Seattle: Sehenswürdigkeiten & Reiseführer

Seattle liegt ein wenig abseits der üblichen Routen, die viele Ersturlauber in den USA ins Visier nehmen, doch bei einer zweiten oder dritten Reise in die Vereinigten Staaten ist der Besuch auf jeden Fall eine Erwägung wert, lässt er sich doch bestens mit einer Fahrt entlang der Pazifikküste von Vancouver über den Olympic National Park und Oregon bis nach San Francisco, Los Angeles oder San Diego verbinden.

Hier finden Sie die wichtigsten Infos über Seattle, seine Geschichte, die Orientierung in der Stadt und die Infrastruktur!

Seattle Foto

Geschichte

Seattle, in Washington gelegen, ist zwar die größte und bekannteste Stadt seines Bundesstaats, jedoch nicht die Hauptstadt; diesen Status hält das nur wenig besuchenswerte Olympia inne. Mit etwa 600.000 Einwohnern in der Stadt selbst sowie gut 3,5 Millionen Einwohnern inklusive Umgebung zählt Seattle darüber hinaus zu den noch überschaubaren Städten der USA, was zweifellos einen Teil seines Charmes ausmacht.

Natürlich setzt sich auch hier das Stadtzentrum überwiegend aus (architektonisch übrigens mitunter sehr interessanten) Wolkenkratzern zusammen, zugleich erwartet den Besucher außerhalb von Downtown ein mitunter leicht europäisch anmutendes Flair, auch wenn es bei Weitem nicht so stark ausgeprägt ist wie in Portland, Oregon.

Als größte Stadt im pazifischen Nordwesten hat sich Seattle über die Jahre hinweg naturgemäß in erster Linie als Handelsmetropole einen Namen gemacht; neben seinem großen Hafen ist das auch der Verbindung in das nur wenige hundert Kilometer entfernte Kanada zu verdanken. Zugleich beherbergt Seattle mit dem Flugzeugbauer Boeing und dem Software-Riesen Microsoft zwei Großkonzerne, die seit Jahrzehnten einen nicht zu unterschätzenden Teil der durchaus starken Wirtschaft dieser Region verkörpern.

Seattle zählt, auch aufgrund seiner Lage, zu den jüngeren Städten der USA, als ihr Gründungsjahr wird offiziell 1869 angegeben, auch wenn es schon zuvor die ein oder andere kleine Siedlung in diesem Gebiet gab. Als tatsächlichen Geburtstag des heutigen Seattles mag man jedoch sogar erst das Jahr 1889 ansehen, in dem ein großer Teil der Stadt einem Feuer zum Opfer fiel und alte Ruinen im Anschluss daran schlichtweg überbaut wurden.

In den folgenden Jahren wuchs Seattle in erster Linie aufgrund der in der Region typischen Holzindustrie, aber auch der Gold Rush und die naheliegende Versorgung der Minenarbeiter in Alaska spielte eine Rolle. Bereits im Jahre 1920 war die Einwohnerzahl so auf über 300.000 hochgeschnellt.

Nach einigen schwereren Jahren mit Weltkriegen und Großer Depression siedelten sich auch in Folge der Weltausstellung von 1962 verstärkt große Konzerne wie heute Amazon, T-Mobile und Nintendo of America in Seattle und seiner Umgebung an.

Seattle Pier Foto

Besuchsinfos für Seattle

Ein Besuch von Seattle bietet sich, wie bereits erwähnt, in erster Linie als Zwischenstopp einer Fahrt von Vancouver bis Kalifornien oder in Verbindung mit einem Besuch des Olympic National Park an. Seattle ist zwar eine schöne Stadt, für sich allein genommen aber nicht Grund genug, einen Abstecher in den hohen Norden zu wagen; das schönere Vancouver und der ebenfalls großartige Olympic National Park nebenan sollten unbedingt ebenfalls auf dem Programm stehen, auch Mount Rainier oder Mount St. Helens können einen Option darstellen.

Direktflüge von Deutschland nach Seattle gibt es zwar, sie bieten sich aber naturgemäß nur bedingt an, wenn die Stadt als Zwischenstopp angesteuert wird. Vancouver ist der bessere Flughafen für Ankunft oder Abflug. Der Zeitumfang für Seattle selbst sollte daher nicht zu großzügig kalkuliert werden: Zwei volle Tage reichen unter normalen Umständen absolut aus, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu sehen.

Seattle Parks Foto

Erwartungshaltung

Eine zu hohe Erwartungshaltung sollten Sie auch aus diesem Grund nicht unbedingt nach Seattle mitbringen. Die einzige wirklich große Sehenswürdigkeit der Stadt ist die Space Needle, alles andere fällt eher in die Kategorie “nett, aber kein Muss”. In Seattle sind es mehr die Atmosphäre und die schöne Meerlage mit tollen Ausblicken auf Wälder und Berge der Umgebung, welche die Stadt für sich verbuchen kann.

Ein kleines Problem kann darüber hinaus das Wetter darstellen: Seattle gilt als sehr regnerische Stadt, was zwar in der Menge nur bedingt der Wahrheit entspricht, doch immer mal wieder leichte Niederschläge und auch morgendlicher Nebel stellen aufgrund der Lage keine Seltenheit dar. Im Gegenzug halten sich die Temperaturen jedoch überwiegend in einem angenehmen Bereich; im Winter wird es trotz der recht nördlichen Lage nie richtig kalt, im Sommer warm, aber selten unangenehm heiß – ein gutes Mittelmaß also.

Ebenfalls ein wenig störend kann der Verkehr sein: Das fast schon obligatorische Riesenrad am Pier etwa liegt in unmittelbarer Nähe großer Schnellstraßen auf mehreren Ebenen, so dass statt Meeresrauschen fast nur Motorenlärm zu hören ist. In anderen Ecken ist es natürlich ruhiger, die angenehme Stille, die Vancouver in vielen Bereichen so lebenswert macht, ist in Seattle aber vergleichsweise selten zu vernehmen.

