Grand Staircase-Escalante National Monument
Ein vielseitiges, nicht einfaches National Monument im Süden von Utah ...
Das Grand Staircase-Escalante National Monument zählt zu den am schwersten zu erreichenden oder auch nur zu erklärenden Regionen im Südwesten der USA, was für Urlauber gleichermaßen so einige Vor- wie Nachteile mit sich bringt.
Denn die häufig lange, umständliche und mitunter nur mit Allradantrieb zu schaffende Anfahrt bedeutet zugleich, dass sich Reisende hier tatsächlich weit abseits der üblichen Routen bewegen – und sich dementsprechend auf viel Stille und weitgehend unberührte Natur freuen dürfen.
Zeitaufwand: ein bis zwei Tage
Öffnungszeiten: rund um die Uhr, abhängig vom Zustand
Touren: Zebra Canyon Tour ($), Slot Canyon Tour ($)
Camping: Calf Creek, Kodachrome Basin, Escalante Petrified Forest
Unsere Einschätzung: fantastisch und vielseitig, aber nur mit Jeep oder Tour!
Überblick: Lage, Anfahrt & Orientierung
Grand Staircase-Escalante ist ein im Süden von Utah gelegenes National Monument: Ein Naturschutzgebiet also, das sich grob zwischen dem Capitol Reef National Park im Nordosten, dem Bryce Canyon National Park im Westen sowie der Glen Canyon National Recreation Area bei Page im Süden erstreckt.

Es zeichnet sich durch seine beeindruckende Landschaft aus, die neben ungewöhnlichen Felsformationen auch mehrere Slot Canyons und sogar kleine Wasserfälle bietet. Optisch siedelt es sich irgendwo zwischen dem schon erwähnten Capitol Reef sowie dem Zion National Park an; in weiten Teilen lässt es sich das National Monument jedoch mit keinem anderen National Park im Südwesten der USA wirklich vergleichen.
Grundsätzlich gibt es zwei Straßen, von denen aus man Teile des wahrlich riesigen Naturschutzgebiets erreichen kann: Im Süden ist das der häufig als Abkürzung genutzte Highway 89, der von Kanab nach Page führt, während im Norden die ohnehin wunderschöne Utah State Route 12 (UT-12/SR-12) als Ausgangspunkt für viele der kleinen, versteckten Ziele dienen kann.

Tatsächlich handelt es sich bei nahezu allen Straßen im Naturschutzgebiet nämlich um sogenannte Dirt Roads, die mit einem normalen Mietwagen oder einem gemieteten Wohnmobil in der Regel nicht befahren werden dürfen – und häufig auch nicht befahren werden können. Vor allem nach Regenfällen weichen die Straßen auf oder stehen unter Wasser, sodass an ein Weiterkommen ohne Allradantrieb und High Clearance nicht zu denken ist.
Jeeps können am besten in Escalante ab etwa 250 € pro Tag gemietet werden. Alternativ kann man sich dort auch einer geführten Tour anschließen, was für Erstbesucher die einfachere Option darstellen mag.

Aussichtspunkte, Wanderwege & Attraktionen
Im Detail lässt sich Grand Staircase-Escalante National Monument grob in vier Regionen einteilen:

1. Utah SR-12
Die Utah State Route 12 befindet sich im Norden des Naturschutzgebiets. Sie bietet den großen Vorteil, dass es sich bei ihr um eine gut ausgebaute Straße handelt, die noch dazu auf dem Weg von Bryce Canyon zu Capitol Reef im Grunde immer befahren wird. Man kann einen kleinen Teil von Grand Staircase-Escalante entlang ihr also einfach „unterwegs mitnehmen“, wenn man so will.
Dabei handelt es sich in erster Linie um zahlreiche Ausblicke auf die facettenreiche Landschaft, für die jeweils lediglich einer kurzer Stopp am Straßenrand notwendig ist. Schilder mit der Aufschrift „Scenic View“ und entsprechende Parkbuchten weisen einen darauf hin, wo sich ein Foto besonders lohnt.

Möchte man etwas mehr von dem National Monument sehen, empfiehlt sich die Wanderung zu den Lower Calf Creek Falls – der knapp 10 km lange Wanderweg zählt zu den mit Abstand schönsten im Südwesten. Der Trail fällt stellenweise ein wenig sandig aus, ist ansonsten aber mit durchschnittlicher Konstitution problemlos machbar, und auch die Zugänglichkeit ist dank eines Parkplatzes direkt neben der SR-12 gegeben. Für uns ein Muss!
Ebenfalls einen kurzen Blick wert sein könnte der Petrified Forest State Park nahe Escalante, der in Teilen dem Petrified Forest National Park in Arizona ähnelt.

