Tag #3: Von San Simeon bis Monterey

Die gute Nachricht vorweg: Das Auto fährt noch! Die schlechte Nachricht: Es gibt keine schlechte Nachricht! Heute ist ein großartiger Tag, weil er sich – einigermaßen ausgeschlafen und ohne Bürokratie beim Autoverleih – wie unser erster echter Urlaubstag anfühlt und weil die Strecke wunderbar ist.

Die Strecke, das ist „der Highway 1“, genauer gesagt der Abschnitt zwischen San Simeon und Monterey, der gemeinhin als der Highway 1 bezeichnet wird. Ausblicke, State Parks, Strände und natürlich die Big-Sur-Region erwarten uns, weshalb wir auch heute schon wieder gegen 8 Uhr unterwegs sind.

Neben der noch nicht gänzlich gelungenen Zeitumstellung sind es vor allem die Vorfreude auf die Strecke und das weiterhin tolle Wetter, die uns antreiben: Bis zu 25° C werden es heute, bei blauem Himmel, und – wie derzeit in Kalifornien üblich – natürlich auch ohne Chance auf Regen.

Dürre in Kalifornien am Highway 1

Dass die Dürre sogar an der Küste häufig und auch zu dieser Jahreszeit so sichtbar ist, erschrickt hier und da schon ein bisschen.

Wo die Straße sonst von verschiedensten Grüntönen gesäumt wurde, sieht man nun überwiegend gelb und grau, wo einst im April und Mai bunte Blumen blühten, findet man heute verdorrte Büsche vor. Kein Wunder, wenn allein in 2015 weniger als fünfzehn Prozent des sonst üblichen Regens gefallen ist, wie die klugen Menschen im Frühstücksfernsehen heute morgen sagten.

Aber zurück zu den schönen Seiten! Von der angenehmen San Simeon Lodge aus geht es zunächst ein paar Kilometer nach Norden zu Piedras Blancas, wo sich hunderte Seeelefanten quasi direkt an der Straße am Strand suhlen. Okay: Als wir am frühen Morgen eintreffen, schlafen die meisten noch, aber wir wollen es mal nicht so genau nehmen. Das Bild ist so oder so beeindruckend, Geruch und Geräuschkulisse ebenfalls.

Seeelefanten in Piedras Blancas

Nach diesem kurzen Abstecher ist erstmal ein bisschen Autofahren angesagt, denn unser erstes echtes Ziel ist heute der Julia Pfeiffer Burns State Park, etwa eine Stunde nördlich gelegen. Auf dem Weg dorthin wirkt der Highway 1 wie ausgestorben, doch wir sind nicht die ersten, die das tolle Naturschutzgebiet erreichen.

Nach dem Zahlen der 10$ Fee an einer Self-Pay-Station (Geld in Umschlag stecken, Kennzeichen auf dem Umschlag notieren, Umschlag in Kasten werfen), begeben wir uns als erstes auf den Weg zu den bekannten McWay Falls – in erster Linie aus Neugier, ob sie angesichts der Dürre überhaupt noch fließen. Tun sie, wenn auch verdammt spärlich, weshalb sie sich verschämt im Schatten verstecken.

Mc Way Falls im Julia Pfeiffer Burns State Park

Anschließend starten wir den Ewoldsen Trail, der hinauf in die Berge führt, von denen aus man tolle Ausblicke auf die Umgebung genießen kann – wenn man bereit ist, dafür zu arbeiten. Wir sind das heute, auch weil der einstige Rundweg nur noch ein verkürzter halber ist; die rechte Hälfte fiel vor einigen Jahren den Waldbränden zum Opfer, wurde seitdem nicht wieder eröffnet und es sind auch keine Anstalten zu erkennen, das zu ändern.

Der Weg hinauf fällt mit einer Länge von etwa 4 Kilometern eigentlich nicht allzu lang aus, doch die Höhenmeter summieren sich, weshalb wir unterwegs dem ein oder anderen Umkehrer begegnen, und auch wir spüren die Anstrengung. Vermutlich hätten wir doch schon kurze Klamotten anziehen sollen.

Ausblick vom Valley View Trail

Hinterher ist man immer schlauer und hinterher ist heute der Pfeiffer Big Sur State Park, der als nächstes auf unserer Liste steht und tiefere Einblicke in den am Highway 1 manchmal ein wenig vernachlässigten Wald erlaubt. Wir wagen uns auf den Pfeiffer Fall / Valley View Trail, von der Wegführung her nicht minder anstrengend als der Ewoldsen Trail zuvor, aber aufgrund des schattigen Waldes ein wenig angenehmer.

