Tag #16: Arches National Park

Arches ist für viele USA-Reisende neben dem Grand Canyon der schönste National Park der USA, meine Erinnerungen an ihn hingegen sind durchwachsen: Von meinem ersten Besuch vor knapp zwanzig Jahren weiß ich nur noch wenig, während ich mich von meinem letzten Besuch vor ein paar Jahren vor allem an überfüllte Parkplätze und furchtbares Wetter erinnere.

Für Letzteres kann Arches natürlich nichts, sofern man nicht annimmt, dass God himself das Land erschaffen hat, denn dann müsste er ja auch irgendwie für das Wetter verantwortlich sein?

Eine weit hergeholte Annahme, zugegeben, aber diese Meinung dürfte ich in Utah wohl recht exklusiv vertreten. Anyway. Hier erstmal ein Foto!

Foto aus dem Arches National Park

Nach einer angenehmen Nacht im Inca Inn braucht der Wecker gar nicht um sechs Uhr zu klingeln, damit wir aufwachen, denn inzwischen haben wir uns längst an den 6/22-Rhythmus gewöhnt, fallen jeden Abend etwa um die gleiche Zeit ins Bett und wachen jeden Morgen zur etwa gleichen Zeit auf.

Manchmal bedeutet das, dass wir eigentlich einen Tick zu früh unterwegs sind, heute jedoch trifft sich das bestens, denn wir wollen den Besuchermassen zumindest ein wenig aus dem Weg gehen, was am besten am frühen Morgen möglich ist, bevor die Touristenbusse in den Park einfallen.

Also nur schnell einen Bagel runterwürgen, kurz unter die Dusche, Sachen zusammenpacken, an der Rezeption den Schlüssel abgeben, dabei noch einen Kaffee mitgehen lassen und dann ab ins Auto!

Bis zum Parkeingang ist es von Moab nicht weit, wir erreichen ihn gegen 7:15 Uhr, die Entrance Station steht noch leer und doch sind wir natürlich bei Weitem nicht die Einzigen, die es zu so früher Stunde zu den Bögen verschlägt. Einige kommen uns sogar bereits entgegen; manche haben vielleicht auf dem Campingplatz im Park übernachtet, andere den Sonnenaufgang hier bestaunt.

Devils Garden Trail Schild

Wir haben uns für heute den Devils Garden vorgenommen, das Gebiet ganz im Norden des National Parks, in dem sich die meisten und unterschiedlichsten Steinbögen befinden.

Verschiedene Optionen stehen den Besuchern hier zur Auswahl: Der recht kurze Main Trail führt zunächst in erster Linie zu dem unglaublich langen Landscape Arch, der neben dem Delicate Arch der berühmteste Bögen sein dürfte.

Danach hat man die Wahl zwischen einem Side Trail und einem Primitive Trail, die zusammengenommen einen Loop, also einen Rundweg, von etwa 12 km Länge bilden – und genau den steuern wir an, nachdem die übliche Routine absolviert ist: Noch einmal eine dieser wundervollen Vault Toilets besuchen, danach mit klebriger Sonnencreme einschmieren und drei Liter Wasser sowie Proteinriegel in den Rucksack packen.

(Schön dabei: Man spürt den Fortschritt, den man auf dem Trail macht, am eigenen Rücken, denn je weiter man kommt, desto mehr Wasser trinkt man und desto leichter wird der Rucksack.)

Jetzt aber los! Der gut befestigte Main Trail führt uns zunächst über kurze Abzweigungen zum Tunnel Arch und Pine Tree Arch. Beide nicht ganz so schlank wie die elegantesten Arches und zum Teil im Schatten, aber sehenswert:

Tunnel Arch

Pine Tree Arch

Und schon als wir den angesprochenen und wirklich atemraubenden Landscape Arch erreichen, gewinnt die Sonne den Kampf gegen die Wolken und die hohen Felsen, die Temperaturen erreichen angenehmes Niveau – und wir sind erleichtert, nicht fünf Minuten später losgefahren zu sein, denn schon auf dem Rückweg sieht es auf dem Main Trail so aus:

Foto der Besucher auf dem Main Trail in Arches

Falls man es wegen Gegenlicht nicht erkennt: Das ist die Ladung von mindestens zwei Schulbussen!

Also schnell weiter auf den Primitive Trail, den wir aufgrund von Licht und Wegführung heute gegen den Uhrzeigersinn angehen. Eine gute Entscheidung, wir sich später noch herausstellen soll.

