23.-24. Tag: Mit dem Jeep durchs Cathedral Valley

Und ein kleiner Rundgang durch Cohab Canyon im Capitol Reef...

Nachdem ich das Cathedral Valley vor zwei Jahren schon einmal mit einem SUV versucht und aufgrund der schwierigen Straße höchstens die Hälfte der Strecke geschafft hatte, will ich es in diesem Jahr erneut wagen – mit einem in Torrey gemieteten Jeep.

Zunächst aber geht es von Escalante aus in das „Zentrum“ des Capitol Reef National Parks, das ich dank der kurzen Anfahrt über Highway 12 (zwei, drei Stopps an den Viewpoints müssen unterwegs natürlich sein) einmal mehr bereits am frühen Vormittag erreiche.

Viewpoint an der Route 12 in Utah.

Im Vergleich zu Zion, Bryce Canyon und Yellowstone zuletzt hält sich das Besucheraufkommen hier doch noch einigermaßen in Grenzen, obwohl es insgesamt auch in diesem abgelegenen Park deutlich voller wirkt als 2011, 2015 und sogar 2017.

Cohab Canyon Trail.

Ich entscheide mich für den Cohab Canyon Trail, der von dem schönen, grünen Fruita aus gleich neben dem netten Campingplatz den Berg hinaufführt. Die ersten paar hunter Meter täuschen allerdings über die tatsächlichen Anstrengungen hinweg, denn hat man die paar Serpentinen erst einmal bewältigt, gestaltet sich der restliche Wanderweg angenehm und vor allem: Ruhig.

Beehives in Cohab Canyon.

Oben zwischen den Felswänden mit ihren faszinierenden Beehives und schaurigen Spalten sind andere Menschen weder zu sehen noch zu hören. Auch die ein, zwei Ausblicke am Ende des Trails sind den Aufstieg durchaus wert, zumal man von dort oben sogar zur imposanten Hickman Bridge weiterwandern könnte.

Viewpoint vom Cohab Canyon Trail.

Sturm über Torrey

Die sparen ich mir jedoch und kehre, von Mücken verfolgt, zum Wohnmobil zurück. Da ich noch den ein oder anderen Reisebericht zu schreiben habe und auch der Himmel nicht den besten Eindruck hinterlässt, fahre ich am frühen Nachmittag zu meinem Campingplatz für die nächsten zwei Nächte, dem Thousand Lakes RV Park in Torrey, bei dem ich auch den Jeep gemietet habe.

Genau genommen war das sogar der einzige Grund, warum ich den Campground gewählt habe, denn ich hätte auch einen Stellplatz in Fruita ergattern können, doch das war keine schlechte Entscheidung; Thousand Lakes ist der mit Abstand gepflegteste private RV Park meiner Reise.

Thousand Lakes RV Park.

Wie so oft im Capitol Reef pustet der Wind kräftig, als ich das Wohnmobil abstelle und anschließe – und die freundliche Dame am Check-In bestätigt: Ein Sturm zieht herein. Ich konsultiere diverse Wetterberichte online, bis 21 Uhr werden Windgeschwindigkeiten von 30 km/h mit Böen von bis zu 50 km/h erwartet.

Tatsächlich bekomme ich einen Sturm, wie ich ihn zuvor noch nie erlebt habe.

Dass das Wohnmobil ordentlich durchgeschaukelt wird, klar, aber bei einem kurzen Blick vor die Tür fliege ich fast weg. Und das nicht bis 21 Uhr, sondern bis weit nach Mitternacht. Die Online-Wetterdienste wissen also auch nicht mehr als die schlauen Menschen vom Frühstücksfernsehen sonst. Oder ob die ihren Wetterbericht genau daher haben…?

Jeepmiete in Torrey.

Mit dem Jeep durchs Cathedral Valley

Irgendwann fallen mir dann doch die Augen zu, mein Wohnmobil steht am nächsten Morgen noch und der Großteil des Campingplatzes ebenfalls. Schön ist das Wetter noch immer nicht, aber gut genug, um die geplante Rundfahrt in Angriff zu nehmen.

Cathedral Valley bei Torrey.

Um 8 Uhr übernehme ich den Jeep – knapp 200$ kostet der Spaß inklusive Versicherungen – und steuern umgehend die etwa 45 Minuten entfernte „Einfahrt“ zum Cathedral Valley an. Wobei Einfahrt übertrieben ist, geht es hier doch zunächst durch einen kleinen Fluss und dann noch locker ein, zwei Stunden eine Dirt Road entlang, bis man das Tal tatsächlich erreicht.

Straße im Cathedral Valley.

Der Wasser im Fluss steht mit etwa 35 cm derzeit zum Glück nicht allzu hoch und auch die Straße durch den wohl verstecktesten Bereich des Capitol Reefs ist im Wesentlichen in einem akzeptablen Zustand. Hier und da holpert es zwar arg, aber nichts, wofür man einen Allradantrieb benötigen würde.

Road durchs Cathedral Valley.

Allein für die „High Clearance“ des Jeeps, also den großen Bodenabstand, bin ich wirklich dankbar, denn einige voluminöse Steine und die steilen Kanten beim Durchfahren ausgetrockneter Flussbetten könnten normalen PKW doch den Unterboden zerreißen.

Ausblick im Cathedral Valley.

Und, um nicht mit der Tradition dieses Reiseberichts zu brechen und es spannend zu machen: Der Aufwand lohnt sich. Ob nun der Ausblick aufs South Desert, die Viewpoints im Upper und Lower Cathedral Valley oder der Temple of the Sun, Glass Mountain und der Temple of the Moon, alles versteht mich zu beeindrucken.

Temple of the Sun and Moon.

Vor allem aber begeistert mich nach den doch so überlaufenen National Parks der letzten knapp zwei Wochen die völlige Ruhe und Abgeschiedenheit im Cathedral Valley: Auf der knapp sechsstündigen Rundfahrt durchs Tal begegnet mir auf einer Strecke von etwa 100 km sage und schreibe ein Auto. In anderen Parks sind es hundert Autos auf 1 km.

Viewpoint im Cathedral Valley.

Auch wenn ich für meinen Geschmack mal wieder zu wenig gelaufen bin, fühle ich mich am Ende der Rundfahrt doch geschafft. Also schnell den Jeep auftanken, waschen und dann kurz bei Slacker’s stoppen, einem kleinen und mal wieder erstaunlich vollen Imbiss „im Herzen“ von Torrey. Tolle Burger mit sehr guten Sweet Potato Fries!

Felsen im Cathedral Valley.

(Gestern, ganz vergessen, war ich übrigens im Castlerock Coffee, in dem ich ein Philly Cheese Steak Sandwich sowie ein Avocado Tomato Turkey Sandwich gegessen habe, ebenfalls top!)

So gestärkt… unternehme ich trotzdem nichts mehr, sondern erhole mich von der unruhigen letzten Nacht, bevor es morgen weiter nach Moab geht.

Noch ein Panorama vom Cathedral Valley.

Gefahrene Strecke: ca. 200 km
Gelaufene Strecke: ca. 11.000 / 12.000 Schritte, 8,4 / 9,0 km
Campingplatz: Thousand Lakes RV Park, Torrey

Und jetzt?
Entweder zurück zum Reisebericht im Überblick oder gleich weiterlesen mit Tag 25!

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