Tag #13: Mesa Verde National Park

Wir schreiben Tag 13 und haben damit etwa die Hälfte dieser USA-Reise erreicht. Also ein guter Zeitpunkt, um beim Frühstück ein paar Fotos vom Beginn des Urlaubs anzuschauen und mit „Ach, da waren wir auch?!“ zu kommentieren.

Es ist ein schwer zu beschreibendes Gefühl: Auf der einen Seite freut man sich, schon so viel gesehen zu haben, auf der anderen Seite wünscht man sich, man könnte sich an mehr erinnern. Gut, dass wir jeden Tag diesen Reisebericht geschrieben haben – so können wir am Ende selbst noch einmal nachlesen, was wir alles gemacht haben!

Heute jedenfalls wollen wir die Bisti Badlands im Nordwesten von New Mexico ansteuern, die abseits der oft üblichen Routen liegen, doch als wir am frühen Vormittag dort ankommen, sieht es so aus:

Schnee in den Bisti Badlands

Nicht nur, dass wir auf Schnee klamottentechnisch nicht wirklich eingestellt sind, an ein Befahren der Dirt Road, die in die Badlands führt, ist bei solchen Wetterbedingungen nicht zu denken.

Wir überlegen kurz, ob wir einen Zwischenstopp einlegen und es morgen noch einmal versuchen sollen, doch angesichts der Stärke der Niederschläge, haben wir keine große Hoffnung, dass die Straße morgen für uns befahrbar sein wird. Schade, aber was soll’s – vielleicht ein anderes Mal!

Deshalb fahren wir weiter und steuern direkt unser nächstes Ziel an, den Mesa Verde National Park mit den von den Anasazi-Indianer in die Felsen gebauten Klippenhäusern, nur noch etwa eine Stunde entfernt. Auf dem Weg dorthin bleibt es zwar eiskalt, teilweise sogar unter Null, der Himmel jedoch lichtet sich, sodass unserem Besuch nichts im Weg stehen sollte.

Verschneite Straße in Colorado

Wir steuern das Visitor Center an, an dem man sich zunächst Tour-Tickets besorgen muss, denn die drei Highlights des Parks – Cliff Palace, Balcony House und Long House – kann man nur in Begleitung von Rangern besuchen. Da die Straße zum Long House noch gesperrt ist und Cliff Palace gerade ein wenig restauriert wird, entscheiden wir uns spontan fürs Balcony House.

Anschließend fahren wir in Mesa Verde hinein und steuern zunächst den Mesa Top Loop an, da uns bis zum Beginn der Tour noch gut zwei Stunden zur Verfügung stehen. Der Top Loop ist ein Scenic Drive mit mehreren Ausgrabungsstellen, die allerdings ehrlicherweise für Ruinen-erfahrene Europäer nur mäßig aufregend sind. Es sind halt ein paar Überreste von Mauern im Boden, die man bei uns zu Hause an jeder Ecke findet.

Ruinen im Mesa Verde National Park

Diese nüchterne Betrachtungsweise verpufft jedoch völlig, als wir den ersten Viewpoint erreichen und einen Blick auf eines der Klippenhäuser erhaschen können: Das sieht wirklich atemberaubend aus – und die Vorstellung, wie es erbaut und bewohnt worden sein muss, trägt ihr Übriges dazu bei, die Aussicht zu bewundern. Nur eine von vielen, denn die Höhe des Parks, die bis zu 8500 Fuß beträgt, ist prädestiniert für beeindruckende Viewpoints.

Cliff Palace Viewpoint

Anschließend finden wir uns am Treffpunkt der Balcony House Tour ein, die etwa eine Stunde Zeit in Anspruch nimmt, obwohl der tatsächliche Aufwand recht gering ist: Zunächst geht es einen kurzen, einfachen Weg hinab, danach eine etwa 10 Meter hohe Holzleiter hinauf und dann steht man schon mitten im großartigen Balcony House, das aus der Nähe mindestens so imposant aussieht wie aus der Ferne!

Leiter der Balcony House Tour

Während wir darauf warten, dass alle der etwa 50 Teilnehmer die Leiter erklommen haben, erklärt der freundliche Ranger bereits das ein oder andere Detail über die Anasazi und den Bau der Klippenhäuser, während wir fleißig Fotos schießen.

Balcony House aus der Nähe

Weiter geht es über eine kleine Leiter in einen anderen Teil des Balcony Houses und dann krabbelnd durch einen engen Tunnel und über eine dritte Leiter wieder zurück hinauf zur Straße. Eine schöne und sehr lohnenswerte Tour, auch wenn wir das Gefühl haben, etwas zu lange gestanden und uns etwas zu wenig bewegt haben.

Deshalb steuern wir nun noch das Spruce Tree House an – dank eines dort anwesenden Rangers heute geöffnet (der National Park Service fürchtet sonst, leider wohl zurecht, Vandalismus) – und beginnen dort den etwa 5 km langen Spruce Canyon Trail, der nichts mit Klippenhäusern zu tun hat, dafür aber in einen tollen und erstaunlich grünen Canyon hinabführt. Oben sah es teilweise doch deutlich karger aus, weil große Teile des Parks mehreren Waldbränden zum Opfer gefallen sind.

Spruce Canyon im Mesa Verde

Das Wetter spielt zwar nur bedingt mit, immer mal wieder kommt ein Schauer runter, aber damit können wir umgehen: Auf Regen waren wir im Gegensatz zu Schnee eingestellt! So kommen wir anderthalb Stunden später endlich ein wenig erschöpft wieder an der Straße an und begeben uns langsam auf den Rückweg.

Mesa Verde ist ein sehr schöner National Park und in Hinblick auf seine Infrastruktur (das Visitor Center, Museum, Restaurants, Café, Lodges und Straßen) extrem gut ausgebaut – vielleicht sogar besser als der Grand Canyon.

Ausblick im Mesa Verde

Weniger toll sind die Übernachtungsmöglichkeiten in der Umgebung. Wir entscheiden uns für das auf Tripadvisor sehr gut bewertete Retro Inn in Cortez, das sich jedoch als das schlechteste Motel unserer bisherigen Reise herausstellen soll.

Nein, wahrscheinlich sogar als das schlechteste Motel all unserer bisherigen USA-Reisen: Wände, Türen und Fenster geben dem Begriff „paper-thin“ eine neue Bedeutung, man hat das Gefühl, mitten auf der Straße zu sitzen und kann kaum den Fernseher verstehen, so laut sind die Autos. Aber auch hier gilt: Was soll’s, Augen zu und durch!

Gefahrene Strecke: ca. 400 km, nach dem Schnee ganz angenehm
Wetter: morgens eisig und Schnee, später etwas Regen, dann gut
Hotel: Retro Inn (75$) in Cortez, laut, kalt, schlichtweg furchtbar

Und jetzt? Zurück zur Übersichtsseite unseres USA Reisebericht, mehr Fotos auf Flickr angucken oder weiterlesen mit Tag 14!

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