Tag #26: Rückflug von Los Angeles nach Frankfurt

Es ist soweit. Nein, das klingt verkehrt.

Leider ist es soweit? Wir wussten, es würde irgendwann soweit sein? Wir sind am Ende?

Egal, jeder weiß, was gemeint ist: Wir müssen / dürfen / fliegen heute zurück und haben mal so gar kein Bock.

Gut, natürlich freut man sich am Ende des Tages dann auch ein Stück weit, wieder zu Hause zu sein, und natürlich hat man ab einem gewissen Punkt irgendwo genug vom Urlaub, weil man das Gesehene und Erlebte verarbeiten will.

Aber während die 15 Stunden auf dem Hinflug dank der Vorfreude recht schnell vergehen, fühlt sich der Rückflug ohne diese Vorfreude, dieses positive excitement, doch immer wie eine halbe Ewigkeit an.

Statt in Chicago, wie auf dem Hinflug, haben wir dieses Mal eine Zwischenlandung in Houston und falls jetzt jemand wissen möchte, warum das so ist, erkläre ich hiermit: Ich habe keinen blassen Schimmer.

Lufthansa hat uns das halt so angeboten und wer wären wir, die weisen Computer einer der größten Fluggesellschaften der Welt zu hinterfragen? Letzten Endes ist es aber auch reichlich egal, denn zeitlich läuft es auf nahezu exakt das Gleiche hinaus.

LAX International Airport

Wir beginnen den Tag gegen 5 Uhr morgens im Courtyard LAX, das seltsamerweise bestens gegen den äußeren Fluglärm, aber nur mäßig gegen die hauseigene Geräuschkulisse isoliert ist: Wenn ein paar hundert Meter entfernt eine 747 startet, quittieren die Fenster das mit einem müden Summen, aber wehe jemand duscht oder schmeißt die Klimaanlage drei Zimmer weiter an – dann wackeln die Wände! Und nicht auf die LA-typische Art und Weise. Das verstehe, wer will.

Davon abgesehen, ist das Courtyard aber eine gute Wahl am Flughafen und hinterlässt einen etwas freundlicheren Eindruck als das Wingate am Vortag.

Nach dem Aufstehen werfen wir, wie an jedem Morgen, als erstes die Glotze an und schauen mal, was die schlauen Menschen im Frühstücksfernsehen so zu erzählen haben. Severe thunderstorms in Houston? Soso, cool, cool!

Dann schnell unter die Dusche, den letzten matschigen Bagel runterwürgen (ha, immerhin ein Grund, sich wirklich auf zu Hause zu freuen!), noch acht Mal kontrollieren, ob auch wirklich alles eingepackt ist und schon geht’s los, mit dem Shuttle zu LAX.

Ich glaube, ich habe auf dem Hinflug darüber gelästert, dass der Flughafen von Chicago aussieht wie ein ausgemusterter Güterbahnhof in Wanne-Eickel oder so ähnlich. Rückblickend tut mir das ein wenig leid, denn dadurch muss ich jetzt etwas kreativer werden, um LAX, diesen Vorhof der Hölle, angemessen zu beschimpfen.

Versuchen wir es so: Selbst Berlin würde LAX nicht einmal geschenkt nehmen!

Los Angeles / Santa Monica aus der Luft

Was für ein furchtbarer, furchtbarer Flughafen – zumindest für Domestic Flights wie den unsrigen. Die Schalterhalle von United (sowohl „Schalter“ als auch „Halle“ ist im Grunde eine Übertreibung, wenn nicht gar Lüge) platzt aus allen Nähten, die Automaten für den Check-in funktionieren nach dem Zufallsprinzip (obwohl: ihnen Prinzipien anzudichten, wäre womöglich zu gutwillig) und die Angestellten reagieren auf die zwischenmenschliche Kontaktaufnahme mit Sätzen wie „That’s not my problem, Miss. Move over, please!“.

Meine unverschämte Nachfrage bezog sich im Übrigen darauf, dass der Automat für mich die Bordkarten für beide Flugabschnitte ausgespuckt hatte, für meine Begleitung aber nur für den ersten, trotz der gemeinsamen Buchung und des gemeinsamen Check-ins. Nichts Tragisches, aber vom Service, der in den USA sonst stets groß geschrieben wird, ist im Reisesektor (siehe auch: Mietwagen) oft erschreckend wenig zu spüren.

