Tag #5: Sequoia National Park

Die Attraktivität von großen Bäumen ist, nun, entweder streitbar oder zumindest schwer zu greifen: Die Bäume im Redwood National Park im Norden von Kalifornien beispielsweise sind im Schnitt 500 bis 700 Jahre alt und können über 100 Meter hoch wachsen, was einem mehr als 30-stöckigen Hochhaus entspricht – doch es fällt schwer, die Bedeutung dessen wirklich zu verstehen, weil man ihnen das Alter nicht direkt ansieht und in Bezug auf die Höhe die Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Selbst wenn man sich neben einen dieser riesigen Bäume stellt, kann man im dichten Wald nur erahnen, wie groß er tatsächlich ist.

King's Canyon National Park Foto

Ähnliches gilt auch für Sequoia und doch ist das Außergewöhnliche, nach dem man auf einer USA-Reise so oft sucht, hier etwas greifbarer, weil diese Mammutbäume vor allem ihr gewaltiger Durchmesser einzigartig macht – und den kann man recht einfach erkennen, wenn man sich neben den Baumstamm stellt. Ohne diesen Vergleich (und auch auf Fotos) lässt sich die Faszination des riesigen Waldes daher nur erahnen.

Unser Reisetag beginnt an diese Morgen recht ausgeruht in Fresno, von wo aus es über den Highway 180 nach Osten und dann in den Park (bzw. erst in den zugehörigen King’s Canyon National Park) geht. Obwohl wir einige tausend Fuß hinauffahren, gestaltet sich die Strecke recht angenehm, da die Straße gut ausgebaut ist und sie nur relativ wenige enge Kurven beschreibt.

General Grant Tree in King's Canyon

Gegen 10 Uhr oben angekommen, biegen wir zunächst nach links ab, wo mit dem General Grant Tree einer der größten Bäume auf seine Besucher wartet. Ein kurzer, weitgehend asphaltierter Weg führt an etlichen riesigen Bäumen vorbei, einige davon schon vor Jahrzehnten umgestürzt, was ihre Größe auf eine gewisse Weise verständlicher macht: Sich neben eine der gewaltigen Wurzeln zu stellen oder durch die Überreste eines Baumstamms zu gehen, ist hilfreich, um sich die Ausmaße wirklich zu vergegenwärtigen.

Fast noch beeindruckender als die Breite und Höhe der Bäume finden wir aber die schönen Farben, die im noch leicht morgendlichen Licht oft wunderbar rot „leuchtende“ Rinde, welche die Sequoias doch ein wenig attraktiver als etwa die Redwoods macht.

Sequoia National Park

Während wir hier noch ein paar anderen Besuchern (inklusive eines Schulbusses!) begegnen, sind wir auf dem North Grove Trail anschließend ganz allein.

Anfangs zumindest.

Der Weg erlaubt einen etwas allgemeineren Einblick in den Wald, ohne allein auf die dicksten Bäume fokussiert zu sein, und wir genießen die Anblicke – bis wir plötzlich im Gebüsch neben uns, nur ein paar Meter entfernt, ein lautes Grollen hören.

Wie schon zuvor geschrieben, sind unsere Kenntnisse der Tierwelt doch eher begrenzt, aber ich wage zu behaupten, dass ein Vogel oder Hirsch nicht in der Lage ist, ein so lautes und aggressives Geräusch von sich zu geben.

Da weit und breit keine anderen Wanderer in der Nähe sind, entscheiden wir uns spontan zur Umkehr und reden uns dabei ein, dass es sicher nur ein Hirsch oder so war – aber seien wir ehrlich: Es klang wie ein Bär und außerdem gibt das im Nachhinein die bessere Geschichte ab, als vor einem Hirsch geflohen zu sein!

Obwohl es stark bergauf geht, sind wir auf dem Rückweg jedenfalls deutlich schneller als auf dem Hinweg und gönnen uns erst einmal eine kleine Fahrpause zum Abkühlen.

Big Trees Trail Foto

Weiter geht es im Giant Forest, der dank des dort befindlichen General Sherman Trees – der größte und bekannteste Baum – bestens besucht ist. Dass die Wege durch den Wald hier fast durchweg asphaltiert sind, mag man ein wenig schade finden, aber insgesamt empfinden wir den Giant Forest als sehr sehenswert, da gut ein Dutzend Bäume einen näheren Blick und ein paar Fotos wert sind.

Anschließend geht es weiter auf einer Stichstraße zur Crescent Meadow. Bei der Fahrt dorthin fällt uns am Rand der Straße eine kleine Menschengruppe auf und wer schon einmal in einem National Park in den USA war, weiß: Hier gibt es mit Sicherheit ein Tier zu sehen. So ist es dann auch und anstatt nur einen Bären zu hören, sehen wir ihn nun, wenn auch in deutlich größerer Entfernung als zuvor.

Bär im Sequoia National Park

Crescent Meadow schließlich ist eine ganz nette Lichtung mit einer Wiese, der man die Dürre allerdings auch ein wenig ansieht. In anderen Jahren konnte man bis in den Juni hinein nur mit Schneeketten in Sequoia hineinfahren, in diesem Jahr war es schon im April problemlos möglich – das geht natürlich nicht spurlos vorbei.

Also weiter durch den Tunnel Log, ein umgefallener Baum, den man mit dem Auto durchfahren kann, zum Moro Rock, der den Abschluss unseres Besuchs darstellen soll.

Auto im Tunnel Log

Der Moro Rock Trail ist nicht viel länger als 500 Meter one-way, doch diese 500 Meter geht es im Grunde durchweg bergauf über Treppen und Felsen. Da kann man auf über 3000 Metern Höhe schon mal ein wenig außer Atem kommen.

Oben werden wir dafür trotz leicht diesiger Luft mit einem wundervollen Ausblick auf die Umgebung belohnt, der die Anstrengung im Nu vergessen macht. Nur runter müssen wir jetzt noch irgendwie wieder…

Moro Rock Seqoia

Schaffen wir aber natürlich und dann geht es über den Highway 198 aus dem Park hinaus. Die Strecke ist hier viel verschlungener und anstrengender als auf der Hinfahrt – vermutlich wären wir sogar schneller gewesen, wenn wir den Umweg erneut über die 180 gefahren werden.

So kommen wir dieses Mal erst spät im Hotel in Bakersfield an, das dafür wirklich toll ist. Ich war aus irgendeinem Grund noch nie zuvor in einem Hampton Inn und hatte es im Voraus etwa auf dem Niveau eines Best Western Plus eingeschätzt, doch tatsächlich liegt es mindestens zwei Klassen drüber; über den Betten kleben sogar Zettel, dass die Tagesdecken frisch gewaschen sind.

Hampton Inn in Bakersfield

Zum Essen besuchen wir dann aber nur noch einen Del Taco direkt neben dem Hotel, da wir zu geschafft sind, um noch weiter zu fahren. Die Burritos sind im besten Fall als mäßig zu bezeichnen, aber was soll’s: Der Besuch im Sequoia war schön genug!

Gefahrene Strecke: ca. 325 km, zogen sich ein wenig
Wetter: sonnig, erst etwa 22° C, dann knapp 40° C
Essen: Burritos bei Del Taco, nicht so spannend (8$)
Hotel: Hampton Inn Bakersfield North (95$), sehr gut

Und jetzt? Zurück zur Übersichtsseite unseres USA Reisebericht, mehr Fotos auf Flickr angucken oder weiterlesen mit Tag 6!

Lesen Sie auch

Close