mittag haben, ist das Besucheraufkommen im Park bereits recht hoch, die meisten Gärten blühen schön und auch die vor einiger Zeit neu gestaltete Umgebung der California Academy of Science kann sich sehen lassen.

Kunstausstellung am Union Square.

Zurück und ins Zentrum

Weil das Radfahren wirklich Spaß macht und mir das Rad ohnehin den ganzen Tag zur Verfügung stehen, überlege ich kurz, nun bis zum Union Square und dann die Küste entlang zurückzufahren.

Aber nach gut vier Stunden auf dem Rad und mit den Straßen sowie ihren Steigungen auf dem Weg dorthin im Hinterkopf entscheide ich mich für die bequemere Variante, geben die Bikes wieder ab und steigen in den Bus, um das Stadtzentrum anzusteuern.

Das Ferry Building in San Francisco, 2019.

Dort hat sich seit meinem letzten Besuch vor zwei Jahren nicht allzu viel getan, aber eine Runde über den Union Square bis zum Ferry Building und dann über die Market Street zurück geht ja immer.

Auch in Chinatown schaue ich kurz vorbei und mir scheint, es ginge dort vor allem im nördlichen Abschnitt der Stockton Street wieder etwas authentischer zu – mag aber auch täuschen.

Chinatown in San Francisco.

Eine kleine Überraschung erlebe ich schließlich noch im Westfield Shopping Center, in dem ich mir einen kleinen Snack gönnen wollen. Schon beim Eintreten kommt mir das Gebäude seltsam dunkel vor… und der Food Court unten ist beinahe leer, von den geschätzt zwanzig Imbissen haben lediglich vier oder fünf geöffnet.

Der Grund: Ein Stromausfall. Auch zahlreiche Geschäfte haben deshalb geschlossen, wie ich später feststelle.

Stromausfall im Westfield Shopping Center.

Angesichts der geringen Auswahl entscheide ich mich für ein Philly / Jalapeno Cheesesteak, das aber gar nicht mal so schlecht schmeckt. Ich sehe mangels Licht ja eh nicht so genau, was ich da eigentlich esse.

Philly Steak Sandwich.

Was genau ich morgen mache, liegt ebenso im Dunkeln: Bei guter Sicht ist die Fahrt zu und eine Wanderung auf Angel Island geplant, bei schlechtem Wetter wird es erstmal wohl auf ein Museum hinauslaufen.

Gefahrene (Rad-) Strecke: ca. 35 km
Gelaufene Strecke: ca. 10.000 Schritte, 8 km
Hotel: Cow Hollow Inn, San Francisco

Und jetzt?
Entweder zurück zum Reisebericht im Überblick oder gleich weiterlesen mit Tag 3!

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