Tag #10: Tombstone & Chiricahua National Monument

Die unglaubliche Größe der USA und das damit verbundene Gefühl der Freiheit macht einen großen Teil des Reizes einer Reise durch das Land aus, bringt aber auch ein Problem mit sich: Selbst wenn man sich nur auf eine, in der Relation recht kleine Region – in diesem Fall den Südwesten – konzentriert, gibt es immer noch viele sehenswerte Ziele, die einen zu großen Umweg erfordern, um sie in die meisten Routen einzubinden.

Eines dieser Ziele ist das Chiricahua National Monument, fast ganz im Südosten Arizonas, das im Norden des Staates oder im Süden Utahs sicher zu den meistbesuchten zählen würde und vielleicht sogar bereits ein National Park wäre, aber einfach zu abgelegen ist, um die Beachtung zu erhalten, die es verdient.

Da uns unsere Route in diesem Jahr aber aus dem Süden Arizonas ins östlich gelegene New Mexico führt, liegt Chiricahua quasi auf dem Weg, und es ist ein Besuch, der sich lohnen soll.

Foto vom Chiricahua National Monument

Zunächst aber starten wir den Tag in Tucson, wo wir noch einmal das La Quinta nahe des Flughafens loben müssen: Nicht nur die Einrichtung der frisch renovierten Zimmer ist für den Preis großartig, auch die Lobby, die gleichzeitig als der Breakfast Room fungiert, gefällt.

Wer will, kann seine Bagels sogar in einem Innenhof im Grünen runterwürgen – das hat man in Motels und Hotels dieser Preisklasse doch eher selten.

Danach steuern wir, weil es mehr oder weniger auf dem Weg liegt, zunächst Tombstone an, das so eine Art lebendige Westernstadt sein will. Ähnlich wie in Calico Ghost Town ist die Authentizität des Ganzen zumindest strittig, weil die Stadt zwar tatsächlich alt ist, die meisten Gebäude aber lediglich auf alt gestylt sind.

Foto aus Tombstone Arizona

Nach einem morgendlichen Rundgang durch die Stadt können wir nur festhalten: Die Kulisse und die vielen kleinen, ausschließlich auf den Tourismus ausgelegten Läden und Bars sehen ganz nett aus, aber warum hier täglich Dutzende Reisebusse einfallen, ist schwer nachzuvollziehen.

Andererseits gilt für Calico nahezu das gleiche, vielleicht gehen wir also einfach mit falschen Ansprüchen an solche Städte heran – trotzdem würden wir Bodie oder Grafton jederzeit Calico oder Tombstone vorziehen.

Foto von Pferden in Tombstone

Jetzt aber zu den schönen Seiten des Tages, denn Tombstone war ja ohnehin lediglich als Zwischenstopp gedacht, weil es auf den Weg lag!

Gegen Mittag – und nach einer weiteren Kontrolle der Border Patrol – erreichen wir dann das Chiricahua National Monument. Und wie schon in den letzten Tagen ist das Besucheraufkommen minimal; lediglich zwei Schulbusse treffen wir am kleinen Visitor Center an. Solche Ausflüge hätten wir uns als Kinder gewünscht, aber da ging’s nur in die Baumberge…

Über einen Scenic Drive fahren wir jedenfalls durchs Parkgebiet, bis wir fast am Ende der Straße den Echo Canyon Trailhead erreichen. Schon unterwegs können sich die Ausblicke auf die Umgebung sehen lassen; interessant finden wir dabei nicht zuletzt, wir hoch wir uns befinden (fast 7000 Fuß, also über 2 km), ohne es bemerkt zu haben.

Ausblick im Chiricahua National Monument

Am Ziel angekommen, begeben wir uns auf den etwa 6 km langen Echo Canyon Trail, der auf moderat anspruchsvoller, aber äußerst schöner Strecke zunächst ins Tal hineinführt, bevor es in der zweiten Trailhälfte wieder bergauf geht.

Die Bilder sprechen vermutlich für sich, aber wenn man das Chiricahua National Monument erklären will, kann man es vielleicht so versuchen: Kennen Sie den Balanced Rock im Arches National Park? Gut! Und jetzt stellen Sie sich das etwa hundertfach vor!

Foto vom Wonderland of Rocks

Der Trail beziehungsweise das Gebiet, durch das der Wanderweg führt, wird auch als „Wonderland of Rocks“ bezeichnet, und das ist keine Untertreibung, denn die Vielfalt der rot-braunen Felsen auf den mitunter erstaunlich grünen Bergen ist atemraubend. (Überhaupt fällt uns in Arizona immer wieder auf, wie grün die Umgebung in Vergleich zu Kalifornien derzeit wirkt, was – dortige Dürre hin oder her – doch erstaunlich erscheint.)

Die Wanderung gestaltet sich recht angenehm, auch weil wir im Voraus den guten Tipp erhalten haben, sie gegen den Uhrzeigersinn anzugehen. So kraxelt man zunächst ein äußerst steiles Stück ins Tal hinab, während sich der Aufstieg später angenehm flach gestaltet – andersrum wäre es deutlich anstrengender gewesen.

Foto von The Grotto

Gut zwei Stunden benötigen wir trotzdem und wieder einmal sind wir froh, dass sich die Temperaturen im südlichen Arizona derzeit recht angenehm gestalten und nur knapp an der Marke von 30° C kratzen, sie aber nur selten übersteigen.

Nach der sehr schönen und äußerst empfehlenswerten Wanderung, die einen großartigen Einblick in den Park erlaubt, fahren wir noch bis zum Ende des Scenic Drives, das mit einem weiteren tollen Viewpoint begeistert.

Echo Canyon Trail: Eindrücke

Danach geht es zurück zum Eingang und dann in das nicht weit entfernte Willcox, wo wir die Nacht im Arizona Sunset Inn verbringen. Das billigste Motel unserer Reise, aber einmal mehr frisch renoviert und deshalb mit einwandfreien Zimmern – nur die Züge, die in der Nacht tutend durch die Stadt tuckern, stören die Ruhe ein wenig. Dennoch äußerst empfehlenswert, wenn es einen in die Ecke verschlägt!

Arizona Sunset Inn in Willcox

Gefahrene Strecke: ca. 300 km, kurvig, aber wenig los
Wetter: sonnig, auch heute wieder angenehme 25 bis 30° C
Hotel: Arizona Sunset Inn (50$), schon wieder neu renoviert!

Und jetzt? Zurück zur Übersichtsseite unseres USA Reisebericht, mehr Fotos auf Flickr angucken oder weiterlesen mit Tag 11!

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