Seattle Fähre Foto

Infrastruktur

Auf der anderen Seite hat der Verkehr auch seine guten Seiten, verfügt Seattle im Vergleich zu anderen Städten doch über eine sehr ordentliche Infrastruktur, auch in Hinblick auf den öffentlichen Nahverkehr: Mit einigermaßen häufig verkehrenden Bussen lässt sich das gesamte Stadtgebiet recht schnell erreichen, im Stadtzentrum verkehrt zudem eine inzwischen leider kostenpflichtige Monorail, mit der man aber zumindest einmal gefahren sein sollte.

Notwendig ist der öffentliche Nahverkehr für die meisten Touristen allerdings nur bedingt, da sich die Sehenswürdigkeiten von Seattle im Wesentlichen auf das Stadtzentrum konzentrieren und somit problemlos zu Fuß zu erreichen sind. Lediglich für den ein oder anderen Ausblick oder Grünanlagen muss man entweder in Bus oder Auto steigen.

Seattles Flughafen ist ebenfalls gut erreichbar, wie zuvor erwähnt, für die meisten deutschen Touristen aber vermutlich nicht von Belang. Wesentlich wichtiger ist die Fähre, die fast stündlich in gut 60 Minuten von Seattle nach Bremerton verkehrt und den schnellsten Weg zum Olympic National Park darstellt.

Seattle Center Foto

Sehenswürdigkeiten in Seattle

Seattle Center: Das Seattle Center wurde für die Weltausstellung 1962 erbaut, wird aber auch heute noch aktiv genutzt und stellt neben Downtown in gewisser Weise das ruhigere Zentrum der Stadt dar. Hier finden Sie unter anderem die Space Needle, das Wahrzeichen Seattles, das Chihuly Garden and Glass Museum, das Pacific Science Center, die Experience Music Project/Science Fiction Museum and Hall of Fame sowie eine Haltestelle der Monorail.

Einen Besuch wert sind in erster Linie das Chihuly Garden and Glass Museum, das mit tollen, bunten Glasgebilden schon von außen die Blicke auf sich zieht (Eintritt: 22 US-Dollar) sowie – nicht nur für Musik-Fans – das Experience Music Project, das von außen eher seltsam anmutet, innen aber mit dem Wort “Erfahrung” nicht zuviel verspricht, der Besuch (ebenfalls 22 US-Dollar) ist ein echtes Erlebnis.

Eine Fahrt auf die Space Needle lohnt sich hingegen kaum, da Sie das bemerkenswerteste Bauwerk der Stadt – eben jene Space Needle – von dort oben logischerweise nicht sehen können. Das macht den Ausblick nicht schlecht, aber es gibt in Seattle bessere und noch dazu kostenlose Ausblicke.

Pike Place Market Foto
Pike Place Market: Ein im Grunde typischer, aber wirklich verdammt großer Markt, in dem von Fisch über Fleisch bis hin zu Blumen, Klamotten und iPods nahezu alles nur Denkbare verkauft wird.

Ein bisschen Show wie das “Herumwerfen” von riesigen Fischen gehört natürlich dazu, außerdem befindet sich hier nebenan der erste Starbucks der Welt, vor dem sich häufig eine lange Schlange bildet, auch wenn der Kaffee der gleiche ist wie überall. Allein das originale Logo ist für die recht prüden USA, nun ja, bemerkenswert.

Seattle Sehenswürdigkeiten Foto

Kerry Park: Dem zweifellos besten Ausblick auf Seattle, inklusive Space Needle und sogar Mount Rainier, haben Sie vom Kerry Park aus, der davon abgesehen jedoch nicht weiter bemerkenswert wäre. Ein Besuch empfiehlt sich daher in den Abendstunden kurz vor Anbruch der Dämmerung, was zugleich natürlich der beliebteste Zeitpunkt für Besucher ist – ein gewisser Andrang ist daher in der Regel durchaus zu spüren, aber nicht mit ähnlichen Ausblicken auf Los Angeles oder San Francisco vergleichbar.

Museum of Flight: Als Heimat von Boeing darf in Seattle ein Flug-Museum natürlich nicht fehlen. Das Museum of Flight zeigt unter anderem die ersten 747 der Welt, auch eine Concorde und eine alte Air Force One finden sich hier. Der Eintrittspreis bewegt sich mit 20$ im üblichen Bereich, die Anfahrt sollte aufgrund der Lage mit dem Auto erfolgen.

Downtown: Kein Auto benötigen Sie hingegen in Seattles Downtown, das nicht die eine wirklich großartige Sehenswürdigkeit aufweist, aber viele architektonisch sehr interessante Gebäude enthält. Besonders hervorzuheben ist dabei die riesige Public Library, die von außen wie innen gleichermaßen beeindruckend ist: Allein die Anzahl deutscher Bücher übersteigt so manche deutsche Bibliothek bei Weitem! Der Eintritt ist kostenlos und lohnt sich nicht nur für Buchfans.

University of Washington Foto

University of Washington: Die University of Washington liegt ein gutes Stück östlich von Downtown und ist nur mit Bus oder Auto zu erreichen, aufgrund schöner Architektur und netter Ausblicke in Verbindung mit einem Besuch des Washington Park Arboretums jedoch bei gutem Wetter durchaus einen mehrstündigen Besuch wert. Verzichten kann man allerdings auf einen Besuch des Japanese Garden, der seinem hohen Eintrittspreis nicht gerecht wird und weit hinter vergleichbaren Gärten in Vancouver oder San Francisco zurückbleibt.