Immerhin ist der Security Check dann recht zügig und harmlos (da wird in Frankfurt meistens deutlich mehr rumgealbert) und auch gegen die United-Flüge an sich können wir nichts sagen: Dieses Mal geht es mit einer nicht ganz so vergilbten 753 nach Houston, das Flight Deck verspricht uns für unterwegs schwere Turbulenzen und „a rough descent into Houston“, aber auch hier übertreiben es die Amis doch arg mit den Superlativen.

Start und Landung zählen sogar zu den sanftesten, die wir jemals erlebt haben – ganz im Gegensatz zur Lufthansa, die ihren Flieger in Frankfurt später wie gewohnt auf den Beton zimmert, um auch ja keinen Zweifel daran zu lassen, dass man wirklich unten ist. Sicher ist sicher!

Flughafen in Houston

Wie auch immer, wir haben in Houston etwa zwei Stunden zum Umsteigen, ganz angenehm also, weil wir uns ein wenig die Beine vertreten können, zumal der Flughafen hier im Gegensatz zu LAX auch nicht den Eindruck erweckt, im 15. Jahrhundert für Hexenverbrennungen eingesetzt worden zu sein. So werden wir noch unsere letzten 9$ für ein Sandwich los und haben genug Zeit, um das zweite Ticket aufzutreiben.

Nach einem etwas chaotischen Boarding geht es im A388 danach in Richtung Frankfurt. Wir haben zwei Bulkhead Seats in Reihe 60 ausgewählt, da man hier etwas mehr Beinfreiheit genießt – und als Bonus kann man ein paar Gespräche der Cabin Crew in der Galley nebenan überhören.

Erkenntnis: Die Flugbegleiter mögen die Strecke Houston – Frankfurt, weil man auf der nach drei Stunden supergeil schlafen kann, noch mehr jedoch mögen sie das Wort „supergeil“, das dem Flieger angemessen etwa 388 mal fällt. Bevor wir in der Luft sind. Danach hab ich aufgehört zu zählen.

Lufthansa A388 Essen

Der Service ist aber, wie von der Lufthansa auf Langstrecke gewohnt, äußerst freundlich, auch wenn die Cabin Crew nach dem Anbruch der Dunkelheit tatsächlich ein bisschen Verstecken spielt.

Das Essen („Pasta or chicken?“, was sonst) war auf dem Hinflug zwar schmackhafter – aber, okay, wahrscheinlich hätten wir auf dem Hinflug dank Vorfreude auch Hundefutter saulecker (um nicht zu sagen: supergeil) gefunden.

Nach dem Essen versuche ich, Blackhat zu gucken, steige aber aus, als ich nach 45 Minuten immer noch nicht kapiert habe, worum es überhaupt geht und warum Thor irgendwelche absurden Codes in Laptops hackt anstatt seinen Hammer zu schwingen.

Stattdessen schalte ich auf „Nachts im Museum“ um, bei dem ich mir ziemlich sicher bin, dass ich ihn irgendwann schon einmal auf einem Flug gesehen habe, aber an den ich mich trotzdem nicht wirklich erinnern kann. Vielleicht zeichnet ihn das gerade aus. Idealer Flugzeugfilm.

Den Rest des Flugs verbringen wir mit einer Mischung aus Dösen und Auf-die-Flugkarte-starren, was nach einer Weile leicht meditative, wenn nicht gar hypnotische Züge annimmt – denn während sich die ersten vier Stunden doch arg ziehen, vergehen die darauffolgenden fünf einigermaßen schnell.

Nachtflug Lufthansa A388

Etwa anderthalb Stunden vor Schluss wacht dann auch die Cabin Crew wieder auf und spendiert uns ein kleines Frühstück; der aufgewärmte Ei-Flatschen schmeckt dabei überraschenderweise sogar besser als pasta or chicken. Und der Kaffee ist nach vier Wochen US-Kaffee sogar… wie soll ich sagen? Supergeil.

Da freut man sich sogar, wenn man ihn bei der Landung noch schnell wieder ein zweites Mal runterschlucken darf. Nonstop you eben!

Gefahrene Strecke: mit dem Shuttle vom Hotel über den Styx zu LAX
Wetter: von Sonne über Wolken bis hin zu Gewitter war alles dabei

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