Pfeiffer Falls im Big Sur State Park

Dabei treffen wir auch immer wieder auf wandernde, häufig gesprächige Einheimische, die man grob in fünf Gruppen einteilen kann:

1. Pärchen in ihren Zwanzigern: Die Männer oft in Shorts und Shirt, die Frauen hingegen sehen häufig so aus, als wären sie auf dem Weg in die Disco entführt worden. Sie scheinen es meistens recht eilig zu haben, zwei Selfies oben am Viewpoint und dann zurück. Entsprechend knapp fällt der Wortwechsel aus. Typische Begrüßung: „Hey!“

2. Paare in ihren Dreißigern mit Kindern: Sie sind die einzigen Amerikaner, die häufig nicht grüßen – entweder, weil sie zuviel mit ihren Kindern zu tun haben oder weil das Fernsehen ihnen beigebracht hat, dass jeder Fremde eine Bedrohung für ihre Kinder darstellt. Die Männer bemühen sich oft, so auszusehen wie in ihren Zwanzigern (und scheitern), während die Frauen häufig so angezogen sind, als wären sie gerade aufgestanden. Typische Begrüßung: Ein misstrauischer Blick.

3. Männer in ihren Vierzigern: In der Altersgruppe sieht man seltsamerweise kaum Frauen. Bleiben die zu Hause? Sind die Männer geschieden? War die Ehefrau auf dem Hinweg in den Wald noch dabei? Man weiß es nicht, aber da dieser Typ von Wanderer immer besonders gut gelaunt ist, muss wohl irgendwas davon zutreffen. Typische Begrüßung: „Wonderful day for a hike, huh?“

4. Paare zwischen 50 und 65: Sie entsprechen am ehesten den Klischees, sind schon nach 500 Metern aus der Puste, nutzen jede Gelegenheit, stehen zu bleiben, und sind deshalb besonders gesprächig, wenn sie denn die Luft zum Sprechen haben. Typische Begrüßung auf dem Hinweg: „Do you know how much farther it is?“ Auf dem Rückweg: „When you go down, you always forget that you have to go back up!“

5. Rentner: Die schlimmsten Wanderer! Da reist man als noch halbwegs junger, halbwegs fitter und sich halbwegs gut ernährender Europäer in die USA und will den ollen, faulen Amis mal zeigen, wie man in der alten Welt so wandert – und während man sich selbst schwitzend und schnaufend die Wege hochquält, kommen einem 75-jährige Einheimische entgegen, denen man in der Stadt über die Straße helfen wollen würde, die hier aber über Stock und Stein springen wie junge Rehe.

Typische Begrüßung: „Don’t worry, folks, you’re almost there! My husband and I went here fifty years ago! Where are you guys from? Germany? That’s so nice, you guys must hike a lot! I could talk for hours, by the way, because I’M SO FIT!“

Blick auf die Küste am Highway 1

Aber bevor wir hier gänzlich den Faden verlieren, sei nur festgehalten: Der Trail lohnt sich. Pfeiffer Falls fließen noch etwas tapferer als die McWay Falls zuvor und auch der Valley View gefällt.

Nachdem wir nun drei, vier Stunden am Stück gewandert sind, spüren wir die Müdigkeit dann aber doch in den Beinen und lassen es auf dem verbleibenden Highway 1 ruhiger angehen – auch weil wir uns unter anderem die Point Lobos State Reserve noch für morgen aufheben wollen, wenn wir wieder etwas frischer sind.

Bixby Bridge am Highway 1

So halten wir im weiteren Verlauf der Straße überwiegend an diversen Aussichtspunkten, die keine langen Wanderungen erfordern, und erreichen schließlich Monterey, wo wir in der Lone Oak Lodge übernachten. Ein typisches, gutes Motel, das tagsüber ein wenig laut wirkt, in dem man nachts aber bestens schlafen kann.

Zudem befindet sich direkt nebenan das unscheinbare, aber sehr empfehlenswerte Mundo’s Cafe, in dem wir uns einen Jalapeno Cheese Burger und ein Turkey Sandwich holen, beides natürlich frisch zubereitet und saulecker – auch wenn das Sandwich als recht klarer Gewinner hervorgeht!

Lone Oak Lodge in Monterey

Gefahrene Strecke: ca. 175 km
Wetter: durchweg sonnig, 22-25° C
Essen: Burger & Sandwich in Mundo’s Cafe Monterey (15$)
Hotel: Lone Oak Lodge (86$), nichts zu beanstanden

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