Der Primitive Trail ist tatsächlich „primitive“: Anfangs stapfen wir durch feinen, tiefen Sand, bevor der interessante Teil des Wegs beginnt und wir einige Felsen hinaufklettern und hinunterrutschen müssen, zum Teil auf allen Vieren und vereinzelt auf der Suche, wo der Weg überhaupt weitergeht. Ein tolles Erlebnis und fast so schön wie die Steinbögen an sich.

Primitive Trail im Arches National Park

Gegen Ende des Primitive Trails erreichen wir über eine Abzweigung den Private Arch, der sich ein wenig versteckt:

Private Arch Foto

Am Double O Arch trifft der Primitive Trail dann auf den Side Trail (manchmal auch als Primitive Trail bezeichnet, aber das würde jetzt nur verwirren), wo eine Abzweigung zu Dark Angel führt, einer Felsnadel. Der Double O Arch ist dann aber doch deutlich sehenswerter:

Double O Arch Foto

Etwas mehr als zwei Stunden sind bereits vergangen, seit wir losgegangen sind, und bisher waren wir nahezu völlig alleine auf dem Trail, doch auf dem Side Trail und nun, zu etwas späterer Stunde, ändert sich das Bild; mehr und mehr Wanderer begegnen uns.

Während beim Primitive Trail die Empfehlung gilt, ihn nicht bei Nässe und Regen anzugehen, heißt es beim Side Trail, man solle ihn nicht mit „fear of heights“ wagen, was allerdings ein wenig übertrieben wirkt: Zwar muss man auf dem Weg zwei, drei recht schmale Felsen überqueren, doch die Höhe hält sich zumindest auf einer Seite immer in Grenzen – andere National Parks stellen Wanderer vor größere Herausforderungen.

Devils Garden Trail in Arches

Gegen Ende des Side Trails erreichen wir jedenfalls, noch enorm energiegeladen, die letzten beiden Arches von Devils Garden, Navajo Arch und Partition Arch, dann führt uns der Weg zurück auf den Main Trail und ein zweites Mal zum Landscape Arch, der jetzt, etwas mehr als vier Stunden später, noch einmal in einem anderen Licht erscheint und somit ein etwas anderes Bild abgibt. Toll!

Foto vom Landscape Arch

Zurück am mittlerweile komplett überfüllten Parkplatz folgt die übliche Routine – leere Plastikflaschen und Proteinriegelverpackungen in den Müll werfen, den in der Sonnencreme festgeklebten Sand halbherzig abschütteln, noch einmal eine dieser wundervollen Vault Toilets besuchen – und dann ins Auto. (Dessen Fußmatten inzwischen übrigens einen eigenen National Park angesammelt haben.)

Unser nächstes Ziel ist Torrey, etwa 300 km entfernt, die jedoch schneller vergehen als die 150 km am gestrigen Nachmittag, obwohl der Highway 24 bis kurz vor dem Capitol Reef doch recht hässlich daherkommt.

Weil es so zügig voranging, legen wir noch einen letzten Stopp für heute bei der Hickman Bridge ein, eine weitere natürliche Brücke, die auf einem etwa 3 km langen Rundweg zu erreichen ist. Der starke Wind und die überraschend stechende Sonne sind hier fast anstrengender als die wieder einmal zu überwindenden Höhenmeter, doch der Trail lohnt sich.

Foto der Hickman Bridge

Wenn auch, ehrlicherweise, mehr für die Ausblicke auf die Umgebung, auf Pflanzen und Felsen denn auf die ein wenig klobig wirkende Brücke an sich. Aber sie hat es nach den wunderbaren Arches und dem großartigen Natural Bridges National Monument auch nicht ganz leicht.

Anschließend fahren wir noch gut 10 Kilometer nach Torrey – zwei Tanken, zehn Motels -, wo wir im Rim Rock Inn übernachten. Wie wohl alle Motels in dem Dorf nicht herausragend, aber recht ordentlich und ruhig.

Was will man nach so einem Tag mehr? Todmüde ins Bett fallen, was sonst!

Gefahrene Strecke: ca. 300 km, außerhalb von Arches sehr zügig
Wetter: morgens noch recht kühl, dann aber schnell 25 bis 30° C
Hotel: Rim Rock Inn (93$) in Torrey, gutes Zimmer, kleine Schwächen

Und jetzt? Zurück zur Übersichtsseite unseres USA Reisebericht, mehr Fotos auf Flickr angucken oder weiterlesen mit Tag 17!

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