Tag #23: Back to LA

Ich glaube, es muss in Mesa Verde gewesen sein, als ich schrieb, die Erinnerung spiele einem auf einer langen USA-Reise den ein oder anderen Streich. Dass man nach zwei Wochen schon ein Gefühl von „Ach, da waren wir auch?“ empfinden würde.

Nun, da sich unser Urlaub langsam seinem Ende entgegen neigt, würde ich das Ganze aber wahrscheinlich etwas anders formulieren: Wenn man eine Weile durch die USA reist, entwickelt man ein ganz neues, ein fremdes Gefühl für die
Zeit.

Wer kann in seinem Alltag schon sagen, was er heute vor exakt zwei oder drei Wochen gemacht hat? Man kann es meist grob einordnen, wenn man über einen einigermaßen regelmäßigen Tagesablauf, eine Routine, verfügt, aber kann man sich wirklich erinnern? Oder ist es nicht vielmehr ein: „Heute vor drei Wochen war Montag… Da muss ich wohl arbeiten gewesen sein und dann…“?

Von wirklichen Erinnerungen kann man in der Regel nur dann sprechen, wenn etwas Außergewöhnliches passiert ist. Etwas, das diesen Montag anders von all den anderen Montagen der letzten Wochen macht.

Mesa Arch Foto

Doch auf einer Rundreise durch den Südwesten sieht und erlebt man jeden Tag etwas Außergewöhnliches. Es ist nie einfach Montag, sondern es gibt nur „den Montag, an dem wir im Organ Pipe Cactus National Monument waren“ oder „den Montag, an dem wir nach Utah gefahren sind“.

Man mag das ein oder andere vergessen, eine gewisse Aufnahmefähigkeit mit zunehmender Urlaubsdauer verlieren, vieles mag einem in der Erinnerung viel weiter entfernt vorkommen als es tatsächlich ist – doch zugleich kann man Tag für Tag im Detail noch einmal vor dem inneren Auge durchgehen lassen, die Erlebnisse viel klarer zurückspulen als es im Alltag, aber auch in jedem „gewöhnlichen“ Urlaub möglich wäre.

Ich schweife mal wieder ein wenig von einem wirklichen Reisebericht ab, was aber daran liegt, dass heute schlichtweg nicht viel passiert ist – und ich mich an diesen Tag wohl mit am wenigsten erinnern werde.

Bellagio 2015

Wir fahren heute von Las Vegas nach Los Angeles, wobei wir eigentlich einen Zwischenstopp in der Mojave-Wüste und bei Joshua Tree einlegen wollten, aber nachdem wir erst auf unseren letzten beiden USA-Reisen Joshua Tree besucht hatten, waren wir des National Parks jetzt doch ein wenig müde und haben deshalb beschlossen, direkt nach LA (bzw. Anaheim) durchzufahren. Und auch Mojave fällt damit raus, denn der Umweg hätte im Rahmen dieser erweiterten Route doch etwas zuviel Zeit in Anspruch genommen.

Erst einmal verabschieden wir uns am Morgen jedoch von Las Vegas, mit einer weiteren, kleinen Runden durch ein paar Hotels. Neben dem Caesars Palace, wie bereits erwähnt unser Lieblingshotel, besuchen wir auch noch einmal das Bellagio, das mit seinem Innengarten schon deutlich weiter ist als vor zwei Tagen: Man kann nun schon einen recht großen Teil der neuen Kulisse sehen, die mit ihren Fischen, Quallen und Seepferdchen bereits einen schönen, sommerlichen Eindruck hinterlässt.

Bellagio 2015 Sommer Conservatory

Nach einem vergleichsweise kleinen Frühstück – wir sind noch recht satt von den Büffets der Vortage – vertreiben wir uns noch ein zweites und letztes Mal die Zeit mit ein wenig Shopping, bevor es ins Auto und auf die letzte große Fahrt dieser Reise nach Los Angeles geht.

Die Interstate 15 ist anfangs eigentlich sehr gut befahrbar, erlaubt seltsamerweise jedoch nur Tempo 70, was einem doch immer sehr langsam vorkommt, selbst wenn man die Toleranz der Sheriffs und Highway Patrols ein klein wenig austestet. Die sieht man derzeit vor allem in Kalifornien, Arizona und Nevada äußerst oft am Straßenrand stehen und Autos aus dem Verkehr ziehen, lediglich Utah war in der Hinsicht unauffällig.

(Und damit keine Missverständnisse aufkommen: Auch wenn wir manchmal etwas schneller fahren als erlaubt, werden wir immer noch von etwa drei Viertel der Einheimischen überholt.)

Mojave Wüste

Sobald man sich Los Angeles auf etwa 50 Kilometer nähert, ist es dann aber aufgrund des dichten Verkehrs ohnehin nicht mehr möglich, zu speeden. Es ist, als gäbe es eine unsichtbare Grenze um die Stadt herum, ab der jederzeit und ohne erkennbaren Grund nur noch Stop & Go gefahren wird. Im besten Fall.

LA Traffic

So quälen wir mit im Schnitt etwa 20 mph über die Interstate in Richtung Anaheim, wo wir morgen Knott’s Berry Farm besuchen werden, und halten unterwegs nur noch einmal bei einem Whole Foods, der großen Filiale einer populären Supermarktkette, die das krasse Gegenstück zum Junk-Food-Image darstellt, das viele immer noch (und zumindest an den Küsten zu Unrecht) mit den USA verbinden.

Whole Foods

Hier gibt es quasi ausschließlich Lebensmittel, die mit Schlagworten wie „organic“, „vegan“, „gluten-free“ oder „no GMO“ versehen sind und das in einer bemerkenswerten Auswahl. Man stelle sich Bio-Artikel eines typischen Al-Natura-Supermarkts vor und multipliziere das etwa mit hundert! Einen ähnlichen Faktor muss man allerdings auch auf die Preise anwenden.

Wir haben, wie schon in einem früheren Artikel geschrieben, auch kein Problem damit, bei Walmart, dem McDonald’s unter den Supermärkten, einzukaufen, aber man sollte einen Whole Foods zumindest mal von innen gesehen haben, um auch die andere Seite der Medaille zu kennen.

Whole Foods Obst Foto

Denn hier kauft die hippe Bevölkerung der Westküste ein – und wenn man am Ende seiner Reise ein paar Dollar über hat, kann man sich das Erlebnis auch mal gönnen, und für eine Packung glutenfreie Kekse, eine Tüte organische Chips sowie ein Bier von einer einheimischen Microbrewery locker 30$ ausgeben.

Ob es das geschmacklich wert ist? Keine Ahnung. Aber man fühlt sich schon irgendwie ziemlich trendy, wenn man statt mit einer braunen Plastiktüte mal mit einer braunen Papiertüte zurück zu seinem Auto geht.

Whole Foods Regal

Gefahrene Strecke: ca. 450 km, eine der längsten Strecken und recht zäh
Wetter: gemischt, teils wolkig und etwas kühl, aber insgesamt doch ganz gut
Hotel: Best Host Inn (85$) in Buena Park, etwas laut, aber sehr freundlich

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