Tag #8: Organ Pipe Cactus National Monument

Bevor ich zum ersten Mal in den Südwesten der USA gereist bin, hatte ich mir die Wüste – vor allem das Death Valley und die Umgebung von Las Vegas – immer so vorgestellt, wie man die Wüste aus zahlreichen Filmen kennt: Mit alten Westernstädten, markanten Bergen und vor allem durchsät von Kakteen.

Doch während man sehenswerte Felsen und alte oder auf alte getrimmte Ghost Towns tatsächlich in vielen Ecken findet, sucht man Kakteen auf den gängigsten Routen durch den Südwesten weitgehend vergeblich.

Grund genug, in den Süden Arizonas zu fahren, wo neben dem Saguaro National Park, zu dem wir morgen kommen werden, vor allem das Organ Pipe Cactus National Monument mit seinen Kakteen lockt – allerdings auch extrem weit weg vom Schuss liegt, was die Anreise auf zweierlei Art und Weise recht ungewöhnlich gestaltet.

Visitor Center vom Organg Pipe Cactus National Monument

Aber der Reihe nach.

Wir beginnen unseren achten Urlaubstag mit dem üblichen Continental Breakfast im Comfort Inn in Yuma. Für ein Land, das doch derart vom Essen besessen ist (zum Teil qualitativ, zum Teil quantitativ), erstaunt es immer wieder aufs Neue, wie wenig wert man hierzulande auf das Frühstück in Hotels legt.

Letzten Endes greift man doch immer zu einem zähen Bagel mit Erdnussbutter oder Marmelade, schiebt sich einen Muffin rein und spült mit etwas heißem, leicht aromatisierten Wasser nach, das einem als Kaffee verkauft wird. Reicht, um den Magen für ein paar Stunden zu füllen, aber nach ein paar Tagen sehnt man sich doch ein wenig nach Alternativen.

Die gibt es – das Frühstück in einer Fast-Food-Kette ausgenommen – unterwegs aber nur selten, also greifen wir auch heute wieder zu Bagels, Muffins und „Kaffee“, bevor wir zum Organ Pipe Cactus National Monument starten.

Kaum sind wir auf der Interstate 8 nach Osten angekommen und freuen uns, mal mit Tempo 75 fahren zu dürfen, sehen wir am Straßenrand „Speed Limit Ahead“. Erst 65, dann 55 und 45 – eine Baustelle? 35, 25, 15. Nein: Ein Checkpoint der Border Patrol, die alle Fahrzeuge anhält, von Hunden abschnüffeln lässt und dann die Insassen kontrolliert.

Checkpoint der Border Patrol in Arizona

Wir kurbeln das Fenster herunter. Ein prüfender Blick des Grenzbeamten ins Innere. Und dann heißt es:

„You two US citizens?“
„German.“
„German? Uh-oh! Got any passports?“

Zum Glück haben wir unsere Reisepässe gleich parat und nach einer intensiven Musterung – sind wir es wirklich? – und nach ein paar weiteren ungläubigen Fragen („You’re on vacation? In Arizona?!„) dürfen wir weiterfahren. Ein Prozess, der sich exakt so heute noch zwei weitere Male abspielen wird.

Überhaupt ist auffällig, wie viele Border Patrols die Straßen im Süden von Arizona überwachen: Etwa jede Meile steht ein weiß-grüner Wagen der Grenzpolizei lauernd im Gebüsch und – ohne Übertreibung – alle zwei Minuten kommt uns ein weiteres Fahrzeug entgegen, das die Highways hier offenbar tagein, tagaus auf- und abfährt.

Warnung vor illegalen Immigranten

Das Ganze macht die Fahrt schon zu einem Erlebnis, soll aber nicht unser eigentliches Ziel heute in den Hintergrund stellen, also: Am späten Vormittag erreichen wir das National Monument, das sich fast an der Grenze zu Mexiko befindet.

Schon auf dem Weg dorthin säumen unzählige Kakteen – so wie man sie aus vielen Filmen kennt – die Straße und nach der Einfahrt zeigt sich die hier sonst oft so karg wirkende Wüste tatsächlich von ihrer besten Seite: Die Orgelpfeifenkakteen, die dem Monument seinen Namen geben, strecken ihre Arme überall dem Himmel entgegen, sind aber bei Weitem nicht die einzigen Kakteen im Parkgebiet.

Ein blühender Kaktus

Nach einem kurzen Besuch des Visitor Centers steuern wir als erstes den Victoria Mine Trail an, um die noch nicht ganz so große Hitze zum Hiking zu nutzen. Am Trailhead ist weit und breit kein Menschen zu sehen, stattdessen treffen wir auf eine „Trail Registration Box“, in der man notieren kann bzw. soll, wann man den Trail begonnen hat und wann bzw. dass man zurückgekehrt ist.

Trail Registration Box

Ganz interessant: Der letzte Eintrag vor uns liegt fünf Tage zurück, außerdem lässt sich nachlesen, dass vor ein paar Wochen ein gewisser Herr Schröder da war und er drei Stunden für den Trail gebraucht hat. Außerdem weisen diverse Schilder natürlich darauf hin, dass man in diesem Gebiet auf Schmuggler treffen kann, sich von ihnen fernhalten und sie den Behörden melden soll.

Wir begegnen keinen, dafür aber einem tollen, wenn auch überraschend anstrengenden Wanderweg durch die Wüste, vorbei an unzähligen verschiedenen, teils riesigen Kakteen und Ausblicken. Als wir uns am Ende wieder austragen, sind übrigens nur zweieinhalb Stunden vergangen – nimm das, Herr Schröder.

Victoria Mine Trail in Organ Pipe

Anschließend drehen wir eine Runde über den North Puerto Blanco Drive, eine Scenic Road, die etliche weitere schöne Viewpoints und eine tolle Picknick Area bereithält. Hier gönnen wir uns einen kleinen Snack und überlegen dann, wie wir mit dem weiteren Tag verfahren sollen.

Foto vom North Puerto Blanco Drive

Eigentlich wollten wir in Ajo nahe von Organ Pipe Cactus NM übernachten, aber es ist noch recht früh und in dem winzigen Dorf – ca. drei Häuser, eine Tanke – gibt es beim besten Willen nichts zu tun. Da es bis zu unserem nächsten Ziel, Tucson, nur gut 200 km sind, entscheiden wir uns spontan zur Weiterfahrt, um den restlichen Tag sinnvoll zu nutzen und morgen etwas mehr Zeit zu haben.

Unterwegs begegnen wir erneut den schon erwähnten Border Patrols und einem kräftigen Regenschauer – dem ersten auf unserer Reise -, doch in Tucson werden wir wieder von der Sonne begrüßt… und von tausenden Kakteen.

La Quinta Tucson Zimmer

Gefahrene Strecke: ca. 500 km, kleine, gut befahrbare Straßen
Wetter: meist sonnig, 25-35° C, nur ein kleiner Regenschauer beim Fahren
Hotel: La Quinta Tucson South (75$), gut, frisch renovierte Zimmer

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