20. Tag: West Thumb Geysir Basin & Old Faithful

Die wohl unumstrittenen Highlights von Yellowstone

Wer an Yellowstone denkt, der denkt wahrscheinlich an Old Faithful, den bekanntesten, wenn auch nicht größten Geysir des Parks. (Andere schießen Wasser und Qualm noch weitaus höher in die Luft, brechen allerdings weniger regelmäßig und berechenbar aus, weshalb man für sie viel Zeit und Geduld benötigen würde.)

Weil Yellowstone so ein unglaublich weitläufiger National Park ist, komme ich jedoch erst heute, am dritten Tag meines Besuchs, dazu, mich tatsächlich Old Faithful zu widmen.

Ausblick auf den Yellowstone Lake.

West Thumb Geysir Basin

Nach einer weiteren kühlen – ach, was: eisigen – Nacht auf dem Canyon Campground breche ich gen Süden auf, wo ich nach etwa einer halben Stunde erstmals auf den riesigen Yellowstone Lake treffe, der nur auf den ersten Blick recht gewöhnlich aussieht. Weitere zwanzig Fahrminuten später jedoch erblickt man den ersten Qualm in der Ferne am Ufer, den man für die Rauchschwaden eines Waldbrandes halten könnte, wenn man es nicht besser wüsste, …

Rauchschwaden am West Thumb.

… denn kurz darauf steht man im West Thumb Geysir Basin, einer der unzähligen geothermisch aktiven Regionen des Parks – und der für mich schönsten.

Blaues "Loch" am West Thumb.

Auf dem etwa 1,2 km langen Rundgang über die Boardwalks sieht man so viel verschiedenartige geothermische Aktivität wie in kaum einer Ecke: Mal qualmt es aus unscheinbaren, kleinen Löchern im Erdboden, mal brodelt das Wasser oder der Matsch, mal schimmern die Teiche einladend blau wie ein Swimming Pool.

Boardwalk im West Thumb Geysir Basin.

Und: Anders als beispielsweise in Lassen Volcanic riecht es hier nur selten streng nach Schwefel, bis auf wenige Ausnahmen werden die Sinne ausschließlich positiv berührt.

Zudem ist es hier bei meiner Ankunft noch angenehm leer; die mir mittlerweile nur allzu bekannten gelben Busse tauchen erst kurz vor meiner Weiterfahrt auf.

Old Faithful bricht aus.

Old Faithful

Diese Weiterfahrt führt mich dann endlich zu Old Faithful. Und wenn ich mich zuvor über die zu kleinen Parkplätze beklagt habe, hier kann ich es nicht: Im Parkzentrum sehen sie so aus als könnten sie die Besucher mehrerer Fußballstadien packen. Problemlos.

Recht leer sind sie noch dazu, also stelle ich endlich mal ganz entspannt mein Wohnmobil ab und begebe mich im großen „Village“ (wieder gibt es Lodges, General Stores, Tankstellen und, und, und) als erstes zum Visitor Center, um herauszufinden, wann das olle Ding denn heute ausbrechen soll.

(Der National Park Service gibt in der Parkzeitung den wertvollen Hinweis, man solle doch bitte Twitter checken, um die prognostizierten Zeiten herauszufinden, was witzig ist, hat man in Yellowstone – wie in den meisten National Parks – doch kaum Handyempfang, geschweige denn Internet.)

Touristen bei Old Faithful.

Ich stelle mich vorab bereits auf das „Schlimmste“ ein und rechne mit einer Wartezeit von knapp zwei Stunden, tatsächlich jedoch hätte ich zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können: In zehn Minuten (plus/minus zehn Minuten) soll die nächste Eruption erfolgen.

Also schnell die hundert Meter rüber zum Geysir, um den herum sich auch schon ein paar hundert Besucher ringen. Angesichts der zur Verfügung stehenden Parkplätze jedoch wohl nur ein Bruchteil dessen, was sich zu Hochzeiten versammelt. Mehr als genügend Leute sind das für mich dennoch.

Ich stelle mich brav an den Rand und warte… und warte… und dann bricht er mit lediglich vier, fünf Minuten „Verspätung“ tatsächlich aus. Das optimale Foto gelingt mir zwar nicht, dafür ist der Himmel doch zu wolkenverhangen, aber einen ganz guten Eindruck kann ich gewinnen.

Fazit: Schon nett. Aber rechtfertigt das die Parkplätze für zehntausende Besucher? Ich verbuche das Ganze mal als „diskussionswürdig“.

Grand Prismatic Spring in Yellowstone.

Grand Prismatic Spring

Mein drittes Ziel am heutigen Tag ist der Grand Prismatic Spring, eines der beliebtesten Fotomotive – und eines, für das man sich auf dem Parkplatz natürlich wieder einmal anstellen muss.

Grand Prismatic Spring in Yellowstone.

Heute bringe ich aber ausreichend Geduld mit und erstreite mir nach vielleicht zwanzig Minuten tatsächlich einen Platz. Über eine Brücke und einen weiteren Boardwalk geht es hinauf zu einigen weiteren sehenswerten Ausblicken.

Boardwalk am Spring entlang.

Wie groß das Besucheraufkommen wirklich ist, sieht man übrigens auch daran, dass die Boardwalks eine Einbahnstraße sind, damit bei zu großem Andrang auch ja niemand auf den instabilen, kochenden Boden fällt…

Die Nacht verbringe ich dann nicht mehr im Canyon, sondern im nahe gelegenen Grant Village. Morgen geht es, einen Tag früher als geplant, zurück in den Süden Utahs, wo unter anderem noch das Capitol Reef und Arches auf dem Programm stehen.

Gefahrene Strecke: ca. 100 km
Gelaufene Strecke: ca. 7.200 Schritte, 5,5 km
Campingplatz: Grant Village Campground

Und jetzt?
Entweder zurück zum Reisebericht im Überblick oder gleich weiterlesen mit Tag 21!

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