2. Highway 89
Das Gegenstück zur SR-12, wenn man so will, ist Highway 89, der im Süden an Grand Staircase-Escalante vorbeiführt. Er verbindet Kanab und den Coral Pink Sand Dunes State Park im Westen mit unter anderem Page und Antelope Canyon im Osten.
Genauso wie die SR-12 ist Highway 89 gut ausgebaut und kann entsprechend problemlos sowohl mit Mietwagen als auch Mietwohnmobil befahren werden. In der Regel stellt das allerdings eher eine Option für eine zweite oder dritte Rundreise durch den Südwesten dar, weil im Süden üblicherweise die Route über den Grand Canyon National Park gewählt wird – man Highway 89 anders als die SR-12 also nicht „automatisch“ abfährt.

Tut man es dennoch, stößt man unweit des Dorfs Big Water auf die einfach zu erreichenden Toadstool Hoodoos sowie die einen deutlich größeren Aufwand erfordernden Wahweap Hoodoos. Auch Old Paria (teils als Old Pahreah Townsite ausgeschildert) könnte einen Stopp wert sein: Tafelberge und die letzten Überreste einer Geisterstadt sowie eines Filmsets sind dort zu finden.
Ehrlicherweise kratzt man das National Monument hier allerdings bestenfalls an, weshalb mit Ausnahme der wirklich ungewöhnlich erscheinenden Toadstool Hoodoos alles andere als bestenfalls optional zu erachten ist.

3. Hole-in-the-Rock Road
Die meisten Attraktionen in Grand Staircase-Escalante befinden sich entlang der Hole-in-the-Rock Road, die nahe dem Dorf Escalante gen Südosten abzweigt. Bei ihr handelt es sich um eine Dirt Road, die Urlauber vor gewisse Probleme stellt, da sie mit Mietwagen im Normalfall nicht befahren werden darf – und mit einem Wohnmobil auch nicht befahren werden kann.
Um die fantastischen Felsformationen entlang der Hole-in-the-Rock Road zu besuchen, ist daher die Miete eines Jeeps (in Escalante, ab etwa 250 € pro Tag) oder die Teilnahme an einer geführten Tour sinnvoll.

Die Straße an sich befindet sich üblicherweise insbesondere auf den ersten 25 km in einem guten Zustand und kann dann zumeist auch mit einem gewöhnlichen Pkw befahren werden. Erst südlich der 25-km-Marke ist ein Fahrzeug mit Allradantrieb und High Clearance eindeutig die bessere Wahl.
Zu den wichtigsten Attraktionen an der Hole-in-the-Rock Road zählen der Devils Garden, unter anderem mit seinem fragil erscheinenden Metate Arch, und Zebra Canyon. Im südlichen Abschnitt sind zudem Peek-A-Boo Gulch und Spooky Gulch den Besuch wert.

4. Cottonwood Canyon Road
Die vierte wichtigste Straße im Grand Staircase-Escalante ist schließlich die Cottonwood Canyon Road, die nahe der Kleinstadt Cannonville im Westen des National Monuments gen Süden führt. Hinter dem sehenswerten Kodachrome Basin State Park stößt man dort unter anderem auf den Willis Creek Slot Canyon sowie den Grosvenor Arch.
Für Letzteren ist ein „echter“ Jeep – beziehungsweise allgemein ein Auto mit 4WD und hohem Bodenabstand – allerdings Pflicht, denn die Straße ist deutlich anspruchsvoller als die Hole-in-the-Rock Road. Nach Regenfällen kann die Cottonwood Canyon Road selbst mit einem Jeep gefährlich rutschig werden, daher unbedingt im Voraus Informationen zum aktuellen Zustand sowie dem zu erwartenden Wetter bei einem Visitor Center einholen!

Unbedingt vorab informieren!
Überhaupt ist es unverzichtbar, sich vor einem Besuch stets über die aktuellen Straßenbedingungen sowie das zu erwartende Wetter zu informieren!
Erste Anlaufstelle dafür sollte das verwaltende BLM (Bureau of Land Management) sein, am besten direkt vor Ort im Visitor Center. Auf Handyempfang darf man unterwegs keinesfalls vertrauen (oder vielmals auch nur hoffen), weshalb es sinnvoll ist, jemanden vorab über die eigenen Pläne zu informieren und sich am Trailhead in ein etwaiges Register einzutragen.
Die Gefahr des Verlaufens ist klein, aber gegeben. Grundsätzlich stellen – wie so oft – die Temperaturen und Sonne das größte Risiko dar. Unbedingt an ausreichend Wasser, angemessene Kleidung und Sonnenschutz denken!

Wie viel Zeit braucht man für das National Monument?
Durchfährt man Grand Staircase-Escalante lediglich oberflächlich entlang der UT-12, ist der Zeitaufwand für den sehenswerten, knapp 200 km langen Abschnitt zwischen Bryce Canyon und Capitol Reef National Park gering: Gut 3 Stunden reichen mit ein paar Fotostopps an den Aussichtspunkten entlang der Straße völlig aus.
Möchte man zusätzlich zumindest die recht einfache, aber lohnenswerte Wanderung zu den Lower Calf Creek Falls in Angriff nehmen, muss man dafür etwa 3 Stunden extra einkalkulieren. Ein halber Tag wäre für einen ersten Besuch des National Monuments also angemessen.

Ganz anders sieht es natürlich aus, wenn man tatsächlich weite Teile von Grand Staircase-Escalante mithilfe eines Jeeps erkunden möchte: In dem Fall sollte man mindestens eine zusätzliche Übernachtung an der UT-12 einlegen – üblicherweise in dem kleinen, aber zentral gelegenen Dorf Escalante.
Ein kompletter Tag stellt dann das Minimum für einen Besuch dar. Allerdings bietet das Naturschutzgebiet so viel (und noch dazu auf relativ großer Fläche), dass zwei Tage zumeist sinnvoller wären: Einen verbringt man dann entlang der Hole-in-the-Rock Road im Osten des Gebiets, den zweiten rund um die Cottonwood Canyon Road im Westen.

Hotels in der Umgebung
Die Wahl eines Motels oder Hotels ist hauptsächlich davon abhängig, wie viel Zeit man in dieser Region verbringen möchte. Ohne ein Auto mit Allradantrieb durchfährt man das Gebiet üblicherweise an einem Tag, sodass man im Westen am besten in Bryce Canyon City und im Osten in Torrey übernachtet.
Typische Anlaufstellen sind dort das „historische“ Ruby’s Inn ($) sowie das Red Sands Hotel ($).
Unterkünfte in Escalante
Übernimmt man hingegen einen Jeep (oder ein vergleichbares Fahrzeug), ist eine Übernachtung im Zentrum des National Monuments dringend zu empfehlen. Die dortige Auswahl hat sich in den vergangenen Jahren leicht gebessert, auch wenn sich noch keine der üblichen Ketten in das Dorf gewagt hat.
Stattdessen stößt man auf kleine, zumeist familiengeführte Motels und Hotels wie das urige Cowboy Country Inn ($) oder die modernere Canyon Country Lodge ($). Mit Übernachtungspreisen in Höhe von 150 bis 200 € muss man im Jahr 2025 aufgrund des trotz Besserung weiterhin geringen Angebots rechnen.

Supermärkte, Tankstellen und Diners
Davon abgesehen fällt die Infrastruktur von Escalante allerdings eher einfach aus. Eine immerhin ganz brauchbare Auswahl an Lebensmitteln findet man bei Griffin Grocery, auch die drei Tankstellen an der Hauptstraße verfügen jeweils über einen Mini-Mart.
Fast Food im Sinne der großen Ketten existiert in Escalante (noch) nicht, die Auswahl an Diners und Cafés ist aber ganz ordentlich: Nemo’s Drive Thru, Magnolia’s Kitchen und das Esca-latte Restaurant zählen zu den besten Optionen.

Camping im Grand Staircase-Escalante
Prinzipiell ist es möglich, in weiten Teilen von Grand Staircase-Escalante sogenanntes „Backcountry Camping“ zu betreiben, das Wohnmobil also einfach irgendwo in der Wildnis zu parken und dort zu übernachten. In der Regel ist dafür allerdings eine Genehmigung („Permit“) erforderlich, die man beim Escalante Interagency Visitor Center in der gleichnamigen Kleinstadt erhält.
Die meisten Reisenden mögen dann aber doch einen Hauch von Zivilisation in Form eines etablierten Campingplatzes bevorzugen. Erste Wahl sollte dabei der Calf Creek Campground darstellen, der sich nahe dem Trailhead zu den Lower Calf Creek Falls fast direkt an der UT-12 befindet – schön, aber nicht zu groß und ordentlich ausgestattet.
Davon abgesehen ist das National Monument an sich nicht mit nennenswerten Campingplätzen gesegnet, dafür jedoch die State Parks in der unmittelbaren Umgebung: Sowohl im Kodachrome State Park als auch im Escalante Petrified Forest State Park trifft man jeweils auf einen gut ausgestatteten, empfehlenswerten Campground.

Ziele in der Umgebung
Wie anfangs bereits angesprochen, wird das Grand Staircase-Escalante üblicherweise in Verbindung mit dem Bryce Canyon National Park und dem Capitol Reef National Park besucht. Ersterer knüpft sogar beinahe direkt an das National Monument an, während Letzterer etwa 100 km von der nordöstlichsten Ecke entfernt liegt.
Theoretisch wäre der Besuch auch in Verbindung mit Page und den Antelope Canyons möglich, da die Cottonwood Canyon Road den Highway 12 im Norden mit Highway 89 im Süden verbindet. Aufgrund des Zustands der Straße und praktischer Überlegungen in Hinblick auf das Anmieten eines Jeeps kommt diese Option jedoch nur in Ausnahmefällen